Bis zu 20 Grad möglichDer Frühling schickt einen ersten Wärmeschub
Die vergangene Nacht war nochmal knackig. Doch das ändert nichts daran, dass der Winter wohl vorbei ist. In der kommenden Woche könnte stellenweise sogar die 20-Grad-Marke geknackt werden, sagt ntv-Meteorologe Björn Alexander. Doch zuvor kommt ein ungemütliches Wochenende.
ntv.de: Überschwemmungen in Teilen Frankreichs, eine angespannte Lawinensituation in den Alpen - Wetterkapriolen halten unsere Nachbarländer in Atem. Wie groß sind die Wetterkontraste hierzulande?
Björn Alexander: Sehr groß. Denn die Wettersysteme treffen momentan genau über Deutschland aufeinander. Einerseits sind es die Tiefdruckgebiete rund um Tief "Yael" mit Zentrum über Benelux, Frankreich und den Alpen bis nach Norditalien. Andererseits Hoch "Gerd", das über Südskandinavien liegt und von dort aus trocken-kalte Winterluft in den Norden und den Osten unseres Landes schickt.
Mit welchen Folgen?
Hinter der Nordosthälfte liegt eine bitterkalte Nacht. In Teilen von Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Niedersachsen mit Tiefstwerten von minus 15 bis minus 17 Grad. Gut 20 Grad wärmer blieb es indes in Baden-Württemberg oder im Saarland, wo es mitunter nicht kälter als 3 oder 4 Grad war. Gleichzeitig sind in der Südwesthälfte Regen und Schnee aufgezogen. Teilweise mit akuter Glättegefahr, die Winterdienste haben dementsprechend mal wieder alle Hände voll zu tun.
Bleibt die Lage angespannt?
Bis einschließlich Samstag müssen wir uns regional noch auf glatte Straßen einstellen. Anschließend wird es dann aber immer milder, sodass wir Mitte nächster Woche temperaturtechnisch sogar mal verbreitet auf frühlingshafte Werte blicken können. Selbst die 20-Grad-Marke könnte stellenweise geknackt werden.
Die wärmste Phase des Jahres bisher?
Auf jeden Fall. Die höchsten Temperaturen bislang rangieren nämlich zwischen rund 4 Grad im äußersten Nordosten und knapp 16 Grad am Oberrhein. Am meisten spürbar wird der Wärmeschub im Norden und Osten ausfallen, wo beispielsweise im Raum Berlin bis um die 15 Grad berechnet werden. Sicherlich eine Wohltat, nachdem die Region in diesem Jahr bislang schon über 20 Eistage - also Tage mit Dauerfrost - erlebt hat.
Kommt der Winter noch einmal zurück?
Auszuschließen ist eine Winter-Rückkehr natürlich noch lange nicht. Immerhin gibt es ja auch noch den sogenannten Märzwinter und selbst im April kann es noch Schnee und Frost bis ins Flachland geben.
Was berechnen die Wettercomputer langfristig?
Die experimentellen Langfristvorhersagen zeigen, dass der März 2026 aktuell überdurchschnittlich temperiert bewertet wird. Allerdings wären auch hierbei kältere Abschnitte denkbar. Gleichzeitig sind die längerfristigen Trends derzeit auf der eher trockenen Seite, was wiederum für stabilere Hochdruckwetterlagen im März spricht. Ganz anders übrigens als der Blick auf die kurzfristige Entwicklung, in der die Tiefdruckgebiete vor allem am Wochenende erneut an Fahrt gewinnen.
Mit welchen Auswirkungen im Detail?
In der Nacht zum Freitag schneit es in den Alpen kräftig. Bis morgen in der Früh kommen dort 20 bis 40 Zentimeter Neuschnee zusammen. Ansonsten klingen Schnee und Regen ab und besonders im Nordosten sowie in den östlichen Mittelgebirgen klart es auf, sodass hier erneut Tiefstwerte zwischen minus 8 und minus 15 Grad drin sind. Im Westen und Süden liegen die Temperaturen bei minus 5 bis plus 4 Grad - mit der Gefahr von Glätte durch gefrierende Nässe oder Schneematsch.
Wie entwickelt sich die Lawinenlage in den Alpen mit dem Neuschnee?
Für den deutschen Alpenrand dürfte sich die Lage ebenfalls zuspitzen. Das heißt in den Hochlagen höchstwahrscheinlich Stufe 4 (von 5). Und auch in vielen anderen Regionen von Frankreich über Italien und die Schweiz bis nach Österreich bleibt die Situation kritisch, mit einer erheblichen bis großen Lawinengefahr.
Womit können wir hierzulande am Freitag rechnen?
In der Osthälfte geht es vielfach freundlich bis sonnig und trocken weiter, während von Westen her etwas Schnee oder Regen nachfolgen. Glatteisgefahr droht hierbei vor allem in der Landesmitte und abends dann auch in Schleswig-Holstein. Dazu erreichen die Temperaturen zwischen minus 1 Grad in Vorpommern und bis zu 9 Grad am Oberrhein.
Und am Wochenende?
Übernehmen die Tiefdruckgebiete mit Regen, Wind und milder Luft das Wettergeschehen. Am Samstag kann es dabei ganz im Osten nochmals glatt werden, bevor Deutschland überall auftaut. Am Samstag mit Höchstwerten von 4 bis 13, am Sonntag von 7 bis 15 Grad. Durch den zum Teil ergiebigen Regen und das Tauwetter mit einer Schneefallgrenze von rund 1500 Metern besteht in einigen Mittelgebirgsregionen leider erneut Hochwasserpotenzial an Bächen und kleineren Flüssen.
Das Happy End folgt dann nächste Woche?
Am Montag noch nicht ganz. Denn es bleibt zuerst noch beim windigen bis stürmischen Schauerwetter mit 5 bis 15 Grad. Am Dienstag prophezeien die Wettercomputer noch letzten Regen in der Nordosthälfte und vermehrten Sonnenschein von Südwesten her. Das Ganze bei 8 Grad bis 18 Grad. Die Berechnungen für den Mittwoch versprechen vom Süden bis in den Osten viel Sonne und ein paar mehr Wolken im Westen und Norden - Regen ist aber auch hier nicht in Sicht.
Bei welchen Temperaturen?
Verbreitet spekulieren die Wettermodelle auf 15 bis 20 Grad. Einzig ganz im Norden sowie in den Mittelgebirgen bleibt es mit 8 bis 14 Grad noch frischer. Aber unterm Strich wird sich das so oder so ganz anders anfühlen als das nasskalte bis eisige Geschehen, mit dem wir derzeit noch vorliebnehmen müssen.