Wirtschaft

Deutsche Firma wird belgisch Adidas-Aktionär kauft Radhersteller Canyon

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Triathlon-Legende Jan Frodeno errang seinen Titel auf Hawaii im vergangenen Jahr auf einer Canyon-Maschine.

(Foto: imago images/Beautiful Sports)

Vor gut einem Vierteljahrhundert wird aus einem Fahrradhändler der Hersteller Canyon. Inzwischen setzt das Unternehmen mit Mountainbikes und Rennrädern 400 Millionen Euro im Jahr um. Das weckt Interesse. Nun werden die Eigentumsverhältnisse neu sortiert. Der Gründer macht Kasse und bleibt an Bord.

Der deutsche Fahrradhersteller Canyon bekommt einen belgischen Eigentümer. Die Beteiligungsgesellschaft Groupe Bruxelles Lambert (GBL) erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen aus Koblenz, wie der Finanzinvestor mitteilte. Canyon werde in den kommenden Jahren viele Wachstumsmöglichkeiten haben, darunter weiter in Europa und den USA sowie im boomenden E-Bike-Markt, hieß es. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht. Insidern zufolge liegt der Transaktion ein Firmenwert von rund 800 Millionen Euro zugrunde.

Canyon mit rund 900 Beschäftigten weltweit fertigt unter anderem Rennräder, Triathlon-Räder, Mountainbikes sowie E-Bikes. Der renommierte Hersteller ist stark im Profisport engagiert, verkauft über seinen eigenen Online-Direktvertrieb aber auch an Endkunden. Das Unternehmen war vor 24 Jahren aus einem Fahrradhändler hervorgegangen. Inzwischen setzt das Unternehmen im Jahr rund 400 Millionen Euro um. Allein in den vergangen drei Jahren habe sich der Erlös fast verdoppelt, hieß es.

GBL ist in Deutschland vor allem als Großaktionär des Sportartikelkonzerns Adidas (sieben Prozent) bekannt. Unter dem vor zwei Jahren gestorbenen Chef Albert Frere hatte sich GBL immer wieder aktiv in die Unternehmensstrategie seiner Beteiligungen eingemischt. Inzwischen kauft der Investor nicht mehr nur Minderheitsanteile, sondern ganze Firmen. Im Ringen um Canyon hat sich GBL den Insidern zufolge unter anderem gegen die US-Investoren KKR und Carlyle durchgesetzt. Canyon hatte sich vor drei Jahren mithilfe des Investors TSG Consumer Partners auch auf den US-Markt gewagt.

Im Zuge der Transaktion werde der bisherige amerikanische Minderheitsgesellschafter TSG Consumer Partners seinen Anteil abgeben, hieß es weiter. Dafür steige der frühere Apple-Manager Tony Fadell mit einer Minderheitsbeteiligung ein und solle die Firma beraten. Er war maßgeblich an der Entwicklung des iPods und des iPhones beteiligt.

Canyon-Gründer Roman Arnold bleibe trotz des Einstiegs der Belgier Vorsitzender des Firmenbeirats und werde neben GBL einen "wesentlichen Teil" der Erlöse reinvestieren. GBL-Chef Ian Gallienne bezeichnete Canyon als schnell wachsende Premiummarke mit enormem Potenzial. Arnold sagte, Canyon sei weiter auf Wachstumskurs. Der Deal soll im ersten Quartal 2021 abgeschlossen sein.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa