Wirtschaft

"Sogar Schokoherzen versteigert" Air Berlin zahlt Staatskredit komplett zurück

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Immerhin 12.000 Euro haben die Insolvenzverwalter für die Restbestände der berühmten Schokoherzen eingenommen.

(Foto: imago/Manngold)

Der Bund hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben. Doch zwei Jahre nach ihrer Pleite überweist die Fluglinie Air Berlin die letzte Rate für den umstrittenen Staatskredit. Dafür haben die Insolvenzverwalter auch das letzte Schokoherz aus dem Bestand versteigert. Privatgläubiger gehen allerdings leer aus.

Gut zwei Jahre nach der Pleite von Air Berlin hat die einst zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft den umstrittenen Staatskredit doch noch zurückgezahlt. "Wir haben die letzte Rate vor zwei Tagen getilgt", sagte Insolvenzverwalter Lucas Flöther. Air Berlin hatte über die Staatsbank KfW 150 Millionen Euro bekommen, um die sofortige Einstellung des Flugbetriebs zu verhindern. Doch der Plan, das Geld aus dem Verkauf der österreichischen Tochter Niki an die Lufthansa zurückzuzahlen, war am Widerstand der Brüsseler Kartellwächter gescheitert - und die Hoffnung, dass der Bund das Geld wiedersehen würde, schwand. Der Staatskredit war in der Politik daraufhin heftig kritisiert worden.

Nun stehen noch die Zinsen für das Darlehen aus. "Wir werden in naher Zukunft auch hier mit der Rückzahlung beginnen können", sagte Flöther. Bei einem Zinssatz von neun Prozent, den die KfW nach früheren Angaben verlangt hatte, sind bereits mehr als 27 Millionen Euro aufgelaufen. Als Massedarlehen muss der KfW-Kredit aus der Insolvenzmasse vorrangig zurückgezahlt werden, vor allen anderen Forderungen. Flöther und sein Team bemühen sich seit zwei Jahren, Geld in die Kasse zu bringen.

"Das ist viel Kleinarbeit", sagt der Verwalter. Ersatzteile und die Verwertung von Software-Lizenzen brachten mehr als zehn Millionen Euro, die Versteigerung der Restbestände der berühmten Schokoherzen für die Passagiere ergab rund 12.000 Euro. Auch mit Kreditkartenfirmen einigte sich der Insolvenzverwalter, die Guthaben der Air-Berlin-Kunden zunächst gesperrt hatten. Die Passagiere, die ihre Flüge vor der Insolvenz im August 2017 bereits bezahlt hatten, aber nicht mehr antreten konnten, und die meisten anderen Gläubiger gehen nach heutigem Stand leer aus.

Sie müssen darauf hoffen, dass der Insolvenzverwalter den Rechtsstreit mit dem ehemaligen Air-Berlin-Großaktionär Etihad gewinnt. Flöther hat die arabische Fluggesellschaft verklagt. Er ist der Ansicht, dass Etihad schriftlich fest zugesagt hatte, Air Berlin weiter zu finanzieren, aber vertragsbrüchig wurde. Doch bis zu einem Urteil kann es Jahre dauern. Zurzeit wird noch darüber gestritten, wo die Klage überhaupt verhandelt wird. 

Quelle: n-tv.de, mau/rts

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