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Donnerstag, 15. Februar 2018

Am Ende die Fusion?: Aldis wollen enger zusammenarbeiten

Der Wettbewerb auf dem Lebensmittelmarkt ist intensiv. Um Kosten zu sparen, wollen Aldi Nord und Aldi Süd angeblich mehr zusammenarbeiten. Selbst ein Zusammenschluss sei nicht mehr undenkbar. Die Unternehmen dementieren.

Die Discounter Aldi Süd und Aldi Nord wollen ihre Zusammenarbeit im Einkauf und im Marketing in Deutschland ausbauen. Die beiden Ketten arbeiteten "kontinuierlich an einer Optimierung dieser seit jeher gepflegten und etablierten Kooperation", teilten Aldi Süd und Aldi Nord gemeinsam mit. Die Discounter reagierten damit auf einen Bericht des "Manager Magazin".

Danach prüfen Aldi Süd und Aldi Nord eine Zusammenlegung des Einkaufs und mehrerer anderer Bereiche. Im ersten Schritt sollen bestimmte Waren gemeinsam beschafft werden, danach könne eine gesellschaftsrechtliche Verflechtung der Einkaufsabteilungen erfolgen. Die Kooperation könnte aber noch weiter gehen: Selbst eine gesellschaftsrechtliche Verschmelzung der beiden Unternehmen zu einem Konzern werde nicht ausgeschlossen, berichtete das Blatt.

"Perspektivisch weitere Schritte"

Im Protokoll einer Sitzung hochrangiger Aldi-Manager heiße es etwa: "Perspektivisch sollte dann auch über weitere organisatorische Schritte der Kooperation nachgedacht werden." Ziel des Projekts "Kooperation Aldi Nord - Aldi Süd" sei es, Abstimmungsaufwand, strukturelle und personelle Doppelungen zu reduzieren und so Kosten zu sparen.

Pläne für einen Zusammenschluss dementierten die beiden Ketten indes entschieden: "Eine Fusion ist weder aus der Kooperation folgend noch aus sonstigen Überlegungen geplant oder beabsichtigt", teilten Aldi Süd und Aldi Nord mit. Aus der Zusammenarbeit folge auch keine Reduzierung des Personalbedarfs.

Vielmehr benötigten beide Unternehmen angesichts ihres Wachstums weiterhin Fachkräfte. Aldi Süd beschäftigt in Deutschland mehr als 43.000 Menschen, bei Aldi Nord sind es über 35.000 Mitarbeiter.

Laut dem Bericht gehen Experten davon aus, dass zumindest das deutsche Kartellamt keine Einwände erheben wird. Die Behörde betrachte Aldi als einen sogenannten Gleichordnungskonzern, denn beide Gruppen gehörten derselben Sippe an.

Online-Konkurrenz setzt Branche unter Druck

Discounter jagen aktuell dem traditionellen Einzelhandel besonders im margenschwachen Lebensmittelbereich Marktanteile ab. Die gesamte Branche bekommt nun neue Konkurrenz durch Online-Händler wie Amazon und Alibaba, die durch niedrige Fixkosten enorme Kostenvorteile haben. In Deutschland kündigte Amazon jüngst aber auch Offline-Filialen an. Es sei keine Frage des Ob, sondern des Wann, sagte Amazons Deutschland-Chef Ralf Kleber im Dezember in einem Zeitungsinterview.

Aldi wurde von den beiden Brüdern Karl und Theo Albrecht nach dem zweiten Weltkrieg aus dem Familienbetrieb heraus gegründet und nach der Expansion zum Filialbetrieb 1961 in Deutschland in Aldi Süd und Aldi Nord aufgeteilt. International tritt Aldi in den 18 Ländern, in denen es außerhalb von Deutschland vertreten ist, als ein Unternehmen auf.

Aldi Süd ist das größere Unternehmen, mit einem Nettoumsatz von rund 45,5 Milliarden Euro 2015, nach den aktuellsten verfügbaren Zahlen. Zum Vergleich: Aldi Nord hatte 2015 einen Nettoumsatz von 22 Milliarden Euro. Aldi kündigte im vergangenen Jahr einen massiven Angriff auf die Konkurrenz in den USA an. Zum einen will es dort rund 3,4 Milliarden US-Dollar investieren, um seine Präsenz auf dem US-Markt bis Ende 2022 um rund 50 Prozent auf 2500 Läden zu steigern, womit es nach Anzahl der Läden dort die Nummer drei nach Wal-Mart und Kroger würde. Kurz zuvor hatte das Unternehmen angekündigt, dass es rund 1,6 Milliarden Dollar in die Modernisierung der Mehrheit seiner über 1700 US-Geschäfte stecken will.

Aldi Nord kündigte im vergangenen Jahr an, dass es allein in Deutschland in den kommenden Jahren 2300 Märkte modernisieren will. Aldi Süd kündigte 2016 an, bis 2019 alle Filialen modernisieren zu wollen.

Quelle: n-tv.de