Wirtschaft

Reichtum weltweit gestiegen Allianz: Notenbanken immunisieren Vermögen

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Das Bruttogeldvermögen stieg weltweit um fast zehn Prozent.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Die weltweiten Geldvermögen sind im vergangenen Jahr gestiegen. Und nach Ansicht der Allianz dürfte sich die Entwicklung in diesem Jahr fortgesetzt haben. Grund ist die Politik der Notenbanken, die die Aktienmärkte anschiebt. Doch die Experten warnen vor dem süßen Gift.

Das weltweite Geldvermögen ist einer Studie zufolge vor der Corona-Krise wegen höherer Aktienkurse so stark gestiegen wie seit Jahren nicht mehr. "Angesichts der Tatsache, dass das Jahr 2019 von sozialen Unruhen, eskalierenden Handelskonflikten und einer industriellen Rezession geprägt war, ist diese Leistung mehr als erstaunlich", schreibt die Allianz in ihrem Global Wealth Report. Auch in Deutschland stiegen die Vermögen in Rekordtempo - allerdings auch die Verbindlichkeiten. Das Jahr "war ein Rekordjahr, wofür sich die Sparer bei den Zentralbanken bedanken können", sagte Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran.

Wie die Allianz in ihrem Global Wealth Report mitteilte, stieg das Bruttogeldvermögen der deutschen Haushalte im vergangenen Jahr um 7,2 Prozent. Das war zwar der stärkste Anstieg seit der Jahrhundertwende, lag aber unter dem westeuropäischen Durchschnitt von 7,6 Prozent. Weltweit nahm das Bruttogeldvermögen sogar um 9,7 Prozent zu. Allein die Flutung der Finanzmärkte mit billigem Geld durch die Notenbanken sorgte für ein Plus der Aktienmärkte von 25 Prozent.

Diese Geschichte könnte sich 2020 wiederholen. Wegen der Corona-Rezession legten Zentralbanken und Finanzbehörden auf der ganzen Welt beispiellose geld- und fiskalpolitische Hilfspakete auf und schirmten so die Haushalte und ihr Geldvermögen vor den Folgen einer Welt in Unordnung ab, so die Allianz. Es sei damit sehr wahrscheinlich, dass das Geldvermögen der privaten Haushalte im Pandemiejahr 2020 im Plus enden werde.

"Im Moment hat die Geldpolitik die Vermögen gegen Corona quasi immunisiert", sagte Allianz-Chefökonom Ludovic Subran. "Aber wir sollten uns nichts vormachen. Null- und Negativzinsen sind ein süßes Gift. Sie untergraben die Vermögensbildung und verschärfen die soziale Ungleichheit, da Vermögenseigentümer satte Mitnahmegewinne einstreichen können." Das sei nicht nachhaltig.

Deutsche entdecken den Aktienmarkt

Bei ihrer Erhebung machte die Allianz auch eine Veränderung im Sparverhalten der Deutschen aus. "Zwar bleiben Bankeinlagen das bei weitem beliebteste Sparprodukt, aber die deutschen Haushalte beginnen, sich risikoreicheren Anlagen wie börsennotierten Aktien oder Investmentfonds zuzuwenden", heißt es in dem Bericht. Während die anderen Europäer ihr Marktrisiko durch den Verkauf von Wertpapieren seit der Finanzkrise durchgängig reduziert hätten, hätten die deutschen Sparer ihre Investitionen diesbezüglich erhöht und rund 20 Prozent ihrer frischen Ersparnisse in den vergangenen drei Jahren in Wertpapieren angelegt.

"Noch aufschlussreicher ist ein Blick auf die Aufteilung zwischen inländischen und ausländischen börsennotierten Aktien: 54 Prozent der Aktienkäufe der deutschen Sparer seit 2013 entfielen auf ausländische Aktien. Ihr Anteil am gesamten Aktienbesitz ist damit von 25 Prozent Ende 2013 auf 38 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen", rechnet die Allianz vor.

In Deutschland stiegen parallel zum Vermögen aber auch die Verbindlichkeiten und erreichten einen Rekord. Auf Jahressicht legten sie um 4,6 Prozent zu. Mit einem Netto-Geldvermögen pro Kopf von 57.100 Euro blieb Deutschland der Studie zufolge im Ranking der 20 reichsten Länder auf Platz 18. 2020 dürfte das Wachstum deutlich geringer ausfallen, erwartet die Allianz. Auf Rang eins liegen die USA mit einem Pro-Kopf-Vermögen von umgerechnet fast 210.000 Euro vor der Schweiz mit gut 195.000 Euro und Singapur mit knapp 117.000 Euro.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/DJ