Wirtschaft
Elon Musk präsentiert das Model 3, mit dem Tesla in den Massenmarkt vordringen will.
Elon Musk präsentiert das Model 3, mit dem Tesla in den Massenmarkt vordringen will.(Foto: picture alliance / Andrej Sokolo)
Mittwoch, 29. November 2017

"Hervorragendes Marketing": Analyst verspottet Tesla-Gründer

Es werde noch ein paar Jahre dauern, bis Tesla Geld verdient, meint Auto-Analyst Frank Schwope. Die Aktie sei eine extreme Wette auf die Zukunft - und wichtiger als Marketing-Erfolge seien finanzielle Erträge.

Es läuft derzeit nicht rund für Tesla: Der Elektroauto-Pionier verfehlt die selbstgesteckten ambitionierten Produktionsziele, verbrennt fast eine halbe Million Dollar pro Stunde - und sorgt damit auch dafür, dass Aktien-Analysten in Richtung von Gründer und Chef Elon Musk frotzeln.

"Man fragt sich schon, was zuerst passiert: dass Elon Musk mit SpaceX zum Mars fliegt, oder dass er mit Tesla schwarze Zahlen schreibt", so NordLB-Analyst Frank Schwope und empfiehlt, die Aktie zu verkaufen. "Als großen Fehler erachten wir (…), dass sich Tesla bzw. Musk nicht auf wenige wichtige Dinge konzentriert, sondern alles ein bisschen zu machen scheint, aber nichts ganz."

Tesla hat im vergangenen Quartal einen Verlust von 619 Millionen Dollar erwirtschaftet. Der Umsatz stieg um 30 Prozent auf knapp drei Milliarden Dollar. Der Autohersteller kämpft mit Produktionsproblemen, während Musk die Euphorie an der Börse mit neuen Ankündigungen wie einem leistungsfähigen E-LKW und einem superschnellen Roadster anfacht. Doch Musk ist nicht nur E-Auto-Visionär: Seine Raketen-Unternehmung SpaceX will Langstreckenflüge obsolet machen sowie Menschen zum Mars bringen.

"Die Tesla-Aktie ist eine extreme Wette auf die Zukunft", schreibt Schwope. Deren Entwicklung hänge sehr stark von der Transformation des Unternehmens vom kleinen Premium-Hersteller mit fünfstelligen Verkaufszahlen hin zum Massenhersteller ab. Hierbei dürften Probleme und Anlaufschwierigkeiten vorprogrammiert sein. Tesla müsse noch beweisen, dass der Konzern ein Fahrzeug für netto 35.000 Dollar verkaufen kann, ohne dieses zu subventionieren. "Sich häufende Berichte über Qualitätsprobleme des Model 3 sind der Marke Tesla auch nicht dienlich." Das Unternehmen betreibe "allerdings eine hervorragende Marketing-Maschinerie, die immer dann, wenn es Probleme gibt, mit Neuigkeiten (…) abzulenken versucht", so der Analyst. "Lieber und wichtiger als Marketing-Erfolge sind uns finanzielle Erträge aus dem operativen Tesla-Geschäft."

Tesla ist höher bewertet als Ford

An Musks Ankündigung, im kommenden Jahr 500.000 Autos zu produzieren, zweifelt Schwope. "Auch dürfte es dem Unternehmen 2018 nicht gelingen, schwarze Zahlen zu schreiben", so der Analyst. "Mit diesen rechnen wir nicht vor 2020." Zudem scheine Tesla angesichts einer Marktkapitalisierung von mehr als 50 Milliarden Dollar überbewertet.

Tesla ist an der Börse trotz der jüngsten Rückschläge 53,7 Milliarden Dollar wert, während Ford auf eine Marktkapitalisierung - das ist die Anzahl der Aktien multipliziert mit dem aktuellen Kurs - in Höhe von 48,5 Milliarden Dollar kommt. Schwope sieht ein Kursziel der Aktie von 270 Dollar - also ein Minus von knapp 15 Prozent vom aktuellen Kurs.

Das Fazit des Analysten: "Wir sehen Tesla momentan weniger als harten Konkurrenten der etablierten Automobil-Hersteller, sondern vielmehr als Wegbereiter der Elektromobilität, der die alteingesessenen Konzerne zu stärkerer Leistung antreibt."

Quelle: n-tv.de