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(Foto: SpaceX)
Freitag, 29. September 2017

Mit Elon Musk um die Welt: Der 39-Minuten-Langstreckenflug

Von Philip Ziche

Mit einer neuartigen Rakete möchte Elon Musk zum Mars fliegen. Schon in fünf Jahren soll das Projekt fertig sein und alles Dagewesene revolutionieren. Auch stundenlange Langstreckenflüge sollen dann der Vergangenheit angehören.

6.30 Uhr, New York City. In einer halben Stunde geht der Direktflug nach Shanghai. Mit einer Fähre erreichen die Passagiere die schwimmende Raketenrampe auf dem East River. Um 7 Uhr startet die Reise. Mit 27.000 Kilometern je Stunde - oder 21-facher Schallgeschwindigkeit - fliegt die Rakete durch den Orbit. 39 Minuten später landet sie vor der gleißenden Kulisse Shanghais auf dem Huangpu.

Wird sich die Menschheit in wenigen Jahren auch auf dem Mond niederlassen?
Wird sich die Menschheit in wenigen Jahren auch auf dem Mond niederlassen?(Foto: SpaceX)

Was wie Science-Fiction klingt, ist für Elon Musk ein durchaus realistisches Zukunftsszenario. Der Tesla-Gründer stellt auf dem International Astronautical Congress die Fortschritte seines Raumfahrtunternehmens SpaceX vor - und ist überzeugt, dass aus Träumen bald Wahrheit wird: "Wenn wir ein Schiff bauen, das zum Mars fliegen kann, können wir es dann nicht auch dafür benutzen, um auf der Erde von einem Ort zum anderen zu reisen?"

Wie groß die Kapazität bei einem Passagierflug auf oder über der Erde sein soll, lässt Musk offen. Er versichert aber, dass auf diese Weise Langstreckenreisen auf eine halben Stunde oder weniger verkürzt würden. "Sobald man die Erde verlässt, gibt es keinen Widerstand mehr, kein Wetter. Außerhalb der Atmosphäre fliegst du so sanft wie auf Seide." So sollen Flüge wie London - Los Angeles oder New York - Shanghai in Zukunft nicht mehr 11 oder 15 Stunden dauern, sondern maximal eine Stunde in Anspruch nehmen. Per Instagram fügt Musk später hinzu, dass die Kosten denen eines gewöhnlichen Fluges ähneln würden.

In sechs Monaten zum Mars

Mit Flugzeiten von 60 Minuten wird bei der Reise zum roten Planeten nicht zu rechnen sein. In einem guten Szenario sei die "BFR" - so der Name der SpaceX-Marsrakete - drei Monate unterwegs. Vielleicht sogar sechs Monate, sagt Musk. Angetrieben wird das Schiff mit Methan und soll auch wieder aufgetankt werden können - im Orbit. Darauf basiert das gesamte Konzept von Musks Vision vom Mars: "BFR" wird ins All geschossen und dort automatisiert befüllt. Auf dem Mars wären dann Anlagen notwendig, um das Schiff wieder zu betanken -  kein Problem, so Musk. Schließlich könne man aus dem vorhandenen Eis und dem Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre des Mars' Methan und Sauerstoff herstellen. Ein Vorgang, der auch auf unserem Planeten machbar wäre.

Die Arbeiten am Projekt "BFR" sollen Mitte kommenden Jahres beginnen. 48 Meter soll die Marsrakete am Ende messen, neun Meter Durchmesser haben und 150 Tonnen Ladung fassen. Das bisherige Zugpferd des Unternehmens, "Falcon Heavy" genannt, fasst gerade einmal 30 Tonnen. Der Laderaum sei "größer als der Passagierraum eines Airbus A380", sagt Musk. Realistisch gesehen könnten pro Flug 100 Menschen zum Mars reisen und wären mit Unterhaltung, Küche und Schutzräumen vor Solarstürmen ausgestattet. So sieht es der Plan zumindest vor.

Mit der neuen Rakete soll es auch möglich sein, Satelliten ins All zu bringen oder Weltraummüll einzusammeln. Letzteres würde ein Problem lösen, dass der Europäischen Weltraumorganisation seit einiger Zeit Kopfzerbrechen bereitet. Ein Vorteil der "BFR" soll zudem ihr Wiederverwertbarkeit sein. Das spart Kosten. "Wir wollen unsere bisherigen Vehikel obsolet machen." Wie schon die SpaceX-Raketen "Falcon 1" und "Falcon 9" würde "BFR" mit Hilfe von Schubkraft landen können, was besonders auf den felsigen Böden des Mars und des Mondes nötig sei.

Der Mensch als multiplanetäre Spezies

Denn nicht nur auf dem Mars soll dank SpaceX eine Kolonie entstehen; mit der neuen Technologie sei es auch möglich, den Erdtrabanten auf eine Tankfüllung anzufliegen. "Das ermöglicht uns, Mondbasis Alpha oder wie auch immer sie heißen wird, zu bauen", sagt Musk. "Es ist 2017, wir sollten inzwischen eine Basis auf dem Mond haben." In seinen Augen müsse die Menschheit sich von einer "Einplanetenspezies" zu einer "Multiplanetären Spezies" entwickeln.

2022 soll es bereits soweit sein. Ehrgeizig, findet auch Musk. Er sei aber zuversichtlich, den Zeitplan einhalten zu können. In fünf Jahren würden zunächst Transportschiffe Material auf den Mars bringen und rudimentäre Infrastruktur aufbauen. Die ersten Menschen kämen zwei Jahre später nach, um den Mars zu besiedeln. Über seine Pläne für die Mars-Kolonie hat Musk in der Vergangenheit schon häufig gesprochen. Seiner Meinung nach müsse man die Kosten für einen Flug zum Mars auf den durchschnittlichen Häuserpreis in den USA herunterbrechen, damit Leute das Angebot wahrnehmen würden. Bis dahin bleibt der Menschheit nichts anderes übrig, als träumend in den Sternenhimmel zu schauen und sich an Bord der Boeing 777 nach Shanghai Wiederholungen von "Star Trek" anzuschauen.

Quelle: n-tv.de

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