Wirtschaft

Trotz Türkei-Krise Anleger stehen nicht auf Gold

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(Foto: REUTERS)

So schlecht war die Stimmung für Gold selten. Selbst geopolitische Krisen wie zuletzt in der Türkei können Anleger nicht umstimmen. Was ist da los?

Goldfans reiben sich verwundert die Augen. Trotz der Türkeikrise mit sattem Verfall der Währung Lira plus US-Sanktionen gegen das Land am Bosporus erzielt das Edelmetall keine Kursgewinne. Im Gegenteil: Der Goldpreis schwankt um die der Marke von 1170 US-Dollar und ist damit auf einem so schwachen Niveau wie seit anderthalb Jahren nicht mehr.

Gold, Feinunze
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Auch andere Krisen haben zuvor die Investoren nicht aus der Reserve locken können. So profitierte Gold nicht von den Zuspitzungen rund um Nordkorea, den US-Sanktionen gegen den Iran oder den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China. Auf Jahressicht verzeichnet das Edelmetall ein Minus von rund zwölf Prozent.

Hat der Markt sich an die Unsicherheit sowie die politische Instabilität gewöhnt oder gibt es andere Gründe, die viele Investoren derzeit vom Goldkauf abhalten? Einen großen Einfluss auf den Goldpreis hat der Währungsmarkt. Denn Rohstoffe notieren in der Regel in US-Dollar und werden für die vielen Anleger rund um den Globus teurer, wenn die US-Währung steigt und günstiger, wenn sie fällt.

Das heißt: Wenn Gold durch einen sinkenden Dollar zunächst billiger wird, dann steigt die Nachfrage - und somit letztlich auch der Preis. Und wenn der Dollar wie zuletzt steigt, ist es genau umgekehrt - und der Goldpreis fällt schließlich.

US-Wirtschaft lässt Goldfans bangen

Der Dollar-Index, der die Entwicklung gegenüber anderen bedeutenden Währungen wie etwa Euro oder Yen misst, legte in diesem Jahr um fünf Prozent zu und notiert auf dem höchsten Niveau seit Juni vergangenen Jahres. Den Hauptgrund für die Dollar-Stärke sieht Funda Sertkaya, Geschäftsführerin beim Goldhändler Ophirum, in einer robusten US-Konjunktur. "Investoren erwarten, dass die amerikanische Wirtschaft einen Handelskonflikt besser übersteht als exportabhängige Volkswirtschaften wie China oder Deutschland, weshalb Anleger Dollar kaufen und ihn nach oben treiben", sagte sie im Gespräch mit n-tv.de. "Daher profitiert Gold nicht von dieser Krise."

In einer robusten Wirtschaftsphase steigt oft nicht nur die eigene Währung, sondern auch die Zinsen legen zu. So sind etwa die amerikanischen Leitzinsen in diesem Jahr bereits zwei Mal erhöht worden, und die US-Notenbank Fed kündigte weitere Anhebungen für dieses und nächstes Jahr an.

Auch diese Aussichten schaden Gold, da das Edelmetall keine Zinserträge abwirft und bei steigenden Zinsen unattraktiver wird. Außerdem hat der Goldpreis in den vergangenen Jahren unter einem weltweit steigenden Aktienmarkt gelitten, weil dort viel mehr zu holen war als mit Gold-Investments.

Pessimismus als Chance

Derzeit setzen risikofreudige Anleger darauf, dass die Talfahrt des Goldpreises weitergeht. So haben Hedgefonds und andere Spekulanten in der vergangenen Handelswoche die Zahl der Futures, die am Terminmarkt von fallenden Goldnotierungen profitieren, deutlich aufgestockt. Diese sogenannten Netto-Short-Positionen haben einen neuen Rekordstand erreicht: Dass heißt, Anleger wetten mit viel mehr Geld als jemals zuvor auf sinkende Goldpreise.

Doch vielleicht ist diese Kapitulation der Gold-Optimisten wiederum eine Chance. In der Vergangenheit haben solche Ausverkaufssituationen zumindest für eine Stabilisierung des Goldpreises gesorgt.

Quelle: ntv.de

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