Wirtschaft

Inflation gewinnt an Fahrt Anleihen - die clevere Alternative zu Aktien

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Unternehmensanleihen sind im derzeiten Aktien-Umfeld derzeit durchaus attraktiv.

(Foto: imago images/Cris Faga)

Mit der Rückkehr der Inflation nimmt die Unruhe an den Finanzmärkten zu. Ängste vor einer sprunghaft steigenden Teuerung lassen die Zinsen steigen. Daher lohnt sich ein Blick auf Unternehmensanleihen - als Ausweg aus dem Zins-Dilemma.

Inflation ist nicht schwer zu greifen, sie ist beispielsweise an der Tankstelle spürbar. Zu Weihnachten kostete etwa der Liter Diesel rund 1 Euro, drei Monate später müssen Autofahrer mehr als 1,30 Euro hinlegen. Auch Anleger fürchten die Preisteuerung: Folgt auf die Corona-Krise nun mit der weltweiten Erholung der Konjunktur die große Inflation?

Fest steht: Mit der steigenden Inflation ziehen auch die Zinsen an. So schossen die Renditen der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihen allein seit Ende Januar um mehr als 35 Prozent nach oben. Für Unternehmen ist das besorgniserregend, weil die Finanzierungskosten steigen.

Sowohl im Euro-Raum als auch in den USA dürfte die Inflation im Frühjahr weiter zulegen. In den USA könnten die Verbraucherpreise im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um über drei Prozent zulegen, für den Euro-Raum rechnen Volkswirte mit einem Anstieg um rund zwei Prozent.

Als nachhaltig muss sich das nicht unbedingt erweisen - auch nicht in den USA. Dort hat sich beispielsweise der Lohnanstieg deutlich abgeschwächt und die US-Arbeitslosenquote liegt noch deutlich über dem Vorkrisenniveau.

Der US-Arbeitsmarkt ist also noch weit von der maximalen Beschäftigung entfernt, einen nochmaliger deutlicher Zinsanstieg würde die Erholung bremsen. "Die US-Notenbank wird es daher nicht zulassen, dass die Zinsen am langen Ende stark steigen. Das Stichwort ist Zinskurvenkontrolle. Sie wird dann unbegrenzt Anleihen kaufen, bis der Zins das gewünschte Niveau hat", sagt Stefan Riße, Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment, einer der größten unabhängigen Fondsboutiquen Deutschlands. Ähnlich ist die Situation in anderen Ländern, so dass ein starker Anstieg der Zinsen und Renditen aufgrund der anhaltend lockeren Geldpolitik rund um den Globus nicht zu erwarten ist.

Renditevorteil im Fokus

Attraktiv sind im aktuellen Umfeld daher Unternehmensanleihen, weil sie einen Renditevorteil gegenüber Staatsanleihen haben - aber in der Regel weniger riskant sind als ein direktes Investment in Aktien.

Bei Unternehmensanleihen ist die Bonität, also die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Unternehmensanleihe, entscheidend für die Renditechance. Anleihen auf Investment-Grade-Niveau, also mit bester Bonität, bieten derzeit einen Zinsaufschlag (Spread) gegenüber Staatsanleihen, der vergleichbar ist mit dem Niveau von vor der Corona-Krise. Der Spread ist auch abhängig von dem jeweiligen Unternehmenssektor, bei Werten außerhalb des Finanzbereichs liegt er in den USA bei rund 1,1 und in Europa bei 0,6 Prozentpunkten.

Noch mehr Rendite bekommen Anleger bei Schwellenländeranleihen, die je nach Bonität noch einmal einen Aufschlag gegenüber US-Unternehmensanleihen von 0,6 bis 1,5 Prozentpunkte haben. Schwellenländer sind aber auch aus anderen Gründen noch einen Blick wert. "Die höheren Spreads in den Schwellenländern stellen keine Kompensation für ein höheres Kreditrisiko dar", sagt Denise Simon von Lazard Asset Management. "Im Vergleich weisen Unternehmen aus Schwellenländern tendenziell einen geringeren Verschuldungsgrad in der Bilanz auf als ihre Pendants in den Industrieländern", so Simon weiter.

Zwar hätten Unternehmen in beiden Regionen in den letzten Jahren Rekordbeträge an Fremdkapital aufgenommen, aber Unternehmen in den Schwellenländern hätten die Erlöse zur Refinanzierung zu attraktiven Zinssätzen genutzt, während Unternehmen in den Industrieländern das Fremdkapital für Aktien-freundliche Maßnahmen wie Dividendenzahlungen und Fusionen und Übernahmen aufgenommen hätten. "Historisch gesehen bietet die geringere Verschuldungslast in den Schwellenländern ein gesundes Polster, um wirtschaftliche Schocks zu überstehen", sagt Simon. Daher seien sowohl die Ausfall- als auch die Erholungsraten für Unternehmen aus den Schwellenländern auf dem gleichen Niveau wie in den entwickelten Märkten oder sogar besser.

Breit gestreut investieren

Einzelne Unternehmensanleihen, insbesondere aus Schwellenländern, bergen dennoch ein hohes Risiko. Wie auch bei einem Aktienengagement sollten Investments in Schwellenländeranleihen besser breit gestreut sein, etwa in einem ETF. Hier bietet beispielsweise das Papier der Firma van Eck (WKN: A2JEMH) mit hochverzinslichen, nicht-währungsgesicherten Schwellenländeranleihen eine hohes Chance-Risikoprofil. Die 1-Jahresperformance liegt bei rund 20 Prozent, und die Gebühren betragen 0,4 Prozent jährlich.

Auf Unternehmensanleihen großer europäischer Firmen lässt sich mit dem Lyxor ESG Euro Corporate Bond (WKN: LYX0Z4) teilhaben. Durch die hohe Bonität ist das Risiko moderater als bei Schwellenländer- oder Ramschanleihen. Die Jahresperformance kann sich mit fast zehn Prozent aber sehen lassen. Die Gebühren betragen hier 0,14 Prozent im Jahr.

Anleger sollten bei Bond-Investments aber auch immer das Währungsrisiko beachten - und das kann, wie die aktuellen Beispiele Brasilien und Türkei zeigen, sehr hoch sein. Daher sollten Unternehmensanleihen aus Schwellenländern oder Ramschanleihen nur eine Beimischung im Depot darstellen. Der größere Part bei den Unternehmensanleihen sollten Titel mit hoher Bonität und auskömmlicher Rendite sein.

Benjamin Feingold betreibt das Börsenportal Feingold Research.

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von einzelnen Aktien, ETFs, Zertifikaten oder anderen Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: ntv.de

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