Wirtschaft

Platz sieben im EU-Vergleich Arbeitskosten in Deutschland steigen

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Die Lohnkosten sind in Deutschland gestiegen

(Foto: picture alliance / dpa)

Erneut steigen die Arbeitskosten in Deutschland stärker als in den Nachbarländern. Die Zeit der Lohnzurückhaltung ist offenbar vorbei. Die Arbeitnehmer können sich über höhere Löhne freuen, die Unternehmen fürchten um ihre Wettbewerbsfähigkeit.

In Deutschland hat eine eine Arbeitsstunde im vergangenen Jahr Stunde 31,70 Euro gekostet. Das ist gut ein Drittel mehr als im EU-Schnitt, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Kosten sind mit 2,1 Prozent erneut stärker gestiegen als in der Rest-EU. Dort lag das Plus bei 1,4 Prozent.

Nach der relativen Lohnzurückhaltung bis 2010 werden die Arbeitskosten von der guten wirtschaftlichen Entwicklung getrieben, wie ein Vergleich mit dem jetzt kriselnden Frankreich zeigt. 2004 bis 2010 kletterten die Arbeitskosten von Deutschlands wichtigstem Handelspartner jährlich um 3,4 Prozent, hierzulande um 1,4 Prozent. Von 2011 bis 2013 lag der Anstieg in Deutschland mit 2,7 Prozent dagegen über dem des Nachbarn (1,9 Prozent).

Die gute wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland kommt indes auch bei den Arbeitnehmern an. Wegen der niedrigen Inflation rechnet das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung für 2013 mit einem realen Lohnzuwachs von 1,5 Prozent. Das ist das höchste Plus seit 22 Jahren.

Unternehmen in Sorge

Den deutschen Unternehmen bereiten die steigenden Kosten Sorgen. "Sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr steigen die Kosten stärker als die Produktivität", sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertags Alexander Schumann. "Die gute Lohnentwicklung stützt zwar unsere Binnenkonjunktur und macht uns unabhängiger vom Ausland. Auf Dauer ist das aber keine gute Entwicklung, denn unsere Wettbewerbsfähigkeit leidet."

Erstmals seit langer Zeit würden die Unternehmen in den Arbeitskosten wieder vermehrt ein Geschäftsrisiko sehen, zeigten DIHK-Umfragen. "Wir müssen deshalb aufpassen, dass die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht zu Ende geht", sagte er. Die Wirtschaft macht die Politik für die Entwicklung mitverantwortlich. "Die Entlastung bei den Beiträgen zur Rentenversicherung ist ausgefallen. Der Mindestlohn erhöht in vielen Branchen den Kostendruck."

Arbeitskosten in Schweden am höchsten

Trotz des Anstiegs liegt Deutschland bei den Arbeitskosten EU-weit lediglich im oberen Mittelfeld. In den Nachbarländern Belgien (41,20), Dänemark (39,80), Luxemburg (35,60), Frankreich (35,00) und den Niederlanden (32,50) zahlen Privatunternehmen mehr pro Arbeitsstunde.

Arbeitskosten setzen sich zusammen aus den Bruttogehältern und Lohnnebenkosten. Zu den Nebenkosten zählen etwa die Beiträge der Arbeitgeber zu Sozialversicherungen und betrieblicher Altersversorgung sowie die Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall. In Deutschland fällt der Aufschlag mit 27 Prozent vergleichsweise gering aus, in Frankreich beträgt er 47 Prozent.

Aufgrund der unterschiedlich hohen Nebenkosten eignen sich die Arbeitskosten allerdings nicht für einen direkten Gehaltsvergleich. Die teils extremen Unterschiede offenbaren allerdings eine große Kluft bei den Arbeits- und Lebensbedingungen in Europa: Während in Schweden eine Stunde Arbeit mit 43,00 Euro am meisten kostet, zahlen Unternehmen in Tschechien 10,40 Euro und in Polen 7,40 Euro. Bulgarien hat mit 3,70 Euro je Stunde die geringsten Arbeitskosten in der EU.

Quelle: ntv.de, bge/rts/dpa