Wirtschaft

Ende der Hilfspakete naht Athen versteigert Staatsanleihen

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Griechenland soll sich bereits ab kommendem Jahr wieder allein über den Kapitalmarkt finanzieren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn im kommenden Jahr das aktuelle Hilfspaket endet, soll Griechenland sich erstmals seit Jahren wieder allein über den Kapitalmarkt finanzieren. Nun startet die Regierung einen Testlauf.

Erstmals seit Bestehen der Links-Rechts-Regierung unter Premierminister Alexis Tsipras nimmt Griechenland eine Rückkehr an die Finanzmärkte in Angriff. Man werde eine Auktion für eine fünfjährige Staatsanleihe starten, teilte das Finanzministerium mit. Die Ergebnisse der Versteigerung sollen möglicherweise schon am Dienstag bekanntgegeben werden. Federführend ist ein Konsortium internationaler Großbanken.

Es wäre Athens erste eigenständige Schuldenaufnahme an den Finanzmärkten seit 2014, als Griechenland sich zwei Mal über den Kapitalmarkt Geld besorgte. Nach der Bildung der Regierung unter Tsipras im Januar 2015 kam es dann erneut zu Finanzierungsproblemen. Zuletzt hatte sich das Land nur über die Hilfspakete finanzieren können. Internationale Geldgeber hatten im Sommer 2015 ein drittes Hilfspaket mit einem Volumen von 86 Milliarden Euro geschnürt, das noch eine Laufzeit bis August 2018 hat.

Sollte die aktuell angestrebte Auktion fünfjähriger Papiere erfolgreich und zu befriedigenden Konditionen gelingen, kündigte Athen zudem ein Rückkaufangebot für bestehende Papiere an, die noch bis zum Jahr 2019 laufen.

Vergangene Woche hatte es immer wieder Medienberichte über eine mögliche Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt gegeben. Als letzte mögliche Hürde galt eine Bewertung der Ratingagentur S&P am Freitagabend. S&P legte Athen aber keine Steine in den Weg. Zwar verblieb das Rating wie von Experten erwartet weiter tief im sogenannten Ramschbereich, der Anlagen als riskant ausweist. Die Bonitätswächter stellten Griechenland aber anders als bisher eine Heraufstufung der Kreditwürdigkeit in absehbarer Zukunft in Aussicht.

Weiteren Rückenwind erhielt Athen außerdem durch die Zusage des Internationalen Währungsfonds (IWF) für einen weiteren 1,6 Milliarden Euro schweren Kredit. Diese ist jedoch an die Bereitschaft der europäischen Griechenland-Gläubiger geknüpft, dem Land Schuldenerleichterungen zu gewähren. Zudem verkündete das griechische Wirtschaftsministerium Fortschritte bei der Sanierung der Staatsfinanzen. Zinslasten herausgerechnet, erzielte der griechische Staat im ersten Halbjahr 2017 einen Überschuss von gut 1,9 Milliarden Euro - deutlich mehr als die 431 Millionen Euro, die die Gläubiger als Ziel gesetzt hatten. Ein Selbstläufer dürfte Athens Rückkehr an den Rentenmarkt Experten zufolge dennoch nicht werden. Griechenland hat weiterhin die mit Abstand schlechtesten Kreditbewertungen in der Eurozone.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa