Wirtschaft

Politik und Autobauer zögern Autopilot könnte Millionen Crashs verhindern

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Alle paar Millionen Kilometer baut auch ein Tesla-Autopilot mal einen Unfall.

(Foto: REUTERS)

Während Tesla seine Autos bereits mit autonomen Assistenzsystemen auf die Straße schickt, zögern deutsche Hersteller. Auch die Politik bewege sich im Schneckentempo, sagt Autoexperte Dudenhöffer. Seiner Analyse zufolge könnte die Technologie die meisten Unfälle auf deutschen Straßen verhindern.

Durch den schnelleren Einsatz aktuell bereits vorhandener Technologie zum autonomen Fahren ließe sich die Zahl der Verkehrsunfälle in Deutschland dramatisch reduzieren. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automotive Research (Car) in Duisburg. Dudenhöffer setzt dazu die Unfallhäufigkeit im deutschen Straßenverkehr in Relation zu den vom E-Autohersteller Tesla veröffentlichen Sicherheitsdaten seiner Autos mit verschiedenen Assistenzsystemen in den USA.

In Deutschland kam es im vergangenen Jahr durchschnittlich nach gut 280.000 gefahrenen Kilometern je Auto zu einem Unfall. Diese Zahl sinkt seit einigen Jahren tendenziell, die Unfallhäufigkeit nimmt also zu. Laut den aktuellen Daten aus Teslas Vehicle Safety Report, waren Tesla-Fahrer mit aktiviertem Autopilot dagegen statistisch nur alle 7,4 Millionen Kilometer in einen Unfall verwickelt, Tesla-Fahrer mit einem aktivierten Sicherheitsassistenzsystem ohne Autopilot alle 3,9 Millionen Kilometer.

Übertrage man diese Werte auf den deutschen Verkehr, würde - wenn alle Autos mit Autopilot ausgestattet wären - die Unfallhäufigkeit um rund 90 Prozent zurückgehen. Statt zu 2,6 Millionen Unfällen wie im vergangenen Jahr käme es dann nur zu gut 280.000 Unfällen.

Ein solcher Rückgang um fast 90 Prozent ist aber laut Dudenhöffer ein theoretisches Szenario. Denn der Straßenverkehr in den USA und in Deutschland ist nicht vergleichbar, und auch die Definition von Unfall in den Statistiken ist anders. Überträgt der Automobilökonom die US-Zahlen auf deutsche Bedingungen, ergibt sich aber immer noch ein möglicher Rückgang um mehr als 60 Prozent durch einen flächendeckenden Einsatz von Autopiloten.

Angesichts dieses Potenzials zeigt sich Dudenhöffer enttäuscht von der Politik, die sich bei der notwendigen Gesetzgebung nur im Schneckentempo bewege, und von den deutschen Autobauern, die beim vollautomatisierten Fahren den Anschluss zu verlieren drohe. So kürzten die etablierten Konzerne ihre entsprechenden Investitionen, weil sie die Systeme für zu teuer hielten. Tesla dagegen baue einen Innovationsvorsprung weiter aus. "Das könnte gefährlich für die anderen Premiumanbieter im Automarkt werden."

Quelle: ntv.de, mbo

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