Wirtschaft
Bahn-Chef Grube kämpft auch um seinen Stuhl.
Bahn-Chef Grube kämpft auch um seinen Stuhl.(Foto: dpa)
Freitag, 10. Juni 2016

Grube sieht sich im Häuserkampf: Bahn probt Verzicht auf Lokführer

Die Bahn steckt in einer tiefen Krise. Für das vergangene Jahr präsentiert der Konzern tiefrote Zahlen. An etlichen Stellen muss der Logistiker nun nachbessern - teils erheblich. Zugleich weitet die Bahn die Digitalisierung aus.

Tiefrote Zahlen, wachsende Schulden und eine gigantische aber problemanfällige Infrastruktur: Die Deutsche Bahn wieder auf Vordermann zu bringen, vergleicht Konzernchef Rüdiger Grube mit einem Häuserkampf. Mit einer Pünktlichkeitsoffensive, technischen Nachbesserungen, Teilbörsengängen von Töchtern und einer Deckelung der Verbindlichkeiten will das Unternehmen die Probleme angehen. Zugleich will die Bahn in einigen Bereichen eine Vorreiterrolle einnehmen.

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So plant der Konzern, in den kommenden Jahren - vielleicht sogar schon 2021 - vollautomatisierte Züge ohne Lokführer aufs Gleis setzen, sagte Grube der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Spätestens 2023 werde die Bahn so weit sein, "dass wir in Teilen unseres Netzes vollautomatisch fahren können". Zwar sei das Fahren ohne Lokführer auf einem komplexen Schienensystem, in dem schnelle und langsame Personenzüge sowie Güterzüge fahren, "schwieriger als bei einer U-Bahn", räumte er ein. "Aber es ist möglich."

Die ersten Pilotprojekte seien bereits angelaufen, bei der Erzgebirgsbahn sei ein Testfeld aufgebaut worden. Grube setzt nach eigenen Worten darauf, dass die Arbeitnehmervertreter die Pläne mittragen. "Auch Betriebsräte und Gewerkschaften erkennen, dass sich durch die Digitalisierung die Welt verändert", sagte er.

Abschied vom Papier-Ticket

Wenn die Schiene im Vergleich mit der Straße wettbewerbsfähig sein soll, könne der Bahnvorstand bei der Digitalisierung nicht nur zusehen. "Sonst werden wir in der Produktivität immer mehr ins Hintertreffen geraten", warnte Grube. In diesem Zusammenhang denkt die Bahn auch über einen Abschied vom Papier-Ticket nach. Vielmehr sei eine Mobilitätskarte denkbar, mit der auch die Angebote anderer Verkehrsverbünde genutzt werden können, sagte der Bahn-Chef weiter.

Darüber hinaus will die Bahn die Pünktlichkeit der Züge erhöhen. Diese liege derzeit bei 80 Prozent und soll um fünf Punkte erhöht werden. Bis Ende des Jahres soll zudem in allen ICE-Wagen der 2. Klasse WLan kostenlos verfügbar sein. Obendrein werden die Züge mit einem sogenannten Resetprogramm aufgehübscht.

Mit Blick auf die Infrastruktur sagte Grube der FAZ, dass die Konzernverschuldung von derzeit 17 Milliarden nicht über 19 Milliarden Euro steigen soll. Da ein Bahn-Börsengang auf absehbare Zeit vom Tisch sei und der Bund als Eigentümer das erforderliche Geld nicht vollständig zur Verfügung stelle, sollen Teil-Börsengänge der Töchter Schenker und Arriva Geld in die Kassen spülen. Beide aber würden "auf keinen Fall komplett verkauft", sagte er. Durch Einsparungen infolge von internen Umstrukturierungen - etwa durch Verschmelzung von Konzernteilen auf die Holding - sollen mittelfristig weitere Gelder eingespart werden.

Zugleich kündigte Grube an, dass beim Thema Nachtzüge das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Zwar schrieben diese "tiefrote Zahlen". Doch bemühe sich der Konzern, "noch in diesem Jahr ein Konzept vorzulegen, mit dem es auch künftig in Deutschland Nachtzugverkehr geben wird."

Quelle: n-tv.de