Wirtschaft

Miese Zahlen fürs erste Halbjahr Bahn schließt Stellenstreichungen nicht aus

Dramatische Zahlen bei der Bahn: Umsatz und Gewinn verfehlen die Erwartungen. Die Jahresziele sind Geschichte. Und der Fernbus-Boom ebbt nicht ab. Nun reagiert der Konzern und baut intern um. Eine Jobsicherheit gibt es nicht mehr.

Ein Gewinneinbruch zwingt die Deutsche Bahn zu einem radikalen Konzernumbau. Bahnchef Rüdiger Grube führte den deutlichen Ergebnisrückgang im ersten Halbjahr vor allem auf die Lokführer-Streiks und mehrere Unwetter zurück. "Wir haben bewegte Wochen hinter uns", sagte Grube. Angesichts der anhaltenden Ertragsschwäche und Problemen in mehreren Geschäftsfeldern hatte der Bahnchef bereits am Montag einen Konzernumbau angekündigt.

Ziel ist es, das bundeseigene Unternehmen effizienter, wettbewerbsfähiger und profitabler zu machen. Die Bahn schloss einen Stellenabbau nicht aus. Seine konkreten Vorstellungen wolle er am 16. Dezember dem Aufsichtsrat vorlegen, kündigte Grube in Berlin an. "Wir werden jetzt die Ärmel aufkrempeln." Kritik, er reagiere zu spät, wies der Konzernchef zurück.

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Will jetzt die Ärmel hochkrempeln: Bahnchef Grube.

(Foto: imago/Stefan Zeitz)

Er gab aber zu, dass die selbstgesteckten Ziele nicht erfüllt wurden. "Umsatz und Ergebnis liegen immer noch unter dem, was wir uns vorgenommen haben", monierte der Vorstandsvorsitzende. Deshalb will die Bahn sparen und Kosten vor allem bei der Führung senken. Mit kosmetischen Schritten sei es nicht getan, betonte Grube.

Vorstandsbüros werden geschlossen

So sollen die Zweit-Büros der Vorstände in Frankfurt am Main schließen. Dazu würden auch Mitarbeiter abgezogen, kündigte Grube an. Ihre Zahl werde aber "weit unter hundert" liegen. "Der Standort Frankfurt wird natürlich aufrechterhalten", betonte Grube. "Die meisten operativen Bereiche sitzen in Frankfurt, aber die Konzernleitung wird hier in Berlin sitzen." Die Gebäude an der Gallusanlage würden weiter genutzt. "Im Hochhaus wird es sicher ein kleines Büro für uns alle geben." Die Bahn ist mit rund 196.000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Im Ausland hat sie gut 100.000 Mitarbeiter.

Notwendig machen diesen Schritt dramatische Zahlen für das erste Halbjahr. Das Ergebnis nach Steuern sank von 642 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 391 Millionen Euro, ein Minus von gut 39 Prozent. Das operative Ergebnis verringerte sich um fast ein Fünftel auf 890 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich von Januar bis Juni um 1,3 Prozent auf 20 Milliarden Euro.

"Die Streiks haben unseren Kunden viel Geduld abverlangt". Die Ausstände hätten die Mitarbeiter zudem viel Kraft gekostet, dem Unternehmen seien wichtige Einnahmen entgangen, sagte Grube. Er bezifferte den wirtschaftlichen Schaden in den Jahren 2014 und 2015 auf insgesamt rund 500 Millionen Euro. Immerhin ist der lange Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer ist mittlerweile gelöst.

Prognose nach unten korrigiert

Finanzchef Richard Lutz korrigierte folgerichtig die Jahresprognose des Konzerns nach unten. Das operative Ergebnis (Ebit) werde bei mindestens zwei Milliarden Euro liegen, damit mindestens 200 Millionen Euro niedriger als noch im März geplant. Im Vorjahr hatte es 2,1 Milliarden Euro betragen. Unterm Strich wird für 2015 nun ein Gewinn von ungefähr einer Milliarde Euro angepeilt - etwa so viel wie 2014. Im März waren noch mindestens 1,1 Milliarden Euro erwartet worden Die Ertragslage der Bahn ist seit längerem angespannt. Von mittelfristigen Wachstumszielen musste sich Grube bereits verabschieden. Die Schulden des Staatskonzerns sind seit Jahresbeginn um 1,4 Milliarden Euro auf 17,6 Milliarden Euro gestiegen.

Die Zahl der Reisenden bei der Deutschen Bahn im Personenverkehr in Deutschland ging nach jahrelangen Zuwächsen im ersten Halbjahr um 1,6 Prozent zurück. Die Bahn-Spitze führte auch das auf die Streiks und Unwetter zurück. Generell aber hat die Bahn vor allem im Fernverkehr wegen der Konkurrenz der Fernbusse und des niedrigen Spritpreises für Autos zu kämpfen. Der gesunkene Dieselpreis macht auch der Güterbahn zu schaffen, weil er Lastwagenfahrten billiger macht. Im Fernverkehr brach das operative Ergebnis um mehr als die Hälfte auf nur noch 58 Millionen Euro ein.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa/DJ