Wirtschaft

Lokführer, IT-Experten und Co. Bahn stellt 50.000 neue Mitarbeiter ein

Die Deutsche Bahn steht vor einer großen Herausforderung: In den kommenden Jahren geht rund die Hälfte der Belegschaft in Rente. Um zu wachsen, braucht das Unternehmen aber noch mehr Mitarbeiter. Eine Personaloffensive soll Abhilfe schaffen.

In einem personellen Kraftakt will die Deutsche Bahn in diesem und im nächsten Jahr annähernd 50.000 neue Mitarbeiter einstellen. Bis Jahresende werde es 24.000 Neueinstellungen geben, im nächsten Jahr sei eine ähnliche Größenordnung geplant, sagte DB-Personalvorstand Martin Seiler in München. Besonders gesucht: Lokführer, Fahrdienstleiter, Gleisbauer, aber auch Fachleute für IT und den Elektrobereich.

"Zum einen wollen wir uns verjüngen, zum anderen wollen wir wachsen", sagte Seiler. 8000 der 24.000 Stellenbesetzungen in diesem Jahr sind nach Angaben des Managers zusätzliche Arbeitsplätze, die übrigen zwei Drittel sind Nachbesetzungen für Pensionierungen und Verrentungen. "Wir wollen eine bessere Bahn liefern und deswegen stellen wir auch so viele neue Kolleginnen und Kollegen ein", sagte Seiler. CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer sagte, die Bahn stehe mit 86 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren vor dem größten Modernisierungsprogramm ihrer Geschichte.

Bundesweite Werbeaktionen sollen Mitarbeiter locken

Die DB hat ein warnendes Beispiel vor Augen: Private Bahnunternehmen hatten während der Urlaubszeit im vergangenen Sommer teilweise mit tage- oder sogar wochenlangen Zugausfällen zu kämpfen, weil Lokführer fehlten. Das ist ein Problem, das die ohnehin häufig von Negativschlagzeilen geplagte Bahn gern vermeiden möchte. Bei der DB gibt es nach Seilers Worten zwar manchmal kurzfristige Personalausfälle, aber keinen strukturellen Mangel. Allein in diesem Jahr werden demnach jeweils etwa 2000 neue Lokführer und Fahrdienstleiter eingestellt.

Auch weil die Bundesregierung in den nächsten Jahren deutlich mehr in die klimafreundliche Bahn investieren will, werden Stellen geschaffen. Die DB setzt alle Hebel in Bewegung, um neue Mitarbeiter zu finden. So verzichtet das Unternehmen inzwischen bei manchen seiner 500 Berufe auf schriftliche Bewerbungsbriefe, bundesweit gibt es Werbeaktionen.

Hohes Durchschnittsalter ein Problem

Denn abgesehen von der Schaffung Tausender neuer Stellen steht die Bahn wegen des vergleichsweise hohen Durchschnittsalters ihres Personals vor einer großen Herausforderung: Von den 200.000 Menschen, die das Staatsunternehmen in Deutschland beschäftigt, muss etwa die Hälfte in den nächsten Jahren ersetzt werden. "Die Demografie schlägt zu", kommentierte Minister Scheuer in einem von mehreren Interviews am Rande der Veranstaltung.

Doch es ist nicht nur die Demografie, die zuschlägt. In den großen Städten ächzt die Belegschaft über die hohen Mieten. Die Folge: Wie von Eisenbahnern zu hören ist, würden zahlreiche Kollegen, die vor Jahren aus den neuen Bundesländern zugewandert sind, aus München und anderen teuren Großstädten am liebsten in ihre Heimat versetzt werden, weil dort die Lebenshaltungskosten niedriger sind.

Quelle: ntv.de, Carsten Hoefer, dpa