Wirtschaft

Ist der Bankenverband glaubwürdig? Neuer Chef hat "Panama" im Gepäck

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Der BdB hat ein Problem: Tausende Dokumente aus den "Panama Papers" legen nahe, dass die Berenberg Bank besonders eng mit dem Offshore-Dienstleister Mossack Fonseca zusammengearbeitet hat. Legal oder illegal, ist unklar.

(Foto: REUTERS)

Ex-Deutsch-Banker Fitschen als Präsident des privaten Bankenverbands war bereits umstritten. In wenigen Tagen rückt für ihn der Chef der Berenberg Bank Peters nach. Auch er kommt mit einer Hypothek.

Ex-Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, wird sein Amt als Präsident des Bankenverbands BdB kommenden Montag an seinen Nachfolger übergeben. Eigentlich sollte das jemand sein, der ohne belastende Vorgeschichte antritt. Nur eine Woche vor dem Chef-Wechsel ist allerdings klar, dass mit dem Chef der Hamburger Berenberg Bank, Hans-Walter Peters, wieder ein Banker den Vorsitz übernimmt, der eine Hypothek mitbringt.

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Hans-Walter Peters legt Wert auf Tradition.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die kleine, nach eigenen Aussagen älteste Privatbank Deutschlands steckt zur Zeit - wie viele andere deutlich größere Institute - mitten in der Aufarbeitung der "Panama Papers". Als persönlich haftender Gesellschafter schreibt Peters damit auch für Offshore-Konten verantwortlich.

Eigentlich war der 60-Jährige als Hoffnungsträger angetreten, die Verbandsmitglieder hatten sich einstimmig für den vermeintlich unbelasteten Privatbankier entschieden. Kirch-Affäre, Zinsmanipulationen, Geldwäsche in der Moskauer Niederlassung - die Skandale der Deutschen Bank hatten lange genug negativ auf den wichtigen Dachverband abgefärbt. Nach den Enthüllungen der "Panama Papers" und dem Wissen, dass auch die exklusive Hambuger Privatbank, ihren Anteil an diesen Geschäften hat, wird verhaltene Kritik in der Branche laut.

Kein idealer Wechsel

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Keine Traumbesetzung für den Posten: Ex-Co-Chef der Deutschen Bank und Präsident des deutschen Bankenverbands BdB, Jürgen Fitschen.

(Foto: Bundesverband deutscher Banken BdB)

"Wir sehen das mit einem gewissen Zähneknirschen", zitiert das "Handelsblatt" einen nicht namentlich genannten Banker. Es werde sich zwar nichts daran ändern, dass Peters am Montag das Amt des Präsidenten übernehme. Die Probleme rund um die "Panama Papers" zeigten aber, dass der BdB eigentlich einen hauptamtlichen Präsidenten brauche. Nur dieser könnte unbelastet von den Problemen einzelner Institute agieren. Jetzt drohe der Verband wieder in die "Glaubwürdigkeitsfalle zu laufen", so der Banker. Der Bankenverband wiegelt solche Bedenken derweil ab. Die Folgen der Panama-Affäre für Berenberg seien "überhaupt kein Thema", heißt es.

Zurzeit ringt der Bankenverband damit, sich eine Meinung zum Thema Aufarbeitung zu bilden. Klare Unterstützung signalisiert er bei den Regierungsplänen zum Aufbau eines Firmen-Transparenzregisters. Man habe schon länger gesagt, dass es gut wäre, solch ein Register zu führen, sagt Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer.

Es müsse insbesondere gegenüber Steuerbehörden offengelegt werden, wer hinter Firmen stehe. Ob aber etwa jeder im Internet das abrufen können solle, wisse er nicht. Eine abschließende Meinung dazu habe er sich noch nicht gebildet. Das gelte auch für Vorschläge, Briefkastenfirmen ganz zu verbieten. "Ich glaube, die Lösung liegt nicht in generellen Verboten", so Kemmer weiter.

Berenberg ist sich derweil keiner Schuld bewusst. Die Bank bestätigte, über ihre in der Schweiz ansässige Vermögensverwaltungstochter Konten für sogenannte Offshore-Gesellschaften zu führen. Eine Schweizer Tochter der Berenberg Bank soll laut "Panama Papers" in der Vergangenheit mindestens 76 Konten für Offshore-Firmen bereitgestellt haben. Im Unrecht sieht sich die Privatbank - bei der man in der Regel einen Millionenbetrag mitbringen muss, wenn man sich vorstellt - nicht.

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Die traditionsreiche Privatbank besteht seit mehr als 400 Jahren in Hamburg. In der Regel sollte man einen Millionenbetrag mitbringen, wenn man sich hier als Neukunde vorstellt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Verfolgen klare Weißgeldstrategie"

Dies stehe "selbstverständlich im Einklang mit den gesetzlichen Regelungen", sagte ein Sprecher. Es erfordere aber auch "höhere Sorgfaltspflichten auf Seiten der Banken". Der hinter dem Konto stehende wirtschaftlich Berechtigte sei immer bekannt. Der Sprecher wies auch darauf hin, dass viele andere Banken ebenfalls Konten für Firmen in Steueroasen führten. Außerdem verfolge die Berenberg Bank eine klare Weißgeldstrategie. "Wirtschaftlich Berechtigte und Bevollmächtigte werden täglich in speziellen Compliance-Datenbanken auf negative Einträge hin überprüft, und Zahlungen unterliegen einem permanenten Monitoring." Was man genau darunter verstehen darf, blieb offen.

Auch wenn alles legal gelaufen ist, für Peters dürfte es nicht leicht werden, die deutschen Privatbanken überzeugend gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit zu vertreten. Eigentlich bräuchten die Finanzinstitute angesichts einer immer härteren Regulierung einen besonders guten Draht zur Politik. Den hat der Verband gerade nicht.

Ideal läuft der Chefwechsel also nicht. Die Frage ist aber, ob die Panama-Affäre möglicherweise doch noch ein Sturm im Wasserglas ist, wie einige Beobachter munkeln. Die Finanzaufsicht Bafin soll Insidern zufolge bereits einzelnen Geldhäusern Fragen zu ihren Offshore-Aktivitäten gestellt haben. Was legal und was illegal ist, wird sich hoffentlich bald zeigen. Dass sich die Bankenaufsicht die Rolle der deutschen Banken in diesem Komplex anschaut, macht dem Verband erstmal keine Sorgen. Er könne sich nicht vorstellen, dass dabei irgendwelche schlimmen Dinge zutage kommen, sagt Kemmer.

Quelle: ntv.de

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