Wirtschaft

Änderung der Gentechnik-Gesetze Bauern fordern klimastressresistente Pflanzen

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Neue Züchtungen sollen die Pflanzen resistenter gegen Trockenheit und Nässe machen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als Reaktion auf den Klimawandel fordert der Deutsche Bauernverband den Einsatz von Gentechnik, um widerstandsfähigere Pflanzen zu züchten. Landwirtschaftsministerin Klöckner unterstützt den Vorstoß. Gleichzeitig stellt die CDU-Politikerin aber auch Forderungen an die Bauern.

Die deutschen Bauern wollen sich mit speziellen Züchtungen gegen den Klimawandel wappnen. Dazu sei eine Änderung der europäischen Gentechnik-Gesetze nötig, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied beim Deutschen Bauerntag in Schkeuditz bei Leipzig. Die Pflanzen müssten sowohl mit Trockenheit als auch mit Nässe umgehen können, sagte er bei dem zweitägigen Treffen. CDU-Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner stimmte der Forderung zu: "Wir brauchen neue Züchtungen, die klimastressresistent sind", sagte sie. Außerdem versprach sie, dass sie sich für eine steuerfreie Risikorücklage für mögliche Ernteausfälle einsetzen werde - etwa nach trockenen Sommern wie im vergangenen Jahr.

Klöckner stellte aber auch Forderungen: Sie erwarte von den Landwirten, dass sie "vor die Welle" kommen, statt abwehrend auf Neuerungen zu reagieren. Sie müssten zeigen, dass sie sich für die Reduzierung von Kohlenstoffdioxid einsetzen. Dafür sollten sie stärker in die Diskussion einsteigen darüber, welchen Einfluss der Konsument auf Tierwohl und Ökologie hat. Gleichzeitig appellierte Klöckner an die Verbraucher, eine nachhaltige Landwirtschaft zu unterstützen. Auch der Handel müsse für mehr Wertschätzung für die Produkte der Landwirtschaft einbezogen werden.

Verband kritisiert Düngebeschränkungen

Bauernpräsident Rukwied kritisierte die von der Bundesregierung vorgeschlagenen zusätzlichen Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers. Die EU-Kommission hatte Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte verklagt und 2018 beim Europäischen Gerichtshof Recht bekommen. Sie verlangt nun zusätzliche Dünge-Beschränkungen. Würden Zwischenfrüchte nicht gedüngt, bildeten sie weniger Wurzeln aus, warnte der Bauernpräsident. Das könne dann ebenfalls zu einem höheren Nitratgehalt im Boden führen, sagte Rukwied. Er hoffe auf "mehr Sachverstand" der Regierung bei der Ausarbeitung der Ackerbaustrategie, die das Landwirtschaftsministerium im Herbst vorlegen will. Klöckner verteidigte die Dürreverordnung, die Vorgaben seien sehr streng gewesen. Die Ministerin kündigte an, dass ein Thema in der Ackerbaustrategie der Humusaufbau ist.

Der Bauernpräsident hob hervor, dass Landwirte mit insgesamt 230.000 Kilometer langen Blühstreifen am Rand von Feldern in Deutschland entscheidend zur Artenvielfalt beitragen. Auch die Initiative Tierwohl sei wesentlicher Bestandteil nachhaltiger Landwirtschaft. Diese Nachhaltigkeit sieht er durch ein mögliches Mercosur-Abkommen in Gefahr: Durch das Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund kämen Produkte aus ehemaligen Regenwaldgebieten in die Region. Außerdem habe Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro seit seinem Antritt 150 Pflanzenschutzmittel neu zugelassen. "Ich erwarte von der Politik Geradlinigkeit", sagte Rukwied. Durch das Abkommen könnte die europäische Landwirtschaft sieben Milliarden Euro einbüßen.

Rukwied warnte vor einer zunehmenden Entfremdung von Stadtbewohnern und Landwirten. Mit Blick auf Volksbegehren zum Schutz von Bienen sagte er: "Ich habe kein Verständnis dafür, dass man vom Schreibtisch aus auf die Bauern zeigt und sagt, ihr habt eure Hausaufgaben nicht gemacht." Ihn sorge, dass urbane Milieus zunehmend versuchten, die tägliche Arbeit von Bauern zu beeinflussen. Der Deutsche Bauernverband vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 300.000 Landwirten und ihren Familien.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

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