Werkschef verkündete HochlaufBericht: Auslastung von Tesla-Werk in Grünheide sinkt unter 40 Prozent

Dass der US-Autobauer Tesla mit enormer Absatzschwäche zu kämpfen hat, ist kein Geheimnis. Dennoch behauptet der Chef des Werks in Grünheide, dort floriere die Produktion. Ein Bericht zweifelt die Behauptung an und legt alarmierende Zahlen vor.
Die Produktion in Teslas einzigem europäischen Werk in Grünheide leidet nach einem Medienbericht unter einem starken Absatzeinbruch. So wurden im vergangenen Jahr im Werk in Brandenburg lediglich 149.040 Elektrofahrzeuge produziert, 29,4 Prozent weniger als 2024. Das berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Zahlen des auf die Automobilindustrie spezialisierten Datenanbieters Inovev.
Tesla fertigt in Grünheide das Model Y. 2024 wurden in Grünheide laut Jahresabschluss noch 211.235 Einheiten des Elektro-SUV gefertigt. Damit war das Werk zu 56,3 Prozent ausgelastet. Bereits diese Zahlen wurden dem "Handelsblatt" zufolge als schwach gewertet. Die Gewinnmarge habe bei gerade einmal 0,74 Prozent gelegen.
Mit den rund 149.040 Fahrzeugen wäre Grünheide im vergangenen Jahr rechnerisch nur noch zu 39,7 Prozent ausgelastet gewesen. Ausgelegt ist das Werk schätzungsweise auf eine jährliche Produktion von 375.000 Fahrzeugen. Tesla ließ eine "Handelsblatt"-Anfrage zu den Produktionszahlen unbeantwortet. Allerdings beinhalten die Zahlen von Inovev teilweise Schätzungen, die später angepasst werden müssen, schreibt das Blatt.
Die neuen Zahlen stünden in krassem Widerspruch zu Aussagen von Werksleiter André Thierig. Der frühere Ford-Manager behauptet laut "Handelsblatt" seit Monaten, dass der Standort floriere. Alle anderen Autohersteller in Deutschland hätten seinen Worten zufolge dagegen mit Problemen zu kämpfen. "Wir fahren die Produktion hoch, nicht runter", soll Thierig zuletzt gesagt haben. Die eingebrochene Nachfrage in Europa habe der Autobauer durch andere Märkte kompensiert, heißt es laut "Handelsblatt". Genannt werden etwa die Türkei, Kanada oder Länder in Südostasien.
Probleme auf großen Auto-Märkten
Von einem Ausgleich kann beim Blick auf die Zulassungszahlen jedoch keine Rede sein. Laut "Handelsblatt" konnte Tesla zwar in Ländern wie Südkorea, Thailand, den Philippinen, Norwegen und der Türkei die Zulassungen des Model Y um zusammengerechnet knapp 70.000 Einheiten erhöhen. Allerdings brach die Nachfrage in den drei wichtigsten Märkten, den USA, China und Europa, um mehr als 155.000 Einheiten ein. Die Differenz ist sogar noch ein wenig größer als der Produktionsrückgang in Grünheide.
Vor allem zwei Gründe werden für das nachlassende Interesse von Autokäufern an Tesla ausgemacht. Zum einen das politische Engagement von Gründer Elon Musk. Der hatte sich stark für US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf eingesetzt. Zudem teilt er sexistische, antisemitische und rassistische Inhalte auf seinem Portal X und sprach sich in Deutschland etwa für die Wahl der AfD aus.
Zum anderen konnte Tesla mit seiner Produktpalette zuletzt weniger gut gegenüber der Konkurrenz punkten. Während Tesla das Model 3 und das Model Y seit 2016 auf derselben Plattform anbietet und die Modelle lediglich optisch auffrischt, bringen Autohersteller aus Europa Elektroautos auf neu entwickelten Plattformen auf den Markt, schreibt das "Handelsblatt". Die seien Tesla im Hinblick auf Effizienz und Ladeleistung mittlerweile überlegen. Auch bei der Software würden traditionelle Hersteller deutliche Fortschritte machen.