Mit über 7,5 Milliarden EuroBericht: Bund will bei Netzbetreiber Tennet einsteigen

Tennet Deutschland betreibt das größte Übertragungsnetz der Republik - ist aber ein Tochterunternehmen der niederländischen Tennet, die dem Staat gehört. Weil die Niederländer nicht mehr ins deutsche Stromnetz investieren wollen, wird nun der Bund aktiv.
Die Bundesregierung steht kurz vor einem Einstieg beim Stromnetzbetreiber Tennet Deutschland. Der Bund habe die Verhandlungen über eine Beteiligung abgeschlossen und wolle sich mit insgesamt rund 7,6 Milliarden Euro an dem Unternehmen beteiligen, berichtete "Politico" unter Berufung auf eine Vorlage des Bundesfinanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags.
Der niederländische Staatskonzern Tennet Holding erklärte dazu, dass man weiter mit der Bundesregierung und anderen Investoren über die Zukunft seiner deutschen Tochter verhandle. Tennet stehe im "konstruktiven Dialog" mit dem Bund und anderen Interessenten und werde über dessen Ergebnisse informieren, wenn die Gespräche beendet seien. Tennet Deutschland ist eine Tochter des niederländischen Stromnetzbetreibers.
Im Schreiben des Finanzministeriums heißt es: "Der Beteiligungserwerb trägt dazu bei, die energiepolitischen Zielsetzungen des Bundes wie einen bedarfsgerechten Netzausbau wirksam zu unterstützen, die Investitionsfähigkeit des Unternehmens vor dem Hintergrund des erheblichen Investitionsbedarfs für die Erneuerung des Ausbaus des Netzes von Tennet Deutschland durch eine ausreichende Kapitalausstattung sicherzustellen sowie den Schutz kritischer Infrastruktur durch den Einfluss auf die Eigentümerstruktur zu gewährleisten."
Die Beteiligung in Höhe von 25,1 Prozent an Tennet Deutschland solle über die staatliche Förderbank KfW erfolgen. Das Ministerium äußerte sich bisher nicht zu dem Bericht, wonach schon eine Einigung über den Einstieg besteht.
Reuters hatte bereits Mitte November auf Basis von Dokumenten des Finanzministeriums berichtet, dass die Bundesregierung einen Einstieg beim Stromnetzbetreiber Tennet vorbereitet. Dafür trifft sie im Bundeshaushalt für 2026 finanzielle Vorkehrungen in Milliardenhöhe.
Die niederländische Regierung hatte den Verkauf eines Minderheitsanteils an der Deutschland-Tochter des staatlichen Stromnetzbetreibers Tennet an ein Konsortium angekündigt. Sie will auch Deutschland ins Boot holen.
Tennet ist der größte der vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland und betreibt ein rund 14.000 Kilometer langes Hochspannungsstromnetz zwischen Schleswig-Holstein und Bayern. Das Unternehmen ist eine Tochter der niederländischen Tennet, die dem Staat gehört. Den Haag will schon seit längerem nicht mehr ins deutsche Stromnetz investieren.