"Einer der größten Deals"Bertelsmann will Musik-Tochter BMG mit US-Konkurrent verschmelzen

Auf dem Musikmarkt gibt es große Bewegung: Die Bertelsmann-Tochter BMG soll mit dem US-Unternehmen Concord zusammengeführt werden. Auch für den geplanten Führungswechsel an der Konzernspitze spielt der Deal eine Rolle.
Bertelsmann baut mit einem Milliardendeal in den USA sein Musik-Geschäft aus und schafft damit ein viertes großes Standbein für den Medien-Konzern. Die Tochter BMG soll mit dem US-Rivalen Concord zusammengehen und so die weltweite Nummer Vier hinter den großen Drei in der Musikindustrie formen: Universal, Sony und Warner.
"Das ist vom Gesamtwert einer der größten Deals in unserer über 190-jährigen Firmengeschichte", sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe. Bertelsmann hält künftig 67 Prozent am zusammengeführten Unternehmen, der Pensionfonds von Michigan als Eigner von Concord bekommt 33 Prozent plus einmalig 1,16 Milliarden Dollar in bar. "Sie können davon ausgehen, dass der Unternehmenswert im zweistelligen Milliarden-Bereich liegt", betonte Rabe.
Bertelsmann hat bisher vor allem drei große Säulen: Medien mit Penguin Random House als weltgrößtem Verlag und der TV-Tochter RTL, Dienstleistungen mit Arvato und die Bildungssparte. Hier würde die Musiktochter unter dem Namen BMG aufschließen.
"Das neue Unternehmen wird 2026 einen Pro-Forma-Jahresumsatz von 2,2 Milliarden Dollar und ein Ebitda von 730 Millionen Dollar erzielen", sagte Rabe. "Das Musik-Geschäft ist überdurchschnittlich profitabel - bei einer Ebitda-Marge von rund 33 Prozent." Das werde dank Synergien weiter steigen. "Wir wollen mittelfristig 1,2 Milliarden Dollar Gewinn machen - und organisch und über Zukäufe wachsen."
Bei Deals zu Musikrechten und Musikfirmen komme man derzeit auf sogenannte Multiples vom 15- bis 20-Fachen des Gewinns, sagte Rabe. Legt man hier die Mitte dieser Spanne an, käme man auf einen Unternehmenswert von 12 bis 13 Milliarden Dollar. Rabe kommentierte diese Berechnung nicht, sagte dazu nur: "Das ist schon eine Hausnummer."
Vorige Woche hatte die EU-Kommission bereits grünes Licht für die Übernahme des Bezahlsenders Sky Deutschland durch die Bertelsmann-Tochter RTL gegeben. "Das sind gute Perspektiven für Thomas Coesfeld, der einen fantastischen Start als CEO hinlegen kann", sagte Rabe, der seit 2012 Bertelsmann leitet. Coesfeld übernimmt im Januar 2027 den Vorstandsvorsitz im Konzern und ist damit der erste Chef aus dem Kreis der Bertelsmann-Familie seit 1981. Der 36-Jährige und bisherige BMG-Chef wird Chairman von BMG, das künftig von Concord-Chef Bob Valentine geführt wird.