Wirtschaft

Minuszinsen sorgen für Unruhe Bestraft die EZB Banken und Sparer?

Parken verboten.jpg

Banken parken jede Menge "Billig-Geld" bei der Notenbank statt es in den Geldkreislauf zu pumpen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Geld ist für Banken billig wie nie, doch es kommt oft nicht dort an, wo es hin soll. Statt Kredite an Verbraucher und Unternehmen zu geben, horten Banken Geld bei der Notenbank. Nun drohen "Strafzinsen" der EZB - zum Leidwesen eifriger Sparer.

Niedrige Inflation, starker Euro, schwache Kreditvergabe - die Lage im Euroraum bleibt angespannt. Europas Währungshüter sind zum Handeln bereit. Schon im Juni könnte die Europäische Zentralbank (EZB) weitere Schritte beschließen - unter anderem Strafzinsen für Banken, die Geld bei der Notenbank parken.

Um welchen Zins geht es?

Um den Zins für Bankeinlagen bei der EZB (deposit facility). Diesen bekommen Banken normalerweise auf überschüssiges Geld gutgeschrieben, das sie bei der Zentralbank parken. In der Krise senkten die Währungshüter diesen Zins auf null Prozent. Geschäftsbanken verdienen also nichts mehr damit, wenn sie Geld bei der EZB anlegen. Senkt die EZB den Einlagenzins unter Null, würde sie den Banken de facto einen Strafzins aufbrummen, wenn diese Geld bei ihr horten.

Was soll ein solcher Negativzins bezwecken?

Banken sollen überschüssige Liquidität nicht bei der EZB parken, sondern das Geld in Form von Krediten an Verbraucher und Unternehmen weiterreichen. Diese könnten dann investieren und so der Konjunktur insgesamt auf die Sprünge helfen. Von einer solchen positiven Wirkung ist auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann überzeugt. Er sagte vor einigen Tagen der "Süddeutschen Zeitung": "Wenn Banken Zinsen dafür zahlen müssen, dass sie ihr Geld beim Eurosystem parken, dann könnte das unter anderem den Geldmarkt zwischen den Banken beleben und damit auch die Kreditvergabe an Unternehmen anregen."

Warum erwägen die Währungshüter einen solchen Schritt?

Bislang kommt das extrem billige Zentralbankgeld nicht in dem Maße in der realen Wirtschaft an, wie es die Notenbanker gerne hätten. Bei der EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra verwies EZB-Präsident Mario Draghi auf anhaltende Engpässe bei der Kreditvergabe in einigen Eurostaaten. Das bremse die wirtschaftliche Erholung. Lassen sich Banken durch Strafzinsen zu mehr Kreditvergabe zwingen? Das ist umstritten. Manche Volkswirte meinen, Banken könnten in einem solchen Fall einfach Bargeld horten. Womöglich reduzieren Institute auch ihre Vorräte an flüssigem Geld und hätten dann dünnere Puffer.

Was könnte ein Strafzins auf EZB-Einlagen für Sparer bedeuten?

Ökonomen befürchten, dass Banken den Strafzins auf ihre Kunden abwälzen. Diese abschreckende Erfahrung wurde in Dänemark gemacht. Statt mehr Kredite zu vergeben und die Finanzierungskosten für Unternehmen zu senken, gaben dänische Banken die zusätzlichen Kosten der Strafgebühr zum Teil an Kreditkunden weiter. Im Euroraum könnten Anleger noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden, die ohnehin schon gebeutelt sind, weil die EZB das Zinsniveau auf ein Rekordtief gedrückt hat. Als die US-Notenbank Fed ähnliche Schritte erwog, drohten die dortigen Banken umgehend, die Kontogebühren anzuheben.

Wie wahrscheinlich sind im Euroraum Strafgebühren für Banken?

Ein negativer Einlagenzins wäre für die EZB Neuland. Noch im Sommer 2013 gab es dagegen mehrheitlich Bedenken im Führungsgremium der Notenbank. Zuletzt jedoch bereiteten führende Zentralbanker die Märkte auf einen solchen Schritt vor. "Negative Einlagenzinsen sind ein möglicher Teil einer Kombination von Maßnahmen", sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet Mitte Mai der "Zeit". Kurz vor der Tagung in Sintra bekräftigte EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré in der polnischen "Gazeta Wyborcza": "Negative Einlagenzinsen sind eines der Instrumente, die uns zur Verfügung stehen." Wichtig ist den Währungshütern, dass der Abstand zwischen Leitzins und Einlagenzins nicht zu eng wird. Am 5. Juni entscheidet der EZB-Rat.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa