Wirtschaft

Abgezockt mit der "Chef-Masche"? Betrüger stehlen Leoni 40 Millionen Euro

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IT-Infrastruktur sowie Datensicherheit seien von dem Übergriff nicht betroffen, teilte Leoni mit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das MDax-Unternehmen Leoni ist Opfer von Betrügern geworden. Rund 40 Millionen Euro sollen auf Konten im Ausland übertragen worden sein, wie das Unternehmen mitteilte. Das Jahresergebnis könnte davon beeinflusst werden - Anleger gehen in Deckung.

Betrüger sollen die Leoni AG aus Nürnberg um rund 40 Millionen Euro erleichtert haben. Wie der auf Kabel und Bordnetze spezialisierte Autozulieferer in einer Ad-hoc-Mitteilung schrieb, sollen bei dem Betrug unter "Verwendung gefälschter Dokumente und Identitäten sowie Nutzung elektronischer Kommunikationswege" Gelder auf Konten ins Ausland abgezogen worden sein. Bereits am vergangenen Freitag sei der Betrug bemerkt worden.

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Das Vorgehen der Täter ähnelt dem "Chef-Betrug" ("CEO-Fraud"), bei der Unbekannte bereits in den vergangenen Monaten andere Unternehmen um große Beträge erleichtert hatten.

Ein Sprecher wollte sich auf Nachfrage wegen laufender Ermittlungen nicht zu weiteren Details äußern. Aus dem Firmenumfeld hieß es, jemand habe sich gegenüber Mitarbeitern des Hauses als Leoni-Mitarbeiter ausgegeben und behauptet, "besondere Befugnisse zu haben". Auf diese Weise habe er "bestimmte Geschäftsvorgänge vorbereiten" lassen. Das Besondere sei dabei nicht das Vorgehen der Betrüger an sich, "sondern die Höhe des Schadens", hieß es.

Aktienkurs bricht ein

Noch nicht abgeschätzt werden könne, inwieweit der Schaden das angepeilte Jahresergebnis beeinflusse, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens weiter. An der Börse reagierten Leoni-Anleger verschreckt: Der Kurs der im Nebenwerteindex MDax gehandelten Aktie brach mit der Nachricht ein und verlor mehr als 7 Prozent auf 32,94 Euro.

Das operative Geschäft von Leoni laufe jedoch prognosekonform, versicherte das Unternehmen. Auch sei noch ausreichend Geld flüssig vorhanden: "Die Liquiditätslage des Leoni-Konzerns ist nicht wesentlich beeinträchtigt". Das Unternehmen habe bereits Anzeige erstattet. Die Vorfälle würden untersucht, der Vorstand prüfe zudem Schadenersatz- und Versicherungsansprüche.

Steckt weltweit operierendes kriminelles Netzwerk dahinter?

Bei dem "Chef-Betrug" handelt es sich um eine Weiterentwicklung des berüchtigten Enkeltricks: Es meldet sich der vermeintliche Chef oder Finanzchef des Unternehmens - über eine gefälschte E-Mail-Adresse - beim Buchhalter und drängt zur Eile: Für wichtige Transaktionen müsse dringend Geld überwiesen werden. Der Mitarbeiter wird zu "strikter Geheimhaltung" verpflichtet. Dies und vorbereitete Zahlungsaufträge mit der notwendigen - aber gefälschten - zweiten Unterschrift setzen die Kontrollmechanismen außer Kraft: So landen große Geldsummen auf ausländischen Konten.

Die Masche tauchte vor etwa zwei Jahren zuerst in der Schweiz und im französischsprachigen Europa auf. Hinter dem Betrug soll ein weltweit operierendes Netzwerk der Organisierten Kriminalität stecken. Das FBI bezifferte den weltweiten Schaden auf 3,1 Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro) in 100 Staaten. Dem Bundeskriminalamt wurden seit 2013 bundesweit rund 60 Betrugsfälle mit einem Gesamtschaden von 106 Millionen Euro bekannt. Der tatsächliche Schaden könne aber höher liegen, weil es dazu keine Statistik mit Meldepflicht gebe.

Nach Erkenntnissen der Ermittler sind die Betrüger in diesen Fällen über das Unternehmen bestens im Bilde und bereiten sich wochenlang vor. Betroffen sind demnach Großkonzerne und Mittelständler. Besonders anfällig seien patriarchalisch-autoritär geführte Unternehmen, in denen Zweifel und Widerspruch nicht erwünscht sind.

Quelle: ntv.de, kst/dpa