Wirtschaft

Amerikaner kaufen Gewehre Bidens Vorsprung beflügelt Waffen-Aktien

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Shoppen auf amerikanisch: Welches Gewehr hätten Sie denn gern?

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

An den US-Börsen gehen die Kurse der Aktien von Waffenherstellern regelrecht durch die Decke. Nach Angaben von Smith & Wesson kann die Branche die Nachfrage nach Gewehren und Pistolen kaum befriedigen.

Der Umfragenvorsprung von Joe Biden auf Donald Trump steigt kurz vor der Präsidentschaftswahl - und die Kurse der US-Waffenhersteller klettern mit. Viele Anleger gehen offensichtlich davon aus, dass bei einem Machtwechsel im Weißen Haus mehr Gewehre, Revolver und Pistolen verkauft werden und die Aktien von Firmen wie Smith & Wesson oder Sturm Ruger noch weiter nach oben gehen.

Schon in den vergangenen Monaten haben sich Investitionen in Aktien von Waffenfirmen ausgezahlt. Während der S&P 500 seit Monatsbeginn 3,6 Prozent zugelegt hat, kommt Smith&Wesson auf ein Plus von 8,1 Prozent, Sturm Ruger sogar auf 9,5 Prozent. Noch deutlicher sieht es aus, wenn man die Zeit seit Jahresanfang in den Blick nimmt: 2020 kommt der S&P auf plus 7,8 Prozent - Smith & Wesson auf 135,4 Prozent, Sturm Ruger auf 51,1 Prozent.

Viele Amerikaner haben sich in den vergangenen Monaten mit Waffen eingedeckt. Dazu können die teilweise gewalttätigen Proteste nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in Polizeigewahrsam beigetragen haben sowie die Furcht, ein knappes Ergebnis der Präsidentenwahl am 3. November könnte im Chaos enden. Erst vergangenen Monat sagte der Chef von Smith & Wesson, seine Branche komme der Nachfrage kaum hinterher.

Biden will stärkere Kontrolle

Biden und seine Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin, Kamala Harris, treten für schärfere Waffengesetze ein - und kurzfristig dürfte das die Nachfrage weiter steigern. "Sollten wir eine Regierung von Biden und Harris bekommen, würde ich einen Anstieg bei den Verkäufen moderner Sportgewehre, großer Magazine und entsprechender Munition erwarten", sagte Aegis-Capital-Analyst Rommel Dionisio und meinte damit auch Schnellfeuergewehre, die militärischen Waffen ähneln und besonders hohe Gewinnmargen versprechen.

Analysten schauen dabei auf die Erfahrungen in der Ära des Demokraten Barack Obama - der ebenfalls für eine stärkere Regulierung von Waffen eintrat. Nach Obamas Wahl zum Präsidenten 2008 bis zur Wahl Donald Trumps 2016 stiegen die Aktien von Sturm Ruger um fast 900 Prozent, das Plus des S&P von 113 Prozent sieht im Vergleich dazu mickrig aus. Biden, Vizepräsident unter Obama, schlägt ein Verkaufsverbot für Schnellfeuerwaffen und die dazugehörigen Magazine vor, ähnlich der Regelungen, die bis 2004 galten. Wer ein derartiges Gewehr schon besitzt, soll das entweder an die Regierung abgeben oder zumindest registrieren.

Die Jahre unter Präsident Trump haben sich für die Waffen-Aktionäre dagegen kaum gelohnt. Die Sturm Ruger-Titel etwa schafften seit 2016 gerade einmal ein Plus von 16,5 Prozent, viel weniger als die 66 Prozent beim S&P. Die Republikaner stehen traditionell der mächtigen US-Waffenlobby nahe, und Waffenliebhaber haben unter ihrer Regierung keine Angst, dass der Zugang zu Gewehren und Pistolen eingeschränkt wird.

Quelle: ntv.de, jga/rts