Gesünderer Lebensstil als GrundBierabsatz in Deutschland sinkt auf Rekordtief

Dem Klischee nach ist Deutschland eine Biertrinkernation. Doch dieser Eindruck scheint zu schwinden. Der Bierkonsum geht seit Jahren zurück - und sinkt nun auf einen historischen Tiefstwert. Dass die Deutschen gesünder leben wollen, ist nur ein Teil der Begründung.
Die deutschen Brauereien haben im vergangenen Jahr noch einmal deutlich weniger Bier abgesetzt als in den Jahren zuvor. Die Menge ging um den Rekordwert von 6,0 Prozent (497,1 Millionen Liter) auf rund 7,8 Milliarden Liter zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das war die kleinste Menge seit Einführung der Statistik im Jahr 1993. Selbst in den Corona-Jahren 2020 und 2021 setzten die Betriebe noch deutlich mehr Bier ab.
Erstmals fiel der Bierabsatz unter acht Milliarden Liter. Damit setzte sich der langfristig rückläufige Trend beim Bierabsatz fort: So setzten die Brauereien und Bierlager 2025 insgesamt 18,9 Prozent oder 1,8 Milliarden Liter weniger Gerstensaft ab als im Jahr 2015.
In der Steuerstatistik sind alkoholfreie Biere und Malztrunk nicht enthalten. Auch werden Importe aus Nicht-EU-Staaten nicht berücksichtigt. Der Brauer-Bund betonte, alkoholfreie Biere seien die am schnellsten wachsende Sorte auf dem deutschen Biermarkt. Alkoholfreie Biere und Biermischgetränke überschritten demnach 2025 beim Umsatz im Handel erstmals die Zehn-Prozent-Marke, "beim Marktanteil könnte diese Schwelle noch in diesem Jahr erreicht werden".
Jedes zweite Bier ist ein Pils
Das Alkoholfreie habe aktuell einen Marktanteil von 9,5 Prozent, so der Brauer-Bund. "Unangefochtener Marktführer" bleibe Pils mit knapp 50 Prozent Marktanteil. Auf Platz zwei mit etwa zwölf Prozent lag die Kategorie der Hellbiere.
Der Bierabsatz in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Gründe sind ein gesünderer Lebensstil ohne Alkohol, geänderte Trinkgewohnheiten und allgemein die Alterung der Gesellschaft.
Der Deutsche Brauerbund (DBB) beklagt zudem aktuell das schlechte Konsumklima. "Die Brauereien bekommen ähnlich wie Handel und Gaststätten die massive Konsumzurückhaltung der Verbraucher zu spüren", sagte DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Die Situation der Gastronomie sei weiterhin besorgniserregend, viele Betriebe hätten sich seit der Pandemie nicht erholt.
Der Löwenanteil von 82,5 Prozent des Bieres wurde im Inland verkauft. Hier betrug der mengenmäßige Rückgang 5,8 Prozent. Die restlichen 17,5 Prozent wurden nicht versteuert, weil sie in den Export gegangen sind oder als sogenannter Haustrunk an die Beschäftigten der Brauereien gegeben wurden. In diesem Bereich ging die Menge im Vergleich zum Vorjahr rund 7,0 Prozent zurück.