Wirtschaft

Teilrückzug bei Tesla Börsenaufsicht entmachtet Elon Musk

Wechsel an der Spitze von Tesla: Auf Druck der mächtigen US-Börsenaufsicht muss Elon Musk seinen Posten im Aufsichtsrat des E-Autobauers aufgeben. Mit einer einzelnen Twitter-Botschaft handelt sich der umtriebige Milliardär zudem eine kostspielige Geldstrafe ein.

Der Chef und Mitgründer des Elektroautopioniers Tesla, Elon Musk, verliert an der Konzernspitze an Einfluss. Wie die US-Börsenaufsicht SEC mitteilte, stimmte Musk einer Vereinbarung zu, der zufolge er als Vorsitzender des einflussreichen Verwaltungsrats zurücktritt. Zudem müssen das Unternehmen und Musk jeweils 20 Millionen Dollar (17 Millionen Euro) Geldbuße zahlen. Die insgesamt 40 Millionen Dollar würden an geschädigte Investoren ausgezahlt. Tesla werde außerdem "zusätzliche Kontrollen und Prozesse" einführen, um Musks Kommunikation zu beaufsichtigen.

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Umtriebiger Visionär: US-Milliardär Elon Musk leitet neben Tesla unter anderem auch den erfolgreichen Raketenbauer Space X.

(Foto: REUTERS)

Musk und Tesla hätten einer entsprechenden Einigung im Streit um Vorwürfe des Aktienbetrugs zugestimmt, hieß es, ohne dass der Unternehmer eine Schuld einräumen oder bestreiten muss. Auf Anweisung der SEC muss Tesla zudem künftig zwei unabhängige Direktoren in den Verwaltungsrat berufen. Seinen Posten als Konzernchef (CEO) von Tesla kann Musk jedoch weiterhin behalten. Für die Dauer von drei Jahren darf er aber nicht erneut zum Aufsichtsratschef gewählt werden.

Die nun erzielte Vereinbarung müsse noch gerichtlich genehmigt werden, erklärte die SEC. Das Abkommen sei "im besten Interesse unserer Märkte und unserer Investoren, einschließlich der Anteilseigner von Tesla", erklärte der SEC-Vorsitzende Jay Clayton. Wenn Unternehmen und Branchen-Investoren Erklärungen abgäben, müssten sie "sich auf verantwortungsvolle Weise verhalten", betonte er mit Blick auf die Affäre um Musks Tweet.

Tesla Motors (USD)
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Der Verwaltungsrat in US-Unternehmen hat ähnliche Kontrollfunktionen wie die Aufsichtsräte in Deutschland, bestimmt aber auch stark die Strategie mit. Die US-Börsenaufsicht hatte in der zurückliegenden Woche offiziell ein Verfahren gegen Musk eingeleitet. Die Aufseher warfen ihm vor, mit seiner umstrittenen Twitter-Botschaft von Anfang August Anleger bewusst in die Irre geführt zu haben. Die SEC pochte darauf, den Einfluss Musks bei Tesla zu beschneiden. Mit der Abmachung entgeht Musk einer schwereren Bestrafung: laut der Börsenaufsicht drohte ihm ein komplettes Verbot, im Vorstand von börsennotierten Unternehmen zu arbeiten.

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An der Börse sorgte schon die Ankündigung für Aufsehen: Der Aktienkurs des Unternehmens brach im Freitagshandel daraufhin um knapp 14 Prozent ein. Zuletzt kosteten die an der Nasdaq notierten Aktien 264,77 Dollar. Am letzten Handelstag vor dem Wochenende büßten Tesla-Aktionäre fast 43 Dollar je Anteilsschein ein.

Wirbel um angeblichen Börsenabschied

Stein des Anstoßes war eine offenbar unbedachte Twitter-Botschaft, die Elon Musk Anfang August veröffentlichte: Darin hatte Musk kurz und knapp erklärt, dass er einen Rückzug des Elektroautobauers von der Börse ins Auge fasse und die Finanzierung dafür "gesichert" sei.

An den Aktienmärkten sorgte die unkonventionelle Ankündigung für erhebliches Aufsehen. In ersten Reaktionen legte die Tesla-Aktie um fast elf Prozent zu, woraufhin die New Yorker Börse den Handel mit den Papieren zeitweise aussetzte. Neben dem Ärger mit der Börsenaufsicht drohen dem Milliardär auch juristische Konsequenzen. Das US-Justizministerium hat eigene Ermittlungen in dem Fall eingeleitet.

Ende August machte Musk dann einen Rückzieher: Hatte er zuvor noch argumentiert, dass die Unabhängigkeit des Unternehmens von der Gunst der Börsenanleger gut für Tesla sei, kündigte er in einem Blog-Eintrag an, der Verbleib an der Börse sei doch der "bessere Weg für Tesla".

Kurz darauf stellte sich heraus, dass die angeblich gesicherte Finanzierung aus den Töpfen des saudischen Staatsfonds in ein ganz anderes Projekt flossen: Die potenziellen Geldgeber Musks investierten die erhoffte Milliarde stattdessen in den aufstrebenden Tesla-Rivalen Lucid.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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