Wirtschaft

20-facher Vorkrisenwert Börsenpreise für Strom und Gas steigen auf Fabelniveau

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Der europäische Energiemarkt erlebt eine nie dagewesene Krise.

(Foto: picture alliance / Panama Pictures)

Die Großhandelspreise für Strom und Gas klettern schon seit Monaten von einem Rekord zum nächsten. Nun sind sie noch einmal förmlich explodiert: auf ein Niveau, das vor der aktuellen Krise kaum vorstellbar war.

Seit Wochen schon überspringt der als Messlatte für den deutschen und europäischen Strommarkt geltende Future-Preis für eine Megawattstunde einen Rekordwert nach dem anderen: im vergangenen Monat die 400 Euro-Marke, letzte Woche zum ersten Mal 500 Euro und heute mit einem Anstieg von mehr als 25 Prozent innerhalb weniger Stunden die Marke von 600 und dann 700 Euro. Das ist der größte Anstieg, der je innerhalb eines Tages verzeichnet wurde. Zum Vergleich: Bevor der Preis 2021 seinen steilen Anstieg begann, pendelte er in den Vorjahren um die 50 Euro. Bei dem Future-Preis handelt es sich um den Preis für die Lieferung einer Megawattstunde Strom im jeweils kommenden Jahr.

Auch der bereits seit Monaten auf Rekordniveau befindliche Börsen-Preis für Gas stieg noch einmal um zeitweise mehr als 20 Prozent und näherte sich der 300 Euro-Marke. Das entspricht nahezu einer Verfünffachung seit Jahresbeginn und etwa dem 20-fachen des langjährigen Durchschnittspreises zu Beginn des dramatischen Anstiegs im vergangenen Jahr.

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Auslöser der jüngsten Preisexplosion war offenbar die Nachricht vom vergangenen Freitag, dass Gazprom die bereits stark reduzierten Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 erneut für drei Tage komplett stoppen werde. Als offiziellen Grund nannte der russische Exportmonopolist weitere notwendige Wartungsarbeiten. Die Mitteilung schürt jedoch Sorgen, dass das russische Gas bald ganz ausbleiben könnte. Dies, so die Befürchtung, könnte weitere Sparanstrengungen notwendig machen und Deutschland in eine tiefe Wirtschaftskrise stürzen.

Zudem mehren sich die Anzeichen, dass Deutschland nicht nur einen akuten Gasmangel im kommenden Winter zu befürchten hat, sondern auch vor einer Stromkrise steht. Pläne, die extrem teuer gewordene Verstromung von Gas durch eine Nutzung zusätzlicher Kohlekraftwerke zu ersetzen, sind ins Stocken geraten. Zudem erleben auch mit dem deutschen Strommarkt verbundene Nachbarländer eine ungewöhnliche Stromknappheit. So sind in Frankreich derzeit aufgrund technischer Probleme und des dramatischen Niedrigwassers in vielen Flüssen nur etwa die Hälfte der Atomkraftwerke in Betrieb.

Quelle: ntv.de, mbo

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