Wirtschaft

Vernehmung von Ex-Wirecard-Chef Braun sieht keine Pflichtverletzungen

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Die Staatsanwaltschaft wirft Braun und weiteren Wirecard-Managern gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Bilanzfälschung und Marktmanipulation vor. 

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei seiner Vernehmung vor dem Untersuchungsausschuss verweigert Markus Braun wie erwartet die Aussage. Konkrete Fragen in dem Wirtschaftskrimi bleiben damit unbeantwortet. Ein Statement hat der langjährige Vorstandschef, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, aber parat.

Ex-Wirecard-Chef Markus Braun hat bei seiner Zeugenvernehmung im Untersuchungsausschuss des Bundestages einr Erklärung verlesen und darüber hinaus angekündigt, keine Fragen der Abgeordneten zu beantworten. "Ich berufe mich derzeit auf mein umfassendes Aussageverweigerungsrecht nach Paragraf 22 Absatz 2 des PUAG", sagte Braun in der Erklärung, die er zu Beginn der Sitzung verlas. "Das bedeutet, dass ich Ihnen heute keine weiteren Fragen beantworten werde."

Es gebe ein umfangreiches Ermittlungsverfahren zu dem Fall, sagte der 51-jährige Österreicher in Berlin. Er vertraue auf die Unabhängigkeit und Objektivität der Justiz, in dem Fall der Münchner Staatsanwaltschaft, die den Fall aufklären werde. Der langjährige Vorstandschef, der in Augsburg in Untersuchungshaft sitzt, ergänzte, er habe sich zwar bislang noch nicht gegenüber der Staatsanwaltschaft geäußert. Er habe aber seine Kooperationsbereitschaft signalisiert.

Braun sprach unter anderem von "veruntreuten Unternehmensgeldern". Genauere Angaben etwa zu Geschädigten und Profiteuren wollte er aber nicht machen. Dabei berief er sich auf sein Aussageverweigerungsrecht und kündigte an, er wolle sich "zeitnah" gegenüber der Staatsanwaltschaft äußern. Er wäre "schon morgen" bereit, eine Aussage zu machen.

"Kein unlauteres Verhalten von Aufsicht und Politik"

Bei der politischen Aufarbeitung des milliardenschweren Wirecard-Bilanzskandals lehnte der ehemalige Wirecard-Chef jede Hilfe ab. Allerdings sagte er, Aufsichtsbehörden und Wirtschaftsprüfer hätten aus seiner Sicht keine Fehler gemacht.

Pflichtverletzungen von Politik und Aufsichtsbehörden habe er nicht bemerkt. Er habe zu "keiner Zeit Feststellungen getroffen oder Hinweise darauf erhalten, dass sich Behörden, Aufsichtsstellen oder Politiker nicht korrekt, pflichtwidrig oder in irgendeiner Form unlauter verhalten hätten", sagte er. "Das gilt auch für den Aufsichtsrat als Kontrollorgan und die Wirtschaftsprüfer, die im Rahmen der Abschlussprüfungen offenbar massiv getäuscht wurden. Vor diesem Hintergrund ist für mich nicht nachvollziehbar, warum externe Aufsichtsstellen, die viel weiter weg sind, hier Versäumnisse zu verantworten haben sollen."

Brauns Anwälte hatten im Vorfeld beantragt, dass der Wirtschaftsinformatiker nur per Video vernommen wird. Der Bundesgerichtshof hatte aber ein persönliches Erscheinen in Berlin im Bundestag verlangt. Braun erschien im Paul-Löbe-Haus im Bundestag in seinem typischen schwarzen Rollkragenpullover und Jackett - aber ohne Handschellen.

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Wirecard ist im Juni nach Bekanntwerden eines milliardenschweren Bilanzskandals in die Pleite gerutscht. Die Staatsanwaltschaft wirft Braun und weiteren Wirecard-Managern gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Bilanzfälschung und Marktmanipulation vor. Wirecard soll sich jahrelang mit systematischen Luftbuchungen schöngerechnet und damit Anlegern und Banken Milliardenschäden zugefügt haben. Bei seinem bislang letzten öffentlichen Auftritt hatte Braun das Unternehmen als Opfer eines großangelegten Betrugs dargestellt.

Unter anderem der Finanzaufsicht Bafin und Wirtschaftsprüfern von EY "Ernst & Young" wird vorgeworfen, zu spät die Bilanzunregelmäßigkeiten bei Wirecard entdeckt zu haben. Insgesamt meldeten geprellte Gläubiger beim Insolvenzverwalter 12,5 Milliarden Euro Schaden an. Sie dürften nur einen Bruchteil davon je weitersehen.

Quelle: ntv.de, ddi/rts/DJ