Erholung "wird Monate dauern"Bundesbankchef dämpft Vorfreude wegen Iran-Abkommen

Weder am Ölmarkt noch beim Preisdruck sei so bald mit Entspannung zu rechnen, warnt Bundesbankpräsident Nagel. Auch ein Wirtschaftsvertreter meint, im besten Fall dürfte die Erholung Monate dauern - womöglich Jahre.
Nach dem Rahmenabkommen zwischen Iran und den USA dämpft Bundesbankpräsident Joachim Nagel die Hoffnung auf eine schnelle Entspannung bei der Inflation und auf den Ölmärkten. Nun zeichne sich ein Waffenstillstand und eine Öffnung der Straße von Hormus ab, sagte Nagel auf einer Konferenz in Frankfurt. Aber: "Selbst wenn die Meerenge von Hormus demnächst wieder befahrbar sein sollte, wird es Monate dauern, bis sich das Ölangebot wieder normalisiert", sagte Nagel. "Zumal Produktionsstätten in der Region teilweise beschädigt oder außer Betrieb gesetzt wurden und Reserven kleiner werden."
Nagel sagte, der Preisdruck in der Wirtschaft könne zudem nochmals steigen, wenn Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise ausliefen. In Deutschland läuft Ende Juni der Tankrabatt aus. Er hatte die Inflation im Mai gedämpft. Auch in anderen Euroländern gab es Energiehilfen.
Der Iran-Krieg hatte Ende Februar begonnen. Er ließ die Ölpreise hochschnellen, fachte die Inflation in Deutschland und dem Euroraum an und bremste die Wirtschaft. Erst am Freitag hatte die Bundesbank ihre Prognose für die deutsche Wirtschaft gesenkt. Sie erwartet dieses Jahr nur ein Mini-Wachstum von kalenderbereinigt 0,5 Prozent. Erst 2028 soll es wieder spürbar um 1,4 Prozent nach oben gehen.
Weitere Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen
Zugleich schloss Nagel weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht aus. Die EZB hatte vor wenigen Tagen im Kampf gegen die gestiegene Inflation erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen im Euroraum angehoben. "Die Geldpolitik hat es nicht mit einem kurzfristigen Angebotsschock zu tun, durch den wir tatenlos hindurchschauen können", sagte Nagel.
Die anhaltend hohen Energiekosten dürften sich in den kommenden Monaten zunehmend in den Verbraucherpreisen widerspiegeln. "Wir sind entschlossen, die Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation mittelfristig beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert", betonte Nagel mit Blick auf den nächsten EZB-Zinsentscheid im Juli. "Dabei halten wir uns alle Optionen offen."
Auch Christian Küchen vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie rechnet nicht sofort mit sinkenden Spritpreisen. Er sehe in der Einigung zwischen dem Iran und den USA ein "sehr positives Zeichen", sagte Küchen im RTL/ntv Frühstart . "Und wenn wir die Entwicklungen der letzten Wochen und Monate sehen, dann sind positive Zeichen immer auch mit sinkenden Ölpreisen beantwortet worden." Küchen gab allerdings zu bedenken: "Da sind sehr viele Raffinerien, Ölförderanlagen beschädigt worden."
Bis die Produktion wieder normal laufe, könne es Monate dauern, vielleicht Jahre. Küchen rechnet daher weiter mit höheren Preisen als vor der Krise. Er sagte: "Ich gehe weiter davon aus, dass wir im Vergleich zum Vorkrisenniveau noch erhöhte Preise haben werden, weil eben noch Mengen fehlen auf den Weltmärkten. Aber ich glaube, die Preisspitzen haben wir gesehen."