Wirtschaft

Chef der Daimler-Bussparte "Busse haben an Sex-Appeal gewonnen"

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Die Bestellungen legen erst langsam wieder zu.

(Foto: picture alliance / Marijan Murat)

Die Corona-Krise trifft auch die Bus-Hersteller hart. "Wir haben eine gewisse Achterbahnfahrt hinter uns", sagt Till Oberwörder, Chef von Daimler Buses. Im Podcast "Die Stunde Null" blickt er dennoch zuversichtlich in die Zukunft.

Bis Corona kam, schien es ein lukrativer Markt zu sein: Busse wurden in den vergangenen Jahren im großen Stil bestellt. Im Reiseverkehr, weil neue Anbieter der Bahn Konkurrenz machten. In den Städten, weil diese in den Nahverkehr investierten und auf sparsamere Antriebe umstellten. Auch die Bussparte von Daimler profitierte von diesem Trend, 2019 wuchs der Absatz noch um sechs Prozent auf 32.600 Fahrzeuge.

Nun steht die Branche vor einem Loch, zumal die zweite Corona-Welle erst noch kommt. "Insgesamt ist der Markt rund 50 Prozent nach unten gegangen", sagt Till Oberwörder, Chef von Daimler Buses, im Podcast "Die Stunde Null" ("Capital", ntv, "Stern"). Im zweiten Quartal war der Absatz der Bussparte um 63 Prozent eingebrochen. "Wir haben eine gewisse Achterbahnfahrt hinter uns." Vor allem bei Reisebussen sind die Bestellungen eingebrochen. Immerhin: Die öffentliche Hand schreibt weiter Aufträge für Linienbusse aus.

Es gibt allerdings ein Problem. Viele Menschen fürchten die Gefahr durch das Virus und meiden Busfahrten. Hersteller wie Daimler feilen deshalb an technischen Ideen und rüsten die Busse um. So werden Aktivfilter in der Belüftung eingebaut, sensorgesteuerte Spender liefern Desinfektionsmittel und Trennscheiben schützen die Fahrer. Oberwörders Botschaft: Busfahren ist sicher.

Zudem glaubt der Chef der Daimler-Sparte, dass Busse ohnehin sicherer sind als geschlossene Räume wie Büros: "Beim Linienbus öffnet sich im Abstand von ein paar Hundert Metern die Tür zum Ein- und Aussteigen und dadurch wird automatisch die Luft ausgetauscht", sagt Oberwörder. Es sind diese Umstände, auf die er seine Hoffnung für die kommenden Monate legt, ebenso der Imagewandel der Busse durch den Ausbau des ÖPNV: "Busse haben ein bisschen Sex-Appeal gewonnen über die Jahre", sagte er. Bessere Fahrzeuge, aber auch neue Antriebstechnologien hätten das Image verändert.

Allerdings wird es für die Bussparte des Autobauers noch ein langer Weg zur Normalität. Viele Mitarbeiter sind nach wie vor in Kurzarbeit, die Bestellungen legen erst langsam wieder zu und die Branche durchläuft einen Umbruch. Derzeit fahre man "auf Sicht", sagt Oberwörder.

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Quelle: ntv.de, jga