Wirtschaft

Verschlankung geplant Chemie-Riese Covestro streicht Stellen

228656955.jpg

Die ehemalige Bayer-Tochter Covestro will 1700 Arbeitsplätze abbauen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Chemie-Branche boomt, trotzdem will der Dax-Konzern Covestro international rund zehn Prozent seiner Stellen streichen. Auch Mitarbeiter an den Standorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen könnten betroffen sein.

Der Chemiekonzern Covestro steht vor einem Stellenabbau. Im Rahmen eines Transformationsprogrammes überprüfe man die weltweiten Aktivitäten daraufhin, ob sie zur Strategie passten und zu einem nachhaltigen Wachstum beitragen, sagte ein Firmensprecher. "In diesem Zusammenhang wird es auch zu personellen Anpassungen kommen." Doppelstrukturen sollen abgeschafft und Abläufe vereinfacht werden. Ersten Schätzwerten zufolge geht es um bis zu 1700 Stellen weltweit und mehr als 900 in Deutschland, die bis Ende 2023 abgebaut werden sollen. Die Zahlen seien aber "absolut nicht in Stein gemeißelt", so der Sprecher.

Covestro
Covestro 56,16

Derzeit hat Covestro weltweit etwa 18.000 Beschäftigte, davon 6500 in Deutschland - und zwar in Leverkusen, Dormagen und Krefeld in NRW sowie in Brunsbüttel und Meppen in Niedersachsen. Bei dem Programm, mit dem die Firma "fit für die Zukunft" gemacht werden soll, wird es Firmenangaben zufolge keine betriebsbedingten Kündigungen geben. "Wir sind mit den Arbeitnehmer-Vertretern im engen Austausch, um eine sozialverträgliche Umsetzung abzustimmen", so eine Covestro-Sprecherin. Der Stellenabbau soll zum Beispiel über Abfindungen erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen sind in einer Betriebsvereinbarung ohnehin bis Ende 2025 ausgeschlossen, diese Vereinbarung soll bis 2028 verlängert werden.

Das heutige Covestro-Geschäft gehörte früher zu Bayer, 2015 wurde es abgespalten und auf eigene Füße gestellt. Nach einem schwachen Corona-Jahr 2020 zogen die Geschäfte des Dax-Konzerns zuletzt an. Im zweiten Halbjahr 2021 kam Covestro bei einem Umsatz von 7,3 Milliarden Euro auf einen Gewinn von 842 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum war es ein kleiner Verlust gewesen (minus 32 Millionen Euro).

Mehr zum Thema

Die Kunststoffe von Covestro werden in zahlreichen Produkten verarbeitet - die weichen Schaumstoffe beispielsweise in Matratzen, Autositzen und Sofas und die harten Schaumstoffe als Isoliermaterial in Kühl- und Gefrierschränken sowie in Häuserfassaden. Andere Substanzen - sogenannte Polycarbonate - werden für Autoscheinwerfer und Handy- oder Laptop-Gehäuse genutzt. Lacke, bei denen Covestro die Grundstoffe liefert, sollen Autos und Möbel kratzfest machen.

Die überraschende Ankündigung von Covestro, fast zehn Prozent seiner Stellen streichen zu wollen, stößt bei Branchen Experten auf Unverständnis. "Bis zur Investorenkonferenz am 28. September dürfte das verunsichern", meinte ein Händler. Denn die Chemiebranche boome, einen Zwang zur Effizienzsteigerung sei nicht erkennbar. Daher dürfte es mit Unternehmensplänen verbunden sein, die eine Neuausrichtung zur Folge habe. Die geplante Verschlankung nahmen die Anleger unterdessen mit Genugtuung auf. Die Aktie verzeichnete am Vormittag ein Plus.

Quelle: ntv.de, tst/dpa/rts/DJ

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.