Wirtschaft

Zu Hause hui, im Ausland pfui China baut im Ausland Kohlekraftwerke

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In China wird nach und nach Abschied von Kohlekraftwerken genommen.

(Foto: imago stock&people)

China gibt viel Geld aus, um seine Wirtschaft unabhängig von der Kohleenergie zu machen. Die Volksrepublik erntet auch dafür viel Lob. Das ist aber nur eine Seite der Medaille - denn China veräußert dafür Dreckschleudern ins Ausland.

Die Kohlepolitik Chinas ist im Kreuzfeuer der Kritik. Während sich Peking im Inland bemüht, die Kohleenergie zu drosseln, verkauft es schmutzige Kohlekraftwerke nach Asien, Afrika und in den Nahen Osten. "China ist weltweit führend bei Investitionen, die seine Wirtschaft schrittweise unabhängig von Kohleenergie machen", sagt Tim Buckley vom US-Forschungsinstitut für Energiewirtschaft IEEFA. "Aber im Ausland investiert China weiter in zahlreiche Kohleprojekte, die in direktem Widerspruch zur nationalen Energiestrategie stehen."

Der Ausstoß von Kohlendioxid dieser von China finanzierten Kraftwerke könne die internationalen Anstrengungen zum Stopp der Erderwärmung torpedieren, heißt es in einer Studie des IEEFA, die in Kürze veröffentlicht wird.

Demnach stehen hinter einem Viertel der Kohlekraftwerke, die derzeit außerhalb der Volksrepublik geplant oder gebaut werden, staatliche chinesische Finanzinstitutionen oder Unternehmen. "Die Gefahr ist, diese Länder an etwas zu binden, was langfristig nicht gut für sie ist und das nicht mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens vereinbar ist", sagt Christine Shearer, Hauptautorin des Berichts.

Viele der Zielländer wie etwa Ägypten, Nigeria, Kenia, der Senegal oder Simbabwe, produzierten bisher keine oder nur ganz wenig Energie aus Kohle. "Das bedeutet, dass sie eine Infrastruktur für den Import von Kohle oder sogar Kohleminen aufbauen müssen", sagt Shearer.

Weltweit 2500 Kohlekraftwerke

Weltweit ist die Kohle für 40 Prozent der klimaschädlichen CO2-Emissionen verantwortlich. Dennoch stecken chinesische Banken und Investoren dem Bericht zufolge 18,5 Milliarden Euro in Kohlekraftwerke für 31 Gigawatt in einem Dutzend Länder. Geplant sind demnach weitere Investitionen in Höhe von 13,2 Milliarden Euro für zusätzliche 71 Gigawatt in 24 Ländern.

Derzeit sind laut der Datenbank Global Coal Plant Tracker knapp 2500 Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von mindestens 30 Megawatt in Betrieb, die zusammen etwa 2000 Gigawatt produzieren können.

"Eine Flut an neuer Kohleinfrastruktur würde unsere Chancen begraben, die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten", sagt Heffa Schücking von der deutschen Umweltorganisation Urgewald. "Die chinesische Regierung muss aufhören, neue Kohlekraftwerke im In- und Ausland zu finanzieren."

Vorwurf der Scheinheiligkeit

Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, muss laut Berechnungen der Uno die Kohleenergie bis Mitte des Jahrhunderts nahezu völlig aus dem Energiemix verschwinden. In China ist der Einsatz von Kohle in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. Im Rest Asiens ist er wegen des wachsenden Energiebedarfs hingegen stark gestiegen. Größter Finanzier der neuen Kohlekraftwerke ist - neben Südkorea und Japan - China.

"Es ist scheinheilig, zu Hause sauber zu machen und dann im Ausland in Kohle zu investieren", sagt Oliver Sartor vom Institut für nachhaltige Entwicklung und internationale Beziehungen in Paris. Dabei hätte China auch eine andere Wahl.

Statt in Kohlekraftwerke solle Peking besser in saubere Energien im Ausland investieren, fordert Laurence Tubiana, französische Verhandlungsführerin bei der UN-Klimakonferenz in Paris 2015. "Chinas dynamischer privater Sektor ist sehr stark bei den erneuerbaren Energien und Elektro-Fahrzeugen. Das wäre eine perfekte Möglichkeit für China, Einfluss im Ausland auszuüben."

Erneuerbare Energien wären langfristig das bessere Export-Geschäft für China, ist Renato Redentor Constantino vom Institut für Klima und nachhaltige Städte in Manila überzeugt. "Ich glaube, sie werden sich für saubere Energie entscheiden - aber nur, wenn andere Länder und die Zivilgesellschaft Druck machen."

Quelle: n-tv.de, Marlowe Hood, AFP

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