Wirtschaft

Hohe Corona-Rechnungen China ist Null-Covid-Kurs wohl zu teuer geworden

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Die nächste Corona-Welle steht China schon bevor.

(Foto: picture alliance/dpa/XinHua)

Abrupt beendet China vor wenigen Wochen seine Null-Covid-Politik. Laut einem Bericht sollen dahinter auch wirtschaftliche Gründe stecken. Das Aufrechterhalten der strikten Maßnahmen kostete offenbar viel Geld.

Die Entscheidung kam plötzlich: Binnen weniger Tage verabschiedete sich China Anfang Dezember von seiner Null-Covid-Politik. Testpflichten, Reisebeschränkungen und Isolationspflichten wurden nach und nach einkassiert. Die schnelle Kehrtwende sorgte bei Beobachtern für ungläubiges Staunen. Was steckte dahinter? Eine mögliche Erklärung ist, dass Null-Covid für China schlicht zu teuer geworden sein könnte.

Zahlen, über die der US-Sender CNN berichtet, deuten darauf hin, dass die Null-Covid-Politik immense Kosten verursacht hat. Entsprechende Daten wurden demnach in der vergangenen Woche von den Regionalregierungen veröffentlicht, als diese ihre Budgetplanungen für das laufende Jahr vorlegten. Laut CNN beinhalten die Auflistungen konkrete Ausgaben der chinesischen Provinzen zur Umsetzung der strikten Politik in den vergangenen Jahren. Dazu gehören Kosten für Massentests, Impfungen und die Umsetzung weiterer Corona-Maßnahmen. Ausgenommen sein sollen die Finanzierung des öffentlichen Gesundheitssystems und die wirtschaftlichen Schäden, die durch geschlossene Fabriken und kollabierte Lieferketten entstanden sind.

Immense Kosten für Null-Covid

Wie viel Chinas Provinzen für das Aufrechterhalten der Null-Covid-Politik gezahlt haben, zeigt das Beispiel Guangdong: Laut CNN gab die bevölkerungsreichste Region seit Anfang 2020 allein für die Corona-Prävention und -Kontrolle umgerechnet rund 20 Milliarden Euro aus. Das sei mehr als ein Drittel des Budgets, das die Provinz normalerweise für Forschung und Entwicklung ausgebe, heißt es. Die Ausgaben hätten sich in den Corona-Jahren immer jeweils um die Hälfte erhöht. Der Höhepunkt sei im vergangenen Jahr erreicht worden: Guangdong soll 2022 insgesamt umgerechnet etwa 9,7 Milliarden Euro ausgegeben haben.

In anderen Provinzen sahen die Rechnungen angeblich ähnlich aus. In der Hauptstadt Peking beispielsweise sollen sich die Kosten im vergangenen Jahr im Vergleich zu denen im ersten Corona-Jahr 2020 mehr als verdoppelt haben. Auch in Schanghai seien die Ausgaben massiv angestiegen, heißt es. Die 26 Millionen Einwohner der Wirtschaftsmetropole verbrachten zwei Monate des vergangenen Jahres im strikten Lockdown. Für den Stadtteil Songjiang, der Fabriken mehrerer Chip-Hersteller beheimatet, wurde das kostspielig: Laut CNN gab der Bezirk im vergangenen Jahr mehr für die Covid-Politik als für den öffentlichen Gesundheitssektor aus, umgerechnet rund 606 Millionen Euro.

Die Corona-Maßnahmen waren für die ohnehin überschuldeten Lokalregierungen eine zusätzliche Belastung. Sie litten bereits unter der Krise auf dem chinesischen Immobilienmarkt. Schon im vergangenen Jahr sollen einige Provinzen damit begonnen haben, aus Geldnot öffentliche Dienste wie Busfahrten zu reduzieren.

Auch sonst schlechte Nachrichten

Zusätzlich zu den Ausgaben für Massentests und Impfungen mussten die Lokalregierungen auch noch die wirtschaftlichen Schäden der Pandemie stemmen. Wie der US-Finanzdienst Bloomberg im August berichtete, erholten sich die Unternehmen in Schanghai nach dem kompletten Lockdown nur langsam. Die Nachfrage etwa in der Gastronomie und dem Einzelhandel hatte auch Monate später noch nicht das Vor-Lockdown-Niveau erreicht.

Die Folgen von Chinas harter Null-Covid-Politik haben auch in der gesamten Wirtschaft Spuren hinterlassen. Laut dem Nationalen Statistikamt hat die Volksrepublik ihr Wachstumsziel im vergangenen Jahr deutlich gerissen. Statt um die eigentlich angepeilten 5,5 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um 3 Prozent. Das erste Corona-Jahr 2020 ausgenommen, war 2022 den Daten zufolge das Jahr mit dem schwächsten Wachstum seit 1976.

Der Kampf gegen das Virus geht unterdessen weiter: Seit dem Fallenlassen von Null-Covid sind in China nach offiziellen Angaben etwa 60.000 Menschen gestorben. Internationale Schätzungen liegen deutlich über diesem Wert. Der Londoner Datenverarbeiter Airfinity geht von rund 350.000 Corona-Toten aus. Die "Washington Post" berichtete über Satellitenbilder, die angeblich zeigen, dass Chinas Krematorien überlastet sind.

Und die nächste Corona-Welle dürfte unmittelbar bevorstehen: Am kommenden Sonntag begeht das Land das chinesische Neujahrsfest. Traditionell wird an diesem Feiertag eine große Reisewelle erwartet. Nur gibt es diesmal keine Beschränkungen mehr, damit könnte sich das Virus nochmals weiter ausbreiten.

Quelle: ntv.de, ses

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