Wirtschaft
Donnerstag, 20. Februar 2014

Der Drache hustet: Chinas Wirtschaft bekommt Probleme

Chinas Wirtschaft wächst zwar mit mehr als 7 Prozent im Jahr. Die jüngsten Konjunkturdaten bereiten aber Kopfzerbrechen. Neue Aufträge und Produktion verlangsamen sich merklich. Ökonomen fordern bereits nach Regierungsmaßnahmen.

Chinas Ökonomie bereitet Sorgen. Die Geschäfte der chinesischen Industrie sind im Februar den zweiten Monat in Folge geschrumpft - und das überraschend stark. Der vorläufige Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC fiel auf 48,3 von 49,5 Punkten im Januar. Das ist der niedrigste Stand seit sieben Monaten. Werte über 50 Zähler deuten auf ein Wachstum des Sektors, Stände darunter auf eine Schrumpfung. Experten raten der Regierung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu neuen Konjunkturmaßnahmen.

"Neue Aufträge und Produktion gingen zurück, was neuerlichen Lagerabbau widerspiegelt", sagte der HSBC-Cheföknom Hongbin Qu. "Der Aufbau deflationären Drucks bedeutet, dass sich der zugrundeliegende Schwung für Produktionswachstum abschwächt. Wir glauben, die Politiker in Peking können und sollten ihre Politik feinabstimmen, um das Wachstum in diesem Jahr auf einem beständigen Tempo zu halten."

Wachstumsdämpfer absehbar

Im Schlussquartal 2013 hatte das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft auf 7,7 Prozent nachgelassen, im dritten Quartal war sie noch um 7,8 Prozent gewachsen. 2013 war Chinas Wirtschaft im zweiten Jahr in Folge mit 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr so langsam wie zuletzt Ende der 90er Jahre gewachsen. Schon 2012 hatte das Wachstum auf dem niedrigsten Stand seit 1999 gelegen.

Solche für Europa unerreichbar anmutenden Zahlen gelten in China als Minimum, um eine Krise am Arbeitsmarkt und soziale Unruhen in dem Milliardenvolk zu vermeiden. Eine Konjunkturabkühlung in China könnte auch die wirtschaftlichen Turbulenzen in den Schwellenländern verschärfen, die zuletzt weltweit an den Börsen für Verunsicherung sorgten.

"Anhaltender Abwärtsdruck"

"Viel schlimmer als erwartet", befand die australische ANZ Bank in einer Analyse der Einkaufsmanagerdaten. Chinas Wachstums bleibe kraftlos und der Schwung verlangsame sich weiter. Wenn die Regierung weiter 7,5 Prozent Wachstum für 2014 anstrebe, müsse sie bis Juni die Konjunktur durch einen neuen Stimulus ankurbeln, was notwendige Strukturmaßnahmen in diesem Jahr weiter hinauszögern werde.

 "Die Erholung in China ist nach unserer Einschätzung nicht nachhaltig. Das Wachstum dürfte sich im ersten Quartal auf 7,5 Prozent ermäßigen", sagte Nomura-Volkswirt Zhiwei Zhang.

"Es gibt einen anhaltenden Abwärtsdruck auf die Wirtschaft", sagte Citigroup-Ökonom Ding Shuang. "Das Wirtschaftswachstum dürfte sich in den nächsten zwei Quartalen auf 7 Prozent abschwächen."

Weitere "Neuausrichtung"?

In letzter Zeit hat sich die Wachstumsdynamik in China merklich abgeschwächt, nicht zuletzt, weil die Regierung wichtige Strukturreformen umsetzt. Im November 2013 hatten die Staatsführer Chinas eine Reihe von Reformzielen enthüllt. Sie wollen die Wirtschaft aus ihrer bisherigen Abhängigkeit von Exporten und großen staatlichen Infrastrukturprojekten befreien und stärker auf den privaten Konsum setzen.

Eine solche Neuausrichtung könnte zwar die chinesische Wirtschaft langfristig stärken, sagen Experten. Kurzfristig schmälert eine solche Reform aber das Wachstum. So schrumpft das Wachstum rasch, wenn etwa veraltete Fabriken geschlossen werden, während neu aufgebaute Dienstleistungsfirmen nur allmählich zum allgemeinen Wirtschaftswachstum beitragen.

Auf der bevorstehenden Jahrestagung des Volkskongresses vom 5. bis 15. März in Peking dürfte Regierungschef Li Keqiang seine Wirtschaftspolitik vorstellen und das neue Wachstumsziel für dieses Jahr vorgeben.

Quelle: n-tv.de