Wirtschaft

"Ein neues Kapitel" Commerzbank will 20 Cent ausschütten

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"Nach langem und intensivem Nachdenken": Commerzbank-Chef Martin Blessing (Archivbild).

(Foto: dpa)

Deutschlands zweitgrößte Bank hinterlässt mit ihrer Zwischenbilanz ratlose Gesichter. Die Zahlen bewegen sich mehr oder weniger im Rahmen der Erwartungen. Stärker wiegt die Personalie an der Spitze - und die Details zur Dividende.

Die Commerzbank hat im dritten Quartal aufgrund einer höheren Steuerbelastungen unter dem Strich etwas weniger verdient als erwartet. Der Überschuss sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 207 Millionen Euro, wie Deutschlands zweitgrößtes Kreditinstitut mitteilte. Analysten hatten mit einem Gewinn auf Niveau des Vorjahreszeitraums gerechnet.

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Im laufenden Geschäft ging es dagegen weiter nach oben. Das operative Ergebnis legte um ein Viertel auf 429 Millionen Euro zu. Dabei profitierte die Bank davon, dass sie weniger Geld für faule Kredite zurücklegen musste.

Dividende angekündigt

Als Stütze erwies sich das Privatkundengeschäft, während das Investmentbanking unter dem schwachen Kapitalmarktumfeld litt. Im Zeitraum der ersten neun Monaten des laufenden Jahres konnte die Commerzbank ein Ergebnis von unter dem Strich 853 Millionen Euro verbuchen. Das sind gut 60 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Aktionäre können sich freuen: Gestützt auf das starke Neunmonatsergebnis sieht sich die in der Finanzkrise teilverstaatlichte Bank auf Kurs zur ersten Dividendenzahlung seit 2008. Der Bankvorstand werde den Aktionären eine Ausschüttung in Höhe von 20 Cent je Aktie vorschlagen, hieß es.

Martin Blessing hört auf

Nicht nur bei der Dividende, sondern auch personell steht die Bank vor dem Beginn eines neuen Kapitels: Wie die Commerzbank am Sonntagnachmittag mitteilte, wird Vorstandschef Martin Blessing seinen in einem Jahr auslaufenden Vertrag nicht verlängern.

Blessing steht seit Mai 2008 an der Spitze der Coba. Wenige Monate später kam die weltweite Finanzkrise mit dem Lehman-Crash voll zum Ausbruch. "Ich habe mich über das Angebot einer Vertragsverlängerung und das mir dadurch entgegengebrachte Vertrauen sehr gefreut", erklärte Blessing. "Trotzdem habe ich mich nach langem und intensivem Nachdenken entschieden, das Angebot nicht anzunehmen."

Noch 15 Prozent in Staatshand

Die Entscheidung sei ihm schwergefallen. Er wolle nach 15 Jahren im Vorstand der Commerzbank, davon die Hälfte als Vorstandschef, "ein neues Kapitel in meinem beruflichen Leben aufschlagen". Kurz nach Blessings Amtsantritt übernahm das Institut die Dresdner Bank und geriet dadurch in der Finanzkrise in eine bedrohliche Schieflage. In zwei Schritten musste die Commerzbank schließlich mit insgesamt 18,2 Milliarden Euro vom Steuerzahler vor dem Aus gerettet werden.

Gut 13 Milliarden Euro sind davon inzwischen zurückgezahlt. Der Bund ist derzeit noch mit rund 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Das Aktienpaket ist an der Börse derzeit etwa 1,8 Milliarden Euro wert. Das bedeutet, dass der Bund noch weit davon entfernt ist, ohne Verlust aus der Commerzbank-Rettung auszusteigen. Zuletzt ging es bei der Commerzbank nach vielen Rückschlägen aber wieder aufwärts.

Coba-Chef Blessing sieht die Bank nach den durchgemachten Krisen inzwischen wieder gut aufgestellt. "Die Commerzbank verfügt heute über ein robustes Geschäftsmodell (...) und eine Kultur, um die uns viele beneiden", sagte er. Tatsächlich ringen Wettbewerber wie etwa die Deutsche Bank mit einer umfangreichen Neuausrichtung, Abschreibungen und hohen Rechtskosten.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/dpa