Wirtschaft

Über eine Milliarde gefordert Cum-Ex-Steuertrickser will Staaten verklagen

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Von Dubai aus arbeitet Shah nach eigenen Angaben als "Unternehmer und Philanthrop".

(Foto: Screenshot Youtube/Sanjay Shah)

Sanjay Shah lässt sich allein vom dänischen Fiskus mehr als 1,5 Milliarden Euro Steuern erstatten, die nie gezahlt wurden. Während anderen Cum-Ex-Tricksern inzwischen der Prozess gemacht wird, geht der britische Hedgefonds-Manager in die Offensive. Er klagt auf gigantischen Schadensersatz.

Von den je nach Lesart besonders gewieften Finanzprofis oder Betrügern, die über Jahre europäische Staatskassen mit Steuertricks um mehr als 55 Milliarden Euro erleichterten, trieb es Sanjay Shah wohl am allerweitesten. Allein vom kleinen Dänemark ließ er sich mithilfe sogenannter Cum-Ex-Geschäfte mehr als 1,5 Milliarden Euro an Dividendensteuern erstatten, die nie gezahlt worden waren. Auch in Deutschland, Luxemburg und anderen Ländern wandte der Gründer und Chef des Hedgefonds "Solo Capital" den Trick an.

Während in Deutschland die Staatsanwaltschaften in Köln und Frankfurt inzwischen die ersten Anklagen gegen einige der Architekten dieser Steuertricks vorgelegt haben, ist ein Prozess gegen den seit Jahren in Dubai lebenden Briten Shah nicht in Sicht. Im Gegenteil: Shah pocht bis heute darauf, nichts Unrechtes getan zu haben, und kündigt gar eine Offensive gegen seine Strafverfolger an. In Kürze will er eine Schadensersatzklage vorlegen, die es in sich hat: "Wir sprechen hier von weit mehr als einer Milliarde Euro", zitiert das "Handelsblatt" Shahs PR-Agenten.

Shahs Drohung führt eindrucksvoll das weitgehende Scheitern der betroffenen Staaten bei ihrem Bemühen vor Augen, die Cum-Ex-Milliarden zurückzuholen. Auf dänisches Betreiben fror ein britisches Gericht Shahs Vermögen zeitweise ein, schloss sogar seinen in London ansässigen Hegdefonds. Die europaweiten Ermittlungen kamen jedoch bis heute nicht entscheidend voran. Eine Anklage ist immer noch nicht absehbbar.

So hat Shah inzwischen wieder Zugriff auf den Großteil seines Vermögens und kann auf der Palmeninsel in Dubai sein Luxusleben fortsetzen. "Dänemark kann einfach nicht mit Geld umgehen", kommentiert sein Sprecher höhnisch die Lage. Er besteht darauf, dass Shah lediglich Schlupflöcher in den Steuergesetzen nutzte, die Dänemark noch später schloss als Deutschland, wo zumindest der ersten Form der Cum-Ex-Deals 2012 ein Riegel vorgeschoben wurde. Darüber hinausgehende Betrugsvorwürfe weißt der Sprecher zurück. Über die moralische Dimension der Geschäfte will er sich erst gar nicht einlassen. "So funktioniert die Finanzwelt nicht", sagt er laut "Handelsblatt".

Im kommenden Monat will Shah nun vor einem britischen Gericht Beweise vorlegen, dass alle seine Geschäfte legal waren. Anschließend werde er die Länder, die gegen ihn ermitteln, auf Schadensersatz dafür verklagen, dass sein Unternehmen zu unrecht geschlossen wurde. Dazu kämen hohe Anwaltskosten. "Jeden Cent" werde Shah sich zurückholen, kündigt sein Sprecher an.

Quelle: n-tv.de, mbo

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