Wirtschaft

Reaktionen auf Corona-Krise DIW-Chef kritisiert "Herdenverhalten"

ad4c30ed5f03b832a00aa137c1670ee5.jpg

Marcel Fratzscher beklagt die wochenlange Ignoranz der Börsen gegenüber dem Coronavirus.

(Foto: dpa)

Marcel Fratzscher ist besorgt wegen des Coronavirus. Der DIW-Chef fürchtet sich aber vor allem vor dem irrationalen Verhalten von Finanzinvestoren, Unternehmen und Konsumenten darauf. Fratzscher illustriert dies mit der aktuellen Entwicklung an den Börsen.

Der Ökonom Marcel Fratzscher hält verbreitetes "Herdenverhalten" für eine der größten Gefahren in der aktuellen Corona-Krise. "Das ist meine große Sorge: Diese Panik, dieses Herdenverhalten von Finanzinvestoren", sagte der Chef des in Berlin ansässigen Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der "Passauer Neuen Presse": "So etwas gibt es auch bei Unternehmen und Konsumenten. Das ist zum Teil sehr irrational." Im schlimmsten Fall könne dies einen Abwärtsstrudel auslösen.

Fratzscher zeigte sich besorgt, dass "Dinge, die wir in China sehen, nämlich Verhaltensänderungen bei den Konsumenten" bei einer Ausweitung der Krise bald auch in Europa und Deutschland möglich seien. "Dafür gibt es schon erste kleine Anzeichen. Irgendwann könnten Firmen und Verbraucher auf die vielen Unsicherheiten mit Verhaltens- und Nachfrageänderungen reagieren. Dann könnte eine Teufelsspirale drohen, in der Finanzmärkte absacken, die Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren und Verbraucher ihre Nachfrage eindämmen."

Der DIW-Chef illustrierte dies mit der aktuellen Entwicklung an den Börsen: "Über Wochen hinweg gab es dort völlige Ignoranz gegenüber den Folgen des Coronavirus mit einem Rekord nach dem anderen", sagte Fratzscher.

Schwärzeste Handelswoche seit Jahren

Erst vor knapp zwei Wochen hatte beispielsweise der Dax ein Rekordhoch bei 13.795 Punkten erreicht, ungeachtet der fortschreitenden Ausbreitung des Coronavirus. "Und auf einmal sorgt ein Anlass, in diesem Falle Italien, dafür, dass Panik an den Märkten ausbricht und sie in eine entgegengesetzte Richtung gehen."

Nach mehreren Verlusttagen in Folge war der Leitindex am Freitag zeitweise mehr als fünf Prozent abgestürzt und schloss bei nur noch 11.890 Punkten. Mit einem Rutsch um letztlich rund 13 Prozent seit dem vergangenen Freitag erlebten die Anleger die schwärzeste Handelswoche seit vielen Jahren.

Quelle: ntv.de, wne/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen