Wirtschaft

"Zeit der Hochkonjunktur vorbei" DIW senkt Wachstumsprognose

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Die Automobilindustrie hatte im Sommer mit Problemen zu kämpfen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Trotz eines schwachen Sommers sieht das DIW-Institut positiv in die Zukunft. Laut den Ökonomen normalisiert sich das Tempo der deutschen Wirtschaft nach etlichen Jahren des Booms. Allein der Brexit sorgt für Unsicherheit.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft nach unten korrigiert und erwartet nun für 2018 einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,5 Prozent und für 2019 von 1,6 Prozent. Dies sind für dieses Jahr 0,3 Prozentpunkte und für kommendes 0,1 Prozentpunkte weniger als im Herbst von den Berliner Ökonomen erwartet. 2020 soll das Wachstum nach der Prognose des DIW 1,8 Prozent betragen.

"Die Zeiten der Hochkonjunktur in Deutschland sind vorbei", erklärte das Institut. Nach einer bis in das Frühjahr 2018 anhaltenden außerordentlich starken Entwicklung normalisiere sich die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft. Sie werde in diesem Jahr und in den kommenden beiden Jahren aber weiter spürbar wachsen und sich der Normalauslastung nähern.

"Obwohl das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal dieses Jahres sogar erstmals seit langer Zeit gesunken war, ist die Gefahr einer Rezession gering", sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. "Denn der Rückschlag im Sommer hatte seine Ursache vor allem in der Automobilindustrie." Wegen Problemen bei der Zertifizierung nach den neuen Abgas- und Verbrauchsnormen der EU hätten die Hersteller nicht so viele Autos wie gedacht absetzen können und daraufhin ihre Produktion gedrosselt. Die Produktionsausfälle dürften jedoch im Winter zumindest teilweise aufgeholt werden.

Positive Entwicklung dank Bauwirtschaft und Arbeitsmarktlage

Auch einige andere Aspekte sprechen nach der Analyse der Ökonomen für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends der deutschen Wirtschaft, wenn auch in abgeschwächter Form. Das DIW verwies auf eine "brummende Bauwirtschaft" und eine stabile Arbeitsmarktlage. Die Beschäftigung steige ungeachtet der Sonderentwicklungen weiter, was sich "zunehmend in den Portemonnaies" der Beschäftigten bemerkbar mache.

Die Zahl der Arbeitslosen wird nach der Prognose auf 2,341 Millionen in diesem Jahr, 2,170 Millionen im kommenden und 2,049 Millionen im Jahr 2020 sinken. Die Arbeitslosenquote soll auf 5,2 Prozent im Jahr 2018, 4,8 Prozent 2019 und 4,5 Prozent im Jahr 2020 fallen. Einen merklichen Einkommensschub beschere den privaten Haushalten, dass der Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung ab 2019 wieder hälftig von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zu tragen sei. Zudem sinke der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung, Grund- und Kinderfreibeträge würden angehoben, und die Mütterrente steige.

Brexit sorgt für Unsicherheit

Die Unternehmen investierten zwar zunehmend in Maschinen und Anlagen, die ganz große Investitionsoffensive bleibe auch angesichts diverser Unsicherheiten aber aus. "Unter dem Strich deutet viel darauf hin, dass sich das Tempo der deutschen Wirtschaft nach Jahren des überdurchschnittlichen Wachstums normalisiert", erklärte das Institut. Das spiegele sich auch in den öffentlichen Haushalten wider, die nach wie vor mit satten, über die Jahre aber rückläufigen Überschüssen abschließen würden: in diesem Jahr in Höhe von rund 56 Milliarden Euro, im Jahr 2020 dann noch in Höhe von 38 Milliarden Euro.

Derzeit sei das konjunkturelle Bild allerdings "außergewöhnlich unscharf", konstatierten die Experten des DIW. Dazu trage nicht zuletzt die große Unsicherheit über den Fortgang des Brexit bei. Die Ökonomen hielten eine Brexit-Verschiebung oder ein neues Referendum für wahrscheinlicher als einen ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Quelle: n-tv.de, jpe/DJ

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