Wirtschaft

Verkauf von Smart-Werk steht an Daimler muss jetzt richtig sparen

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Daimler will Produktionskapazitäten reduzieren.

(Foto: dpa)

Nach dem Absatzeinbruch in der Corona-Krise muss Daimler-Chef Ola Källenius auf der Hauptversammlung Rede und Antwort stehen. Der Autobauer will seinen Sparkurs drastisch verschärfen. Dafür sollen auch Produktionsstandorte schließen. Den Aktionären bereiten aber nicht nur die Corona-Folgen Sorge.

Daimler-Chef Ola Källenius hat angesichts des Geschäftseinbruchs in der Corona-Krise stärkere Kostensenkungen angekündigt. Die bisherigen Effizienzziele hätten nur die Transformation hin zu Elektroautos abgedeckt, aber keine weltweite Rezession. "Deswegen schärfen wir unseren Kurs nach", erklärte Källenius heute zum Auftakt der virtuell abgehaltenen Hauptversammlung. Der Vorstand habe ein Programm zur Verbesserung der Kostenstruktur verabschiedet, das alle Bereiche des Unternehmens umfasse, ergänzte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff. Neue Zahlen dazu wurden in der Mitteilung nicht genannt.

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Im November hatte der neue Daimler-Chef Pläne vorgestellt, nach denen von 2020 bis 2022 mehr als anderthalb Milliarden Euro eingespart werden sollten. Die Personalkosten sollten durch den Wegfall von mehr als 10.000 der weltweit 300.000 Stellen um 1,4 Milliarden Euro sinken. Im Kampf gegen die Corona-Krise will der Autobauer wegen der geringeren Nachfrage auch Produktionskapazitäten reduzieren. "Die Krise hat uns gezeigt, wir müssen uns fokussieren", erklärte der Finanzchef Harald Wilhelm. Als Beispiel verwies er auf den angekündigten Verkauf des Smart-Werkes im französischen Hambach.

Seither hat die Covid-19-Pandemie die Lage in der Autoindustrie dramatisch verschlechtert. Nach Prognose des Verbandes der Automobilindustrie wird der weltweite Pkw-Absatz in diesem Jahr um 17 Prozent auf knapp 66 Millionen einbrechen.

Chinesischer Markt lässt hoffen

Im ersten Halbjahr sei der Absatz der Pkw-Marke Mercedes-Benz um knapp 19 Prozent auf knapp 870.000 Fahrzeuge gesunken, erklärte Daimler weiter. "Im zweiten Quartal hat Mercedes-Benz bereits wieder etwas Boden gutgemacht", betonte Källenius. In China habe die Marke mit dem Stern von April bis Juni ihren zweitbesten Quartalsabsatz erreicht. "Wir sind vorsichtig optimistisch, dass andere Märkte an diese Entwicklung Schritt für Schritt anknüpfen können", ergänzte der Schwede. Die Verkaufszahl von Mercedes-Benz und Smart sank im zweiten Quartal um 24 Prozent auf 462.000 Fahrzeuge gegenüber dem Vorjahresquartal - in China stieg er um ein Fünftel auf gut 207.000.

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Die Pandemie und das insgesamt schon schwächere Marktumfeld habe bei Lkw in den ersten sechs Monaten zu einem Absatzminus von 38 Prozent auf rund 150.000 Fahrzeuge geführt. Ein Lichtblick sei hier das Anziehen der Auftragseingänge in allen Märkten. Daimler bekräftigte, im zweiten Quartal werde es einen bereinigten operativen Verlust geben bei einem deutlichen Umsatzrückgang. Für das Gesamtjahr gab Källenius weiterhin keine präzisen Prognosen ab. Absatz, Umsatz und das Ergebnis des Konzerns dürften unter Vorjahr liegen, bekräftigte der Daimler-Chef. "Zur Wahrheit gehört auch: Der Weg zum Vorkrisenniveau ist noch lang."

Diesel-Affäre noch lange nicht vom Tisch

Ein Thema auf der Hauptversammlung sind auch die wachsenden Kostenrisiken im Dieselskandal. Im vergangenen Jahr musste der Dax-Konzern rund vier Milliarden Euro für Rückstellungen, Bußgeld und Rückrufkosten deshalb aufwenden. Das Nettoergebnis sackte um fast zwei Drittel auf 2,7 Milliarden Euro ab, nachdem der Gewinn schon 2018 um knapp 30 Prozent gesunken war. Aufsichtsratschef Bischoff erklärte, eine unabhängige Anwaltskanzlei untersuche, ob Vorstandsmitglieder für die Manipulation von Diesel-Abgasen verantwortlich seien. Investmentfonds aus Deutschland kritisierten im Vorfeld des Aktionärstreffens die Diesel-Lasten und ein zu langsames Umstellen auf Elektromobilität. Sie sprachen sich deshalb gegen den Plan aus, den langjährigen Daimler-Chef und Källenius-Vorgänger Dieter Zetsche im kommenden Jahr als Aufsichtsratschef zu installieren.

Quelle: ntv.de, lmw/rts