Wirtschaft

Schwierige Lage bei Zulieferern Autoindustrie warnt vor Stellenabbau

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Der weltweite Einbruch der Pkw-Nachfrage setzt den Autobauern schwer zu

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Automobilverband VDA rechnet mit einer schweren Krise in der Autobranche. Zahlreiche Arbeitsplätze bei deutschen Autobauern und ihren Lieferanten sind betroffen, die bereits vor der Coronakrise Sparprogramme aufgelegt haben.

Die deutsche Automobilindustrie hat angesichts des weltweiten Einbruchs der Pkw-Nachfrage vor einem Verlust von Arbeitsplätzen gewarnt. Die durch das Konjunkturpaket der Bundesregierung erhoffte Erholung der Konjunktur im zweiten Halbjahr werde wahrscheinlich nicht ausreichen, um den Beschäftigungsrückgang aufzuhalten, sagte die Chefin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, bei der im Internet übertragenen Halbjahres-Pressekonferenz des VDA. Die Tatsache, dass viele Beschäftigte derzeit in Kurzarbeit seien, dürfe nicht über die schwierige Lage hinwegtäuschen, in der sich vor allem mittelständische Zulieferer befänden. Wenn es nicht zeitnah wieder zu mehr Beschäftigung komme, drohe eine schwere Rezession mit Arbeitsplatzverlusten, warnte die VDA-Chefin.

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Die großen Autobauer und ihre Lieferanten haben angesichts der im vergangenen Jahr aufziehenden Autokrise bereits vor der Corona-Pandemie Sparprogramme aufgelegt, die mit einem hohen Beschäftigungsabbau einhergehen. Daimler etwa will weltweit mindestens 10.000 Mitarbeiter in der Verwaltung und produktionsnahen Bereichen dazu bewegen, das Unternehmen zu verlassen. Die Zahl könnte nun wegen der Virus-Pandemie deutlich höher ausfallen, wie Medien berichteten. Das Thema dürfte auch auf der Hauptversammlung von Daimler nächste Woche Wellen schlagen.

Zudem will Daimler sein Werk im französischen Hambach verkaufen. Man beabsichtige, die weltweiten Produktionskapazitäten an die zu erwartende Entwicklung des Marktes anzupassen und neu auszurichten, teilte der Konzern mit. "Deswegen beabsichtigen wir, Gespräche über den Verkauf des Werks Hambach aufzunehmen", kündigte Daimler-Chef Ola Källenius an. Der Kleinwagen Smart, der bislang im Werk in Hambach gebaut wird, soll künftig in China produziert werden. Daimler beschäftigt in Hambach rund 1600 Mitarbeiter.

Weltweiter Rückgang der Pkw-Nachfrage um 17 Prozent erwartet

Die ebenfalls vom Diesel-Skandal erschütterte VW-Tochter Audi kündigte unterdessen den Abbau von 9500 Stellen in Deutschland an. BMW hatte sich wegen des Corona-bedingten Absatzrückgangs mit dem Betriebsrat jüngst auf rund 6000 Stellen verständigt, die wegfallen werden sollen. Auch die Zulieferer bauen Zehntausende Arbeitsplätze ab. Bisher wurde das Personal weitgehend über die Nichtbesetzung frei werdender Stellen, Abfindungen und Frühverrentung verringert. Doch inzwischen scheinen auch Entlassungen möglich. Der Zulieferer Continental jedenfalls schließt dies angesichts der Pandemie nicht mehr aus.

VDA-Chefin Müller verwies auf den rasanten Rückgang der Pkw-Nachfrage, der der Branche weltweit schwer zusetzt. "Der Einbruch der Märkte ist in seinem Ausmaß und in seinem globalen Umfang beispiellos", stellte die VDA-Chefin fest. 2020 rechnet der Verband für den Weltmarkt mit einem Minus von 17 Prozent auf knapp 66 Millionen Pkw. Besonders stark werde der Rückgang in Europa mit 24 Prozent sein, gefolgt von den USA mit minus 18 Prozent und China mit minus zehn Prozent. In Deutschland rechnet der Verband der Automobilindustrie damit, dass die Pkw-Neuzulassungen um 23 Prozent auf 2,8 Millionen Einheiten sinken. Den Prognosen liege die Annahme zugrunde, dass es gelinge, die Pandemie einzudämmen.

Auch wenn sich zuletzt ein Silberstreif am Horizont abzeichnete - der Auftragseingang im Inland stieg im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um elf Prozent - so sind doch viele Branchenvertreter skeptisch. Niemand weiß, wie lange die Durststrecke dauert. "Der Weg aus dieser großen Krise wird lang und steinig und er wird wirtschaftliche und soziale Schleifspuren hinterlassen", sagte Müller. Europa brauche daher ein "ambitioniertes Industriepaket", um der darnieder liegenden Branche auf die Beine zu helfen. Die VDA-Chefin bekräftigte die Bereitschaft der Unternehmen zum Klimaschutz, warnte aber vor einem "Überbietungswettbewerb" bei der CO2-Regulierung. Man erwarte, "dass auch die Folgen der Corona-Krise berücksichtigt werden." Europa müsse beweisen, dass Ökonomie und Ökologie zusammen gedacht würden. Wie hoch der Beschäftigungsrückgang am Ende ausfalle, hänge auch davon ab, wie lange die Brücke der Kurzarbeit halte, sagte Müller.

Quelle: ntv.de, rfü/dpa/rts