Wirtschaft

Aus dem Ruder gelaufene KostenDarum geht es bei Trumps neuesten Attacken gegen Powell

12.01.2026, 10:59 Uhr
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Wenn es nach US-Präsident Trump ginge, wäre Fed-Chef Powell längst seinen Job los. Nun erwägt der Republikaner, die Eskalationsspirale weiterzudrehen und ihn strafrechtlich zu verfolgen. Die Aussichten auf Erfolg sind unklar.

Donald Trump gibt nicht auf und will die Fed weiter zu großen Zinssenkungen drängen. Dafür nimmt der US-Präsident erneut deren Chef Jerome Powell ins Visier und erhöht den Druck. Bei seinem jüngsten Angriff wirft er dem 72-Jährigen vor, dass die Kosten für die jahrelange Renovierung zweier historischer Gebäude der Notenbank über die ursprünglichen Schätzungen hinaus gestiegen sind. Die Fakten:

Um welche Gebäude geht es?

Es handelt sich um das sogenannte Eccles-Gebäude, das zwischen 1935 und 1937 als Hauptsitz der Fed errichtet wurde. Außerdem geht es noch um das Gebäude in der Constitution Avenue mit der Hausnummer 1951. Letzteres wurde 1932 für den öffentlichen Gesundheitsdienst der USA fertiggestellt und im Laufe der Jahre für verschiedene Zwecke genutzt, unter anderem im Zweiten Weltkrieg als Sitz der Vereinigten Stabschefs. 2018 wurde es von der ersten Trump-Regierung an die Fed übertragen. Ziel war es, "ein leerstehendes Gebäude wieder einer produktiven Nutzung zuzuführen, der Federal Reserve die Konsolidierung mehrerer Mietverträge zu ermöglichen und Einsparungen für die Steuerzahler zu erzielen". Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

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Das Eccles-Gebäude in Washington. (Foto: imago images/ZUMA Press)

Wie hoch ist die Kostenüberschreitung?

Russell Vought, der Direktor der US-Haushaltsbehörde, bezifferte sie Mitte 2025 auf "700 Millionen Dollar und mehr". Aus dem Haushalt der Fed für das Jahr 2024 geht hervor, dass die geschätzten Kosten des Projekts bei 2,46 Milliarden Dollar lagen, verglichen mit 1,88 Milliarden Dollar im Jahr zuvor. Dies entspricht einer Differenz von 580 Millionen Dollar. Haushaltsdaten der Fed für 2025 liegen noch nicht vor. Aus den Unterlagen geht zudem hervor, dass die Fed die geplante Renovierung eines dritten Gebäudes gestrichen und damit Kosten in Höhe von rund 510 Millionen Dollar eingespart hat.

Warum wurden die Budgets überschritten?

Dies hat im Wesentlichen drei Gründe: höher als veranschlagte Kosten für Arbeit und Material, Planungsänderungen zum Erhalt der historischen Gebäude und ihres Erscheinungsbildes sowie unvorhergesehene Probleme. Zu letzteren zählen eine Bleiverseuchung des Bodens und eine höher als erwartete Asbestbelastung.

Stecken extravagante Umbauten hinter dem Kostenanstieg?

Die fast ein Jahrhundert alten und nie renovierten Gebäude benötigten neue Sanitär-, Elektro-, Heizungs- und Wasserleitungen sowie weitere Infrastruktur. Zudem mussten sie barrierefrei umgebaut werden. Ein Gebäude erhielt ein Untergeschoss und das andere einen Anbau, um Platz für Mitarbeiter zu schaffen, die derzeit in gemieteten Büros untergebracht sind. Einen Aufzug nur für die Notenbank-Gouverneure oder einen VIP-Speisesaal gibt es der Fed zufolge nicht. Ein ursprünglich geplantes Wasserspiel wurde gestrichen. Auch die von Vought behaupteten "Dachterrassen-Gärten" existieren nicht. Ein Gebäude verfügt über eine Rasenfläche im Erdgeschoss, die gleichzeitig das Dach einer Tiefgarage ist und in den Planungsunterlagen als "Gartenterrasse" bezeichnet wird. Die Pläne erwähnen zudem "begrünte Dächer", die der Regenwasserbewirtschaftung und der Energieeffizienz des Gebäudes dienen.

Wer überwacht das Projekt?

Die Fed ist gesetzlich befugt, über ihre Ausgaben für Bauprojekte selbst zu bestimmen. Ihr Generalinspekteur erhält monatliche Berichte über das Projekt, führte 2021 eine Prüfung durch und ist nun mit einer erneuten Überprüfung beauftragt. Die Fed hat sich bei der Planung und Entwicklung des Projekts mit einer Reihe von Planungsbehörden beraten, darunter die Kommission für Schöne Künste und die Nationale Hauptstadt-Planungskommission. Nach eigenen Angaben hat die Fed einige Änderungen an den ursprünglichen Plänen vorgenommen, um Geld zu sparen. Diese Änderungen seien jedoch nicht wesentlich gewesen.

Quelle: ntv.de, rog/rts

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