Wirtschaft

Ist er der Richtige? Der Milliardär, der sich Metro schnappen will

109390399_lay.jpg

Daniel Kretinsky.

(Foto: picture alliance/dpa)

Als richtig sexy gilt der Lebensmittelhandel wirklich nicht. Das ändert allerdings nichts daran, dass ein sehr reicher Tscheche auf den Großhändler Metro steht.

Daniel Kretinsky ist in Deutschland kaum bekannt. Und das, obwohl der Tscheche mit 43 Jahren laut "Forbes" bereits rund 2,3 Milliarden Dollar schwer und hierzulande im Geschäft mit Braunkohle aktiv ist. Doch sein Bekanntheitsgrad dürfte derzeit kräftig steigen, denn Kretinsky will den angeschlagenen Handelsriesen Metro übernehmen.

Von dem Ziel ist Kretinsky zwar noch ein gutes Stück entfernt, doch ist er schon sehr weit gekommen. Der Stand der Dinge: Kretinsky hat mit seinem slowakischen Geschäftspartner Patrik Tkac über die Holding EP Global Commerce Zugriff auf rund 30 Prozent der Anteile der Metro. Nun hat er allen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreitet.

Um bei dem Konzern durchregieren zu können, will er einen sogenannten Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag erreichen. Dafür sind allerdings ausreichend Aktien nötig, der Milliardär dürfte einen Anteil von mindestens 60 Prozent anstreben. Dass ihm das gelingt, ist durchaus wahrscheinlich, aber nicht sicher. Der Metro-Vorstand bezeichnete die Offerte bereits als zu gering und empfahl den Aktionären, das Angebot nicht anzunehmen. Das sehen die Aktionärsvertreter DSW und SDK genauso.

Ob Kretinsky sein Angebot erhöhen wird, das Metro mit rund 5,8 Milliarden Euro bewertet, ist offen. An der Börse wird derzeit nicht damit gerechnet: Der Aktienkurs liegt nur gering über dem vom Investor angebotenen Preis von 16 Euro für jede Stammaktie und 13,80 Euro für jede stimmrechtslose Vorzugsaktie.

Großaktionär will nicht verkaufen

Kretinsky argumentiert: Sein Angebot enthalte eine Prämie von 34,5 Prozent für die Aktionäre - indes nicht auf Basis des aktuellen Aktienkurses. Vielmehr gelte der Aufschlag für die Zeit vor dem Einstieg der EP bei Metro im August vergangenen Jahres. Damals dümpelte die Stammaktie bei Kursen um elf Euro.

Das bedeutet eben auch: Klappt die Übernahme nicht, dann wird der Aktienkurs wohl nach unten rauschen - und den Aktionären wird damit viel Geld entgehen. Durchaus möglich, dass deshalb die meisten Kleinaktionäre zustimmen werden.

Doch zumindest ein Großaktionär ist nicht dabei. Die Stiftung Meridian der Erbenfamilie Schmidt-Ruthenbeck kündigte an, ihren Anteil von rund 14 Prozent grundsätzlich nicht verkaufen zu wollen. Ein weiterer Altaktionär ist die Beisheim Holding, die rund 6,5 Prozent der Anteile hält. Sie hat sich nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, ob sie das Angebot annehmen wird.

Die beiden anderen Großaktionäre sind die Familienholding Haniel und die Elektronikhandelsholding Ceconomy, auf deren Anteile Kerinsky bereits Zugriff hat. Das bedeutet: Selbst wenn sich Meridian und Beisheim quer stellen, kann der Tscheche die Macht bei Metro übernehmen. Beide könnten jedoch etwaige Pläne durchkreuzen, das Unternehmen von der Börse zu nehmen.

"Notwendige Anpassungen"

Dabei ist nicht bekannt, was Kretinsky mit der Metro überhaupt vorhat. Bisher gibt es von seiner Holding nichts Konkretes. EP beabsichtige, Metro "bei der notwendigen Anpassung an das sich entwickelnde Marktumfeld zu unterstützen und so eine erfolgreiche zukünftige Wachstumsstrategie zu ermöglichen", heißt es lediglich. Allerdings versichert der neue Metro-Aktionär, dass er nicht die Absicht habe, "die derzeit bestehenden Metro-Märkte in Deutschland oder anderen Kernmärkten zu schließen oder Arbeitsplätze in größerem Umfang abzubauen". Auch sollen bestehende Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge in Deutschland nicht gekündigt werden.

Metro war 2017 aus der Aufspaltung der Metro Group hervorgegangen, der andere Teil ist Ceconomy als Holdinggesellschaft der Elektronikeinzelhändler Media Markt und Saturn. Das Unternehmen betreibt weltweit rund 770 Großmärkte - davon 103 in Deutschland - und beschäftigt mehr als 150.000 Mitarbeiter. Die zum Verkauf gestellte Kette Real betreibt mit rund 34.000 Mitarbeitern über 270 Supermärkte.

Bei Metro gibt es jede Menge Großbaustellen, der Lebensmittelhändler mit seinen Großmärkten und den Real-Supermärkten steckt mitten in der Sanierung. Im letzten Quartal hatten Abschreibungen auf die Supermarkttochter den Handelskonzern tief ins Minus gedrückt. Metro will diese loswerden und spricht mit einem Konsortium um den Hamburger Immobilienkonzern Redos. Bisher gibt es noch keinen Verkaufsvertrag.

Metro will sich künftig verstärkt auf die Großmärkte konzentrieren, deren Geschäft er mit Dienstleistungen wie der Belieferung von Kunden und durch Digitalisierung ankurbeln will. Doch auch die Großmärkte bergen Probleme: In Russland kämpft Metro mit sinkenden Umsätzen und Erträgen, das China-Geschäft soll verkauft werden.

Braunkohle, eine Gas-Pipeline, Fußball

Ob mit Kretinsky die Wende gelingt? Erfahrung im Einzelhandel hat der Tscheche zwar nicht, doch ist er umtriebig: Begonnen hat er seine Karriere als Wirtschaftsanwalt bei der im Finanz- und Banksektor tätigen J&T-Gruppe. Dort arbeitete er auch mit dem damaligen J&T-Eigner Tkac zusammen, mit dem er nun in Metro-Aktien investiert.

Kretinsky engagierte sich mit J&T auch im Energie-Sektor, daraus entstand der Versorger EPH, dessen Chef und Mehrheitseigner Kretinsky nun ist. EPH wurde 2009 gegründet, die Gruppe expandierte in den folgenden Jahren rasch in Europa. In Deutschland übernahm die Gruppe die Braunkohle-Aktivitäten des Versorgers Vattenfall.

EPH hat aber auch erneuerbare Energien im Portfolio. Die Gruppe investiert zudem in Infrastruktur. Das Unternehmen besitzt knapp die Hälfte der Anteile am Gas-Pipeline-Betreiber Eustream in der Slowakei, der auch russisches Gas in die EU transportiert. Kretinsky kontrolliert 94 Prozent der EPH-Anteile.

Auch abseits des Energie-Sektors ist Kretinsky aktiv. So stieg er 2004 zusammen mit der J&T-Gruppe beim Fußball-Verein Sparta Prag ein und ist dessen Präsident. Zudem ist er an einem Medien-Unternehmen beteiligt, das die tschechische Boulevardzeitung "Blesk" herausbringt.

Quelle: n-tv.de, mit rts/dpa