Wirtschaft
(Foto: imago/Westend61)
Samstag, 09. Dezember 2017

Innovative Lösungen nötig: Der Staat kann von Startups lernen

Ein Gastbeitrag von Mathias Oberndörfer, KPMG

Trotz einer starken Wirtschaft ist auf Verwaltungsebene bei innovativen digitalen Lösungen noch Luft nach oben. Partnerschaften mit Startups können das ändern.

Die Wirtschaft in Deutschland boomt. Die öffentliche Hand bleibt aber mit ihren Investitionen trotz aller Sonderprogramme und Anstrengungen hinter den Erfordernissen zurück. Die Digitalisierung der Verwaltung kommt nicht schnell genug voran, das zeigt auch der aktuelle eGovernment-Monitor. Kurzum: Der Staat muss sich neue Wege suchen, um mit einer sich schnellwandelnden Welt Schritt zu halten. Ein vielversprechender Ansatz sind Partnerschaften mit Start-ups aus der Privatwirtschaft, die am Ende beiden Seiten nützen.

Länder und Kommunen fördern Innovationen im Bereich der privaten Wirtschaft aktiv. Viele Städte in Deutschland unterstützen Start-up-Plattformen, Innovations- und Gründerzentren, wie etwa auf dem Technologiepark Berlin Adlershof oder dem Munich Urban Colab. In diesen Kreativquartieren können Start-ups gemeinsam mit etablierten Unternehmen und Experten an Produkten, Technologien und Dienstleistungen feilen. Für die Städte ist das die Chance, eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung eigener innovativer Lösungen einzunehmen. Start-ups und die lokale Wirtschaft profitieren umgekehrt von den optimierten Rahmenbedingungen.

Mathias Oberndörfer ist Managing Partner und Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Mathias Oberndörfer ist Managing Partner und Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Dieses Modell, bei dem der Staat Start-ups fördert und von ihrem Ideenreichtum profitiert, ist ein neuer Ansatz in der Digitalisierungsdebatte. Start-ups entwickeln Lösungen, die zumeist pragmatisch und eben nicht bürokratisch sind. Sie können mit ihrer Mentalität und ihrem unvorbelasteten Herangehen die öffentliche Verwaltung an vielen Stellen effizienter, leichter zugänglich und bürgerfreundlicher machen. Mindestens aber können sie weitergehende, komplexere Lösungsansätze und -prozesse anstoßen.

Dem steht jedoch häufig die "Null-Fehler-Mentalität" von Verwaltungen im Wege. Denn die unterliegen schließlich dem Legalitätsprinzip. Sie müssen Entscheidungen treffen und Handlungen vornehmen, die auf Basis der geltenden Rechtsnormen ermessensfehlerfrei sind. Mit anderen Worten: Die öffentliche Verwaltung muss zuverlässig und diskriminierungsfrei funktionieren. Dies ist kein Vorwurf, denn die ordentliche Staatsverwaltung ist eine der großen Stärken des Standortes Deutschland. Doch wie lassen sich die rechtlichen und politischen Vorgaben, die Ursache für langsamere Reaktionszeiten sind, mit den schlanken Prozessen bei Start-ups unter einen Hut bringen?

Antwort: Innovationspartnerschaften

Eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit innerhalb des geltenden Vergaberechts ist die sogenannte "Innovationspartnerschaft". Dies ist ein besonderes Vergabeverfahren, bei dem Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden, die noch nicht auf dem Markt verfügbar sind. Das Verfahren beginnt mit einem Wettbewerb, in dem die Start-ups, die sich bewerben, ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Die am besten geeigneten Kandidaten können dann ein Angebot in Form einer Forschungs- oder Innovationsidee einreichen. Der Auftraggeber der öffentlichen Hand entscheidet sich schließlich für ein Projekt, das entwickelt wird. Diese Phasen können mit einem attraktiven Vergütungsmodell so gestaltet werden, dass auch Start-ups profitieren.

Das Ergebnis: Innovative Lösungen, die Verwaltungsprozesse beschleunigen und die Digitalisierung antreiben. So eine enge Kooperation mit fest in der digitalen Welt verankerten Auftragnehmern ist heute noch selten zu finden, kann und sollte aber zum Standard werden.

Quelle: n-tv.de