Wirtschaft

Wirtschaft schlägt Alarm Derzeit sind 350.000 Deutsche in Quarantäne

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Wenn Bauarbeiter in Quarantäne müssen, hilft kein Homeoffice.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wenn die Infiziertenzahlen steigen, wächst auch das Heer von Kontaktpersonen, die sich in die Isolation begeben müssen. Eine Analyseplattform kommt auf 350.000 Menschen, die in Deutschland derzeit in Quarantäne sind. Präsenzbetriebe wie das Handwerk bekommen das zu spüren.

Angesichts der rapide steigenden Infektionszahlen in Deutschland müssen immer mehr Menschen in Quarantäne - mit wachsenden Folgen für die Wirtschaft. Risklayer, eine Corona-Beobachtungs- und Analyse-Plattform im Internet mit Sitz in Karlsruhe, kommt auf Grundlage der Meldungen der Landkreise mittlerweile auf eine Zahl von mehr als 350.000 Personen, die sich in Quarantäne befinden. Ende September waren es noch 140.000. Die Fälle der Selbstisolation und Eltern, die wegen geschlossener Schulen oder Kitas wieder zuhause bleiben müssen, sind dabei noch nicht mitgezählt.

Angesichts dieser Entwicklung schlägt die Wirtschaft Alarm. "Mit steigenden Infektionszahlen erhöht sich die Gefahr für unsere Betriebe, dass Beschäftigte entweder selbst wegen einer Infizierung oder aber wegen einer vom Gesundheitsamt angeordneten Quarantäne nicht zur Arbeit kommen können", sagt der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer. "Wir können uns gesellschaftlichen und privaten Leichtsinn im wahrsten Sinne des Wortes nicht leisten, weil er mit betrieblichen und wirtschaftlichen Einbußen einhergeht."

Zwar haben Bundes- und Landesregierungen beschlossen, dass sie einen Lockdown für die Wirtschaft so lange wie möglich vermeiden wollen. Aber in der Republik zeichnet sich nun eine Art informelles Ausdünnen der Betriebe ab. Deutlich wird dies bereits in Kliniken, die über stark steigende Zahlen an Personal auch auf Intensivstationen klagen, die entweder infiziert oder aber in Quarantäne sind. Wirtschaftsverbände hatten zudem schon in der ersten Welle davor gewarnt, dass Mitarbeiter fehlten, wenn Eltern ihre Kinder zuhause betreuen müssten. Beim Wirtschaftswachstum insgesamt seien die Auswirkungen derzeit zwar noch begrenzt und beliefen sich auf einen BIP-Effekt von 0,1 bis 0,2 Prozent, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Im Vergleich zu allen anderen Faktoren sei das bisher noch zweitrangig. "Für einzelne Bereiche wie Gesundheitswesen und Handwerk, in denen es auf Präsenz ankommt, dürfte der Effekt allerdings deutlich größer sein", räumte er ein.

Quelle: ntv.de, mau/rts