Wirtschaft

Fusion mit Praxair Designierter Linde-Chef umwirbt Mitarbeiter

b10a945a7fc5904e78065a16345fb9d0.jpg

Gewerkschaften und Beschäftigte von Linde sorgen sich um Arbeitsplätze.

(Foto: imago/Volker Preußer)

Steve Angel soll das fusionierte Unternehmen aus Linde und Praxair leiten. Er versucht nun, den Linde-Mitarbeitern den Zusammenschluss schmackhaft zu machen. Angel erwartet ein nachhaltiges Wachstum des Konzerns.

Vor der Fusion von Linde und Praxair zum weltgrößten Industriegasekonzern umwirbt der designierte Chef Steve Angel die widerstrebenden Arbeitnehmer. "Die Aussicht auf langfristig nachhaltiges Wachstum bietet klare Entwicklungschancen für unsere Mitarbeiter", sagte der Chef des US-Konzerns Praxair.

Aufsichtsrat und Vorstand von Linde hatten am Vorabend den Fusionsvertrag nach Protesten von Arbeitnehmern des deutschen Konzerns abgesegnet. Wenn auch Aktionäre und Behörden mitziehen, soll der 65 Milliarden Euro schwere Zusammenschluss nächstes Jahr über die Bühne gehen.

Viele Anleger musste Angel kaum mehr überzeugen: Die Linde-Aktie zählte am Freitag zu den größten Gewinnern im Dax. Die Praxair-Titel waren am Vorabend in New York mit einem Kursanstieg von 1,4 Prozent aus dem Handel gegangen. Bei Investoren kam auch die Aussicht auf Kostensenkungen an, die Linde nun auf 1,1 Milliarden Euro jährlich bezifferte.

Gewerkschaften und Beschäftigte von Linde sorgen sich um Arbeitsplätze und ihre in Deutschland verankerte Mitbestimmung, wenn der Konzern künftig rechtlich in Irland sitzt und von Angel aus der bisherigen Praxair-Zentrale im US-Bundesstaat Connecticut gelenkt wird. Zwar soll der bisherige Linde-Sitz München ein wichtiger Standort bleiben und Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle den Verwaltungsrat des neuen Konzerns leiten. Doch das reichte den meisten Arbeitnehmervertretern nicht an Zugeständnissen - sie gingen gegen die Fusion auf die Barrikaden.

Keine geschlossene Front der Arbeitnehmer

Nach monatelangem Streit fiel die Entscheidung im Linde-Aufsichtsrat am Donnerstagabend aber ohne die von manchen erwartete Kampfabstimmung: Nur fünf der sechs Arbeitnehmervertreter votierten Insidern zufolge gegen den milliardenschweren Deal. Ausgeschert sei der Betriebsratschef des Dresdner Standorts, der ohne die Fusion von der Schließung bedroht wäre. Alle sechs Repräsentanten der Kapitalseite stimmten dafür. Deshalb habe Aufsichtsratschef Reitzle darauf verzichtet, die Zustimmung mit seinem doppelten Stimmrecht zu erzwingen.

In Dresden entwerfen gut 500 Mitarbeiter Konstruktionspläne für Lindes Anlagenbausparte. Die gesamte Sparte ist weniger renditeträchtig als das Gasegeschäft, weshalb bei Arbeitnehmern Sorgen aufkamen, Angel könne sich vom Anlagenbau insgesamt trennen. Dieser widersprach solchen Befürchtungen am Freitag mit einem deutlichen Bekenntnis: "Wir freuen uns sehr, diese Fähigkeit in das neue Unternehmen einzubringen", erklärte der Amerikaner. "Ich habe in vielen Jahren erkannt, dass man kein führendes Industriegaseunternehmen sein kann, wenn man kein starkes Ingenieur- und Technologie-Standbein hat."

Durch Kartellauflagen im Zuge der Fusion erwarte er keine besonderen Schwierigkeiten, sagte Angel. Sein Ziel sei es, Veräußerungen so gering wie möglich zu halten. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Auflagen, die höchstwahrscheinlich erforderlich sind, sehr überschaubar sind."

Linde und Praxair nahmen im Dezember nach einem gescheiterten ersten Versuch einen zweiten Anlauf zu einer Fusion. 2016 kamen beide Konzerne zusammen auf rund 26 Milliarden Euro Umsatz und 85.000 Mitarbeiter. Der gemeinsame Börsenwert beläuft sich auf 65 Milliarden Euro. Damit würden die beiden Hersteller von Gasen wie Sauerstoff, Wasserstoff und Helium den bisherigen Weltmarktführer Air Liquide aus Frankreich überrunden.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

Mehr zum Thema