Wirtschaft

"Paketkopter" über der Konzernzentrale Deutsche Post testet Lieferdrohne

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Der Himmel gehört längst nicht mehr den Vögeln allein: Auf seinem Jungfernflug ließ sich der "Paketkopter" von einer Schar wilder Stadttauben begleiten.

REUTERS

Für Amazon ist es ein viel beachteter Werbe-Gag, für die Deutsche Post dagegen das Ergebnis ernster Überlegungen. Bei einem ersten Experimentalflug probt DHL die autonome Paketlieferung und schickt dazu einen unbemannten Mini-Hubschrauber quer über den Rhein.

  Der Paketdienstleister der Deutschen Post hat erstmals den Einsatz einer Kleindrohne für die Paketzustellung getestet. Bei dem erfolgreichen Probeflug brachte ein "DHL Paketkopter" zu Wochenbeginn ein Paket mit Medikamenten von einer Apotheke in Bonn zur Konzernzentrale auf der anderen Rheinseite. Konkrete Pläne, das unbemannte Kleinfluggerät im regulären Zustellbetrieb einzusetzen, hegt der im Börsenleitindex Dax notierte Post-Konzern nach eigenen Angaben derzeit nicht.

"Wir stehen erst ganz am Anfang des Forschungsprojekts", sagte Post-Manager Ole Nordhoff, der die Lieferung in Empfang nahm. "Grundsätzlich ist das eine spannende Technologie." Sie müsse nun für "konkrete Anwendungsfälle" weiterentwickelt werden.

Wenn Pakete probefliegen

Die Drohne - ein sogenannter Quadrokopter mit vier Rotoren - war bei dem Jungfernflug rund zwei Minuten in einer Höhe von etwa 50 Metern unterwegs und legte dabei insgesamt eine Strecke von etwa einem Kilometer über unbewohntem Gebiet zurück. Unter dem Rumpf trug die Maschine eine Medikamentenlieferung einer Bonner Apotheke. Der Testflug quer über den Rhein zur Unternehmenszentrale der Post am anderen Ufer verlief reibungslos.

Aus Sicherheitsgründen blieb der surrende Post-Roboter während des Flugs stets in Reichweite von zwei unabhängigen Bodenstationen: Zwei Drohnenpiloten am Boden blieben mit dem Fluggerät in Funkkontakt und steuerten die Drohne mit ihren Funksignalen sicher ins Ziel. Technisch wäre auch bereits eine GPS-Steuerung möglich gewesen, betont die Post. Für den Flug habe es zudem eine behördliche Genehmigung gegeben.

Der Paketkopter ist nach Angaben der Post Teil eines Forschungsprojekts; der erste Test über dem Rhein ist demnach nur der Anfang. Post-Chef Frank Appel sagte der "Deutschen Verkehrs-Zeitung" (DVZ), der fünftägige Pilotversuch mit dem Paketkopter sei ein Beleg dafür, dass auch die Deutsche Post Zukunftstechnologien entwickeln könne. "Wir haben sehr kreative Leute in unserem Paketbereich. Die haben sehr viele gute Ideen." Der Post sei so etwas lange nicht zugetraut worden.

Erst vor wenigen Tagen hatte der weltgrößte Online-Händler Amazon mit seiner Ankündigung, in der Zukunft Päckchen auch mit Mini-Drohnen zustellen zu wollen, weltweit erheblichen Wirbel ausgelöst. Die Idee ist nach Angaben des Unternehmens, per "Octocopter" bestellte Ware binnen 30 Minuten zum Käufer zu bringen. Amazon setzt damit beim Prototypen nicht nur auf ein deutlich leistungsfähigeres Modell, sondern verfolgt insgesamt auch ein anderes Konzept.

DHL-Test realistischer als Amazon

Für den Einzelhändler geht es eigenen Angaben zufolge um die Belieferung von Endkunden. Die Deutsche Post dagegen probt den Versand eiliger Lieferungen wie etwa Medikamenten in entlegene Regionen - oder in die Brief- und Logistikzentren, die der Konzern überall in Deutschland betreibt. Diese Niederlassungen verfügen in der Regel über reichlich nutzbare Landeflächen. Von hier aus ließen sich die Pakete über das konventionelle Zustellnetz bis zum Kunden weiterverschicken. Eine Abwicklung dieser Strecken wäre in der Praxis wohl sehr viel leichter zu realisieren als der von Amazon projektierte Drohnenanflug in den Vorgarten, zum Balkon oder an die Haustür.

Amazon-Gründer Jeff Bezos schränkte dann auch gleich ein, dass noch zahlreiche weitere Tests erforderlich seien und auch eine reguläre Zulassung der US-Luftfahrtbehörde FAA noch ausstehe. Hier sehen Experten reichlich ungeklärte Fragen, bevor der fliegende Paketdienst im Massenmarkt Wirklichkeit werden kann. Wie zum Beispiel sollen Bewohner in Hochhausetagen ihre Sendungen entgegennehmen? Wer haftet im Fall eines Absturzes für etwaige Personenschäden am Boden? Wie lassen sich die Schwärme an Paketdrohnen über dicht bebauten Gebieten vernünftigerweise kontrollieren?

Es könnte eng werden am Himmel

Denn eines ist jetzt schon klar: Sollte einem Unternehmen die Lösung der technischen, rechtlichen und logistischen Fragen befriedigend gelingen, dürften weite Teile des Versandhandels auf den neuen Lieferweg durch die Luft umschwenken. Diese Entwicklung müssen auch die Behörden bei der Genehmigung kommerzieller Paketanlieferung per Drohne berücksichtigen: Wenn es erst einmal im Einzelfall funktioniert, wäre bald schon mit einem erheblichen Verkehrsaufkommen in der Luft zu rechnen.

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Standardpackset Größe M: "Wir stehen erst ganz am Anfang."

(Foto: dpa)

Für Amazon war der Paketdrohnen-Test in erster Linie noch ein durchschlagender Publicity-Erfolg. Der US-Paketdienst UPS denkt eigenen Angaben zufolge ebenfalls über den Einsatz von solchen unbemannten Transporthelikoptern nach. Die Experimente der Deutschen Post allerdings belegen, wie ernst es der Logistikbranche mit autonom fliegenden Transporteinheiten ist.

Der Vorteil der Drohne gegenüber automatisch gelenkten Selbstfahr-Lkws liegt auf der Hand: Die Steuerungsautomatik nach GPS-Daten ist am Himmel sehr viel leichter umzusetzen als etwa im Straßenverkehr, wo es mitunter auf jeden Zentimeter ankommt und wo zudem mit sehr viel mehr menschlichen Verkehrsteilnehmern gerechnet werden muss.

Billiger als jeder Hubschrauber

Unbemannte Fluggeräte sind in den militärischen Arsenalen mehrerer Staaten bereits seit Jahren im Einsatz. Insbesondere die Vereinigten Staaten setzen die ferngesteuerten Waffenträger zum Distanzschlag aus der Luft ein. Dabei kommt es im Rahmen des "Krieges gegen den Terror" mitunter zu Tötungen auf Verdacht - und immer wieder auch zu verheerenden Fehlschlägen mit Opfern unter der unbeteiligten Zivilbevölkerung.

Nicht nur in Staaten wie Pakistan oder Afghanistan ist der Drohneneinsatz daher heftig umstritten. Auch Kriegs- und Völkerrechtler sehen das Vorgehen der Drohnen-Mächte kritisch. Deutschland bemüht sich seit längerem, in den derzeit noch exklusiven Club der Militärmächte mit einsatzfähigen Kampfdrohnen aufzusteigen.

Dabei lassen sich für Drohnen abseits der kriegerischen Verwendung zahlreiche sinnvolle Einsatzgebiete im zivilen Bereich abstecken. So sind unbemannte Minihubschrauber bereits vielfach als einfache Kameraträger unterwegs, um vom Boden schwer zugängliche Dachflächen zu untersuchen oder den Verlauf von Kabelstrecken zu inspizieren.

Neben den Einsätzen zur Inspektion und Überwachung aus der Luft, nutzen Wissenschaftler Drohnen zum Beispiel zur Sammlung von Geodaten, den Schutz von Wildtieren oder für die Luftbildfotografie. Auch in der Katastrophenhilfe können die leichten, flexiblen Fluggeräte wertvolle Dienste leisten - und damit mitunter auch dem Steuerzahler den Einsatz kostspieliger Großgeräte ersparen.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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