Wirtschaft

Marktanteil geht zurückDeutsche Spitzentechnologie bekommt zunehmend Konkurrenz

20.05.2026, 15:34 Uhr
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Eine Roboteranwendung für Orthopädie und Chirurgie aus Deutschland. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

Der Anteil deutscher forschungsintensiver Güter an weltweiten Exporten in dem Bereich schrumpft seit Jahren. Damit schwinde eine zentrale Stärke Deutschlands, konstatiert ein Forscher.

Deutschlands forschungsintensive Industrien verlieren einer Studie zufolge an Wettbewerbsfähigkeit. Ihr Anteil an den globalen Exporten forschungsintensiver Güter schrumpfe seit 2015 stetig, wie aus der Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters vorab vorlag. Zwar bleibe Deutschland mit einem Welthandelsanteil von rund zehn Prozent im Jahr 2024 nach wie vor der drittgrößte Exporteur in diesem Bereich. Er sei aber um rund 15 Prozent gesunken. "Die wirtschaftliche Stärke Deutschlands beruhte lange auf seinen forschungsintensiven Industrien", fasste Studienautor Alexander Schiersch aus der DIW-Forschungsgruppe Entrepreneurship die Ergebnisse zusammen. "Doch diese Stärke schwindet."

Der Befund passt zu den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts. Jeder vierte deutsche Industriebetrieb sieht seine Wettbewerbsfähigkeit auf Märkten außerhalb der Europäischen Union schwinden, wie die Münchner Forscher mitteilten. Innerhalb Europas liegt der Anteil etwas niedriger bei 15,5 Prozent. "Die deutschen Unternehmen stehen auf den Weltmärkten zunehmend unter Druck", sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. "Von einer Trendwende ist bislang nichts zu erkennen."

Zuwächse bei kleinen europäischen Ländern

Die schwindende Konkurrenzfähigkeit ist dem DIW zufolge nicht nur dem Aufstieg Chinas geschuldet. Die Volksrepublik steigerte ihren Anteil am Weltmarkt seit 2015 um gut ein Fünftel auf 22 Prozent. Kleinere europäische Länder wie Dänemark, die Niederlande oder die Schweiz verzeichneten aber ebenfalls Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich. "Innovation und die Entwicklung von sehr spezialisierten, schwer ersetzbaren Produkten können den Welthandelsanteil steigern - trotz Chinas wachsender Bedeutung", sagte Co-Autor Christian Danne.

Deutsche Produzenten hochwertiger Technologiegüter, wie im Automobil- und Maschinenbau, sind den Angaben nach auch in anderen Bereichen im internationalen Vergleich abgerutscht. Seit 2015 wuchs die Produktivität zwar um acht Prozent. Die Niederlande (+30 Prozent), die Schweiz (+20 Prozent) und Japan (+14 Prozent) legten aber stärker zu. Bei der Spitzentechnologie - wozu etwa Pharma, Elektronik und Optik zählen - steigerte Deutschland seine Arbeitsproduktivität um 25 Prozent. Die Schweiz (+105 Prozent), die Niederlande (+59 Prozent) und Frankreich (+29 Prozent) schnitten aber besser ab.

Generierung von Wachstum möglich

Grund dafür waren in manchen Fällen ein einzelnes Unternehmen wie der Pharmakonzern Novo Nordisk in Dänemark oder eine einzelne Branche wie die Pharmaindustrie in der Schweiz. "Die wachsende Spreizung zwischen den Ländern basiert somit nicht auf breit angelegten Trends", sagte Schiersch. "Die Erfolge der europäischen Nachbarn zeigen aber, dass es weiterhin möglich ist, mit Innovationen zusätzliche Wertschöpfung und wirtschaftliches Wachstum zu generieren."

Um zu verhindern, dass Deutschland weiter an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verliert, sieht das DIW drei Ansatzpunkte. "Weniger Regulierungsdichte, bessere öffentliche Verwaltung und ein weniger fragmentierter europäischer Binnenmarkt - ohne diese Hebel lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nicht dauerhaft sichern", betonte Schiersch. Auch das Ifo-Institut hält Änderungen für notwendig. "Deutschland droht im internationalen Wettbewerb weiter zurückzufallen", sagte Umfragechef Wohlrabe. "Um gegenzusteuern, sind Reformen unabdingbar."

Quelle: ntv.de, mpe/rts

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