Wirtschaft

So viel Müll machen die Europäer Deutsche sind Recycling-Meister

27729233.jpg

Das System mit dem Grünen Punkt scheint zu funktionieren - die Deutschen sind Recycling-Europameister.

(Foto: picture alliance / dpa)

Hunderte Kilo Müll produziert jeder Europäer im Jahr. Nirgendwo sonst wird davon so viel recycelt wie in Deutschland. Die Branche gibt sich zufrieden. Die Politik sieht allerdings noch Nachholbedarf, denn die schiere Abfallmenge ist gewaltig.

Nirgendwo in Europa wird so viel Müll wiederverwertet wie in Deutschland: Im Durchschnitt führt jeder Deutsche jährlich rund 415 Kilogramm Wertstoffe dem Recycling zu. Dies zeigt eine Auswertung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Damit nimmt Deutschland in Europa den ersten Platz ein, gefolgt von der Schweiz (382 Kilogramm), Dänemark (372 Kilogramm) und Österreich (326 Kilogramm).

Der Auswertung zufolge produzieren die Deutschen pro Kopf jedes Jahr rund 213 Kilogramm Restmüll. Weniger Restmüll entsteht nur in Polen (196 Kilogramm) und in Belgien (172 Kilogramm). Auf den hinteren Rängen liegen Norwegen (468 Kilogramm), Zypern (532 Kilogramm) und Malta (584 Kilogramm).

Trotz des relativ hohen gesamten Müllaufkommens in Deutschland gingen dem Wirtschaftskreislauf so vergleichsweise wenige wichtige Ressourcen endgültig verloren, sagte der Direktor des HWWI, Henning Vöpel. "Haushalte sollten aber noch stärker darauf achten, dass Abfälle gar nicht erst entstehen - insbesondere nicht wiederverwertbare."

Kritik an deutscher Praxis

Im April übte die FDP-Europa-Abgeordnete Gesine Meißner Kritik an der Ermittlung der deutschen Recycling-Quote. "In der Vergangenheit haben manche Mitgliedstaaten, auch Deutschland, an dieser Stelle sehr kreativ gearbeitet und bessere Recyclingquoten ermittelt als gerechtfertigt waren." Die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft schätzte zuletzt, dass in der Bundesrepublik höchstens 40 Prozent des Hausmülls tatsächlich stofflich recycelt werden.

Das EU-Parlament hatte im April neue Recyclingquoten gebilligt, für die sich auch Deutschland mehr anstrengen muss. Ziel ist, Abfall strikter zu vermeiden oder wirklich neu zu nutzen, statt ihn auf die Müllkippe zu fahren oder zu verbrennen. Demnach sollen statt heute 44 Prozent des Hausmülls bis 2025 in der gesamten EU mindestens 55 Prozent und bis 2030 mindestens 65 Prozent recycelt werden. Ab 2035 sollen höchstens noch zehn Prozent des Mülls auf der Deponie landen.

Die EU sieht eine Reihe weiterer Vorgaben für bestimmte Abfallarten vor. So soll bei Verpackungsabfällen schon 2025 eine Recyclingquote von 65 und 2030 von 70 Prozent erreicht werden. Ab 2024 müssen überall in Europa Bioabfälle getrennt gesammelt werden, ab 2025 auch Textilien und gefährlicher Hausmüll. Zudem sollen sich die EU-Staaten bemühen, die riesige Menge weggeworfener Lebensmittel zu reduzieren, und zwar um 30 Prozent bis 2025 und um die Hälfte bis 2030.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

Mehr zum Thema