Wirtschaft

Finanziert aus eigenen MittelnDeutsches Startup will milliardenschweres KI-Rechenzentrum bauen

10.03.2026, 08:07 Uhr
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Polarise hat ehrgeizige Pläne. (Foto: picture alliance/dpa)

In Bayern soll ein KI-Rechenzentrum entstehen, das möglicherweise ein Investitionsvolumen von zwei Milliarden Euro aufweisen wird. Die Leistung der Anlage könnte in Zukunft dabei noch deutlich erhöht werden. Zu den möglichen Kunden hält man sich bedeckt.

Das deutsche Startup Polarise plant nach dem Start des KI-Rechenzentrums in München eine weitere, noch größere Anlage in Bayern. Der Spezialist für den Bau und Betrieb von Rechenzentren teilte mit, er werde dort KI-Hochleistungsserver mit einer Anschlussleistung von zunächst 30 Megawatt installieren. Das ist etwa das Doppelte der Anlage in München, die Polarise ebenfalls gebaut hat und nun betreibt. Die Deutsche Telekom, die den Münchener Standort für ihre KI-Cloud nutzt, beziffert das Investitionsvolumen dort auf rund eine Milliarde Euro. Dies legt nahe, dass für das neue Projekt von Polarise in etwa doppelt so hohe Investitionen veranschlagt werden müssen.

"Wir erhalten keine Subventionen und finanzieren die Investition aus eigenen Mitteln", betonte Polarise-Marketingchef Marc Gazivoda. "Das finale Investitionsvolumen hängt stark davon ab, wie viele Kunden eigene Server installieren oder Rechenleistung anmieten." Ein erheblicher Kostenfaktor seien zudem die KI-Prozessoren, bei denen es große Preisunterschiede gebe.

Das neue Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz soll in der Gemeinde Amberg im Unterallgäu auf dem Gelände einer früheren Kurzwellen-Sendeanlage entstehen und Mitte 2027 einsatzbereit sein. Für die Energieversorgung werde der Partner WV Energie eine Windkraft- und Solaranlage sowie Batterien für die Zwischenspeicherung von Strom installieren, teilte Polarise mit.

Polarise hat große Pläne für den Standort Amberg: Die Anschlussleistung könne bei Bedarf auf bis zu 120 Megawatt ausgebaut werden, erklärte das Startup. Das wäre noch einmal das Vierfache der jetzt geplanten Leistung. Rechenzentren der großen US-Cloudanbieter Amazon Web Services (AWS), Google oder Microsoft benötigen üblicherweise 100 Megawatt oder mehr an Energie. Die Facebook-Mutter Meta plant in den USA ein KI-Rechenzentrum mit einem Bedarf von zwei Gigawatt. Dies entspricht der Leistung von einem bis zwei Atomkraftwerken.

Polarise ist Partner von Nvidia

Deutschland und Europa wollen sich unabhängiger machen von US-Anbietern. Das neue Polarise-Projekt zahlt darauf ein: Es würde die Kapazitäten an KI-Rechenzentren in Deutschland in den Händen heimischer Anbieter verdoppeln. Polarise-Chef Michel Boutouil wollte sich nicht zu den künftigen Nutzern des Standorts Amberg äußern. "Wir führen Gespräche mit einer Reihe potenzieller Kunden", sagte er lediglich. Der Manager war zuvor unter anderem in leitender Position beim Cloud-Anbieter Northern Data tätig. Die Server in München sind nach Angaben der Telekom bislang zu 40 bis 50 Prozent ausgelastet.

Das 2024 gegründete Unternehmen Polarise betreibt 13 Rechenzentren im In- und Ausland. Zu den Standorten gehören neben München auch Frankfurt und der Flughafen Oslo. Das Startup ist nach eigenen Angaben bevorzugter Partner des weltgrößten Chipkonzerns Nvidia. Vor etwa zwei Wochen kündigte der Finanzinvestor SWI die Übernahme der Mehrheit an Polarise an, bei der das deutsche Unternehmen mit 500 Millionen Euro bewertet wird. SWI stellt der Vereinbarung zufolge Polarise eine Milliarde Euro für weitere Investitionen zur Verfügung.

Quelle: ntv.de, rog/rts

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