Wirtschaft

Digitalminister hat viel vorDeutschland plant die Super-App

12.04.2026, 19:08 Uhr
imageVon Niklas Wirminghaus
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Die App soll den lange vermissten zentralen Zugang zu Verwaltungsleistungen ermöglichen. (Foto: picture alliance/dpa)

Digitalminister Karsten Wildberger will, dass SAP und Telekom eine Bürger-App entwickeln - und dass ein deutsch-kanadischer KI-Champion entsteht. Kann das funktionieren?

Digitale Souveränität geistert seit Jahren als gut gemeintes, aber selten ernsthaft konkretisiertes Leitprinzip durch die politische Debatte. Karsten Wildberger, seines Zeichens Deutschlands erster Digitalminister, scheint nun ernst damit machen zu wollen. Zwei Großprojekte unterstreichen die Ambition des Ex-Managers, tatsächlich so etwas wie digitale Industriepolitik zu verfolgen.

Da ist zum einen der Plan für eine Super-App für Bürger: Sie soll den lange vermissten zentralen Zugang zu Verwaltungsleistungen ermöglichen, von Anträgen auf Grundsicherung über die Wohnsitzanmeldung bis zur Unternehmensgründung. An der Digitalisierung der dahinter liegenden Prozesse und Zugänge mühen sich Bund, Länder und verschiedene Institutionen seit Jahren ab; die mutmaßlich "Deutschland-App" genannte Anwendung soll nun ins Zentrum rücken. Für die Umsetzung eines Prototypen hat Wildbergers Ministerium nun SAP und Telekom beauftragt, auch die Heilbronner Schwarz-Gruppe soll Technologie ihres Wire-Messengers zuliefern. Ganz offensichtlich will der Minister das App-Projekt nutzen, um damit auch die heimische IT-Industrie zu stärken.

Dass dabei ausgerechnet SAP und Telekom zum Zuge kommen, die vor Jahren mit der Corona-Warn-App wahrlich kein Glanzstück ablieferten, sorgt für Unmut in der Digitalbranche. Man hätte, so wird kritisiert, auch Startups beauftragen oder ganz auf Open Source setzen können, heißt es. Aber vermutlich ist dem ehemaligen Ceconomy-Manager die Welt der SAPs und Schwarz Digits einfach näher. Das Risiko ist aber, dass Wildberger sich (und letztlich uns Bürgern) damit ein neues Riesen-IT-Projekt einbrockt, das "teuer, zentralistisch, schwerfällig" zu werden droht, wie es der Digitalexperte Holger Schmidt formuliert.

Das andere industriepolitische Vorhaben Wildbergers ist der Versuch, die ehemalige deutsche KI-Hoffnung Aleph Alpha mit dem kanadischen Unternehmen Cohere zu verschmelzen. Das "Handelsblatt" berichtete zuerst über die geplante Fusion, zu der sich die beteiligten Firmen allerdings bislang bemerkenswert bedeckt geben. Ein deutsch-kanadischer Zusammenschluss könnte eine Art freiheitlich-demokratischer Front gegen die Übermacht der amerikanischen Big Techs bilden, das ist der offensichtliche politische Wille hinter der Fusion. Gelingen kann das aber nur, wenn das auch betriebswirtschaftlich Sinn ergibt. Und hier gibt es wiederum Zweifel.

Dieser Text erschien zuerst bei capital.de

Quelle: ntv.de

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