Dickes Plus an den BörsenWaffenruhe im Iran lässt Ölpreis abstürzen

An den Märkten sorgt die Einigung auf einen Waffenstillstand im Iran für Erleichterung: Die Kurse schießen nach oben, während der Ölpreis deutlich abrutscht. Doch an den Tankstellen könnte sich das noch nicht so schnell niederschlagen.
Die Einigung auf eine zweiwöchige Waffenruhe im Nahen Osten hat eine Erleichterungsrally an den Finanzmärkten ausgelöst. Die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der Öl- und Gaslieferungen durch die Straße von Hormus ließ die Ölpreise einbrechen und beflügelte die Aktienmärkte.
Die Ölpreise brachen deutlich ein. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 12,9 Prozent auf 95,22 Dollar. Das US-Öl WTI notierte 14,7 Prozent schwächer bei 96,39 Dollar.
Die Kraftstoffpreise könnten allerdings nach Einschätzung der US-Energiebehörde EIA selbst nach einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus noch monatelang steigen. Eine vollständige Wiederherstellung der Öltransporte durch die Meerenge werde auch nach einem Ende des Konflikts Monate dauern, teilt die Behörde in ihrem kurzfristigen Energieausblick mit. Wegen der Unsicherheit über künftige Lieferausfälle dürften die Ölpreise bis zum Jahresende über dem Vorkrisenniveau bleiben. "Ebenso wie wir noch nie erlebt haben, dass die Meerenge geschlossen wurde, haben wir auch noch nie erlebt, dass sie wieder geöffnet wird", erklärte die EIA. "Wie genau das ablaufen wird, bleibt abzuwarten."
Nikkei deutlich im Plus
In Tokio schoss der Nikkei-Index um fünf Prozent in die Höhe. Der südkoreanische Kospi legte um sechs Prozent zu, was zu einer Handelsunterbrechung führte. Analysten zeigten sich jedoch zurückhaltend, ob die Waffenruhe zu einer dauerhaften Lösung führen wird. Die entscheidende Frage sei, ob die Verhandlungen in den nächsten zwei Wochen vorankommen, sagte Charu Chanana, Anlagestrategin bei Saxo. "Das wird darüber entscheiden, ob dies nur eine Erleichterungsrally bleibt oder sich zu einer dauerhaften Deeskalation entwickelt." Der Einigung waren wochenlange Spannungen vorausgegangen, nachdem Angriffe der USA und Israels auf den Iran die Region an den Rand eines Krieges gebracht hatten. Teheran hatte daraufhin die strategisch wichtige Wasserstraße blockiert.
Am Devisenmarkt geriet der Dollar, der in den vergangenen Wochen als sicherer Hafen gesucht war, unter Druck. Er verlor 0,7 Prozent auf 158,51 Yen und 0,9 Prozent auf 0,7902 Schweizer Franken. Der Euro legte im Gegenzug um 0,7 Prozent auf 1,1670 Dollar zu.
An der Wall Street hatte der Dow-Jones-Index am Dienstag mit einem Minus von 0,2 Prozent bei 46.584,46 Punkten geschlossen. Der breit gefasste S&P 500 notierte kaum verändert, während der technologielastige Nasdaq stagnierte. Die Futures auf den S&P 500 deuteten zur Eröffnung am Mittwoch jedoch auf ein Plus von über zwei Prozent hin.